PARA-LEICHTATHLETIK: Deschwanden weiss, wo er ansetzen muss

Eine Gold- und eine Silbermedaille gibt es für die Schweizer an der Junioren-Weltmeisterschaft in Nottwil. Gewonnen worden sind auch viele Erkenntnisse.

Theres Bühlmann
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Andrin Deschwanden im 100-Meter-Rennen. (Bild: Pius Amrein (Nottwil, 5. August 2017))

Andrin Deschwanden im 100-Meter-Rennen. (Bild: Pius Amrein (Nottwil, 5. August 2017))

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Grosse Freude bei der Schweizer Delegation: Die 16-jährige Rollstuhlfahrerin Licia Mussinelli aus Derendingen, die während der Woche in Nottwil wohnt, gewann am Sonntag an der Junioren-Weltmeisterschaft über 1500 m die Goldmedaille. Sie zeigte dabei taktisch eine reife Leistung. Bereits am Samstag holte sie sich in einem spannenden Rennen über 800 m und vor grosser Zuschauerkulisse die silberne Auszeichnung.

Kurz nach 18.30 Uhr beendete am Sonntag der Horwer Andrin Deschwanden über 400 m seinen dritten und letzten WM-Einsatz. Dabei belegte er Platz 3. Weil aber nur drei Athleten am Start waren, wurden nur Gold und Silber vergeben. Zu einer im Vorfeld angestrebten Medaille reichte es nicht, «doch ich habe viel Erfahrung gesammelt und weiss, wo ich in Zukunft noch ansetzen muss», sagte der 15-jährige Rollstuhlsportler, der an der Eröffnungsfeier am Donnerstag die Schweizer Delegation als Fahnenträger anführte. Verbesserungspotenzial sieht er vor allem beim Start. Auch Dario Studer (Hauenstein) und Wayra Huber (Arlesheim) verpassten die Podestplätze.

Diese Weltmeisterschaft, an der 275 Athleten im Alter von 14 bis 19 Jahren aus 40 Nationen teilnahmen, war eine Premiere und wurde vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) neu geschaffen. So sollen die Junioren Schritt für Schritt an die Elite herangeführt werden, um gut vorbereitet einst an Weltmeisterschaften oder an Paralympischen Spielen teilzu­nehmen. In Nottwil starteten Rollstuhlsportler, Akteure mit Amputationen, mit zerebraler Lähmung, Seh- oder Lernbehinderung und Kleinwuchs.

Bestätigung einer guten Arbeit

«Solche Weltmeisterschaften sind für uns wichtig, um einen internationalen Vergleich zu erhalten, auch wenn die Felder teilweise nicht gross waren», sagte Paul Odermatt, Nationaltrainer Nachwuchs. «Wir haben die Bestätigung bekommen, dass wir gut arbeiten.» Licia Mussinelli, verfüge über Voraussetzungen, es einmal weit zu bringen, aber auch die drei anderen Schweizer Teilnehmer hätten ihre Sache gut gemacht. Es gelte nun, jeden der Athleten nach seinen Möglichkeiten entsprechend gezielt weiter zu fördern. Auch im Bereich der 8- bis 13-jährigen gebe es Talente, «die mir viel Freude bereiten», sagte Odermatt.

Sind nun Nachfolger von Manuela Schär und Marcel Hug in Sicht? «Vergleiche sind schwierig», sagte Odermatt, «da es auch innerhalb der gleichen Klasse aufgrund der Behinderungen eine breite Bandbreite gibt. Zudem sind beides Ausnahmeerscheinungen.»

Die Zweitauflage in zwei Jahren in Nottwil

2019 findet die nächste Junioren-Weltmeisterschaft wiederum in Nottwil statt. Eine weitere Möglichkeit für den Nachwuchs, den Vorbildern einen Schritt näher zu kommen. Apropos Vorbilder: Sowohl Manuela Schär als auch Marcel Hug verfolgten in den vergangenen Tagen die Wettkämpfe auf den Leichtathletikanlagen beim SPZ mit grossem Interesse.

Nachwuchs-WM in Nottwil

Para-Leichtathletik. Männer. 100 m (T34): 1. Gregory Luff (AUS) 17,20. 2. Ahmed Nawad (UAE) 17,42. 3. Nathan Donaldson (AUS) 18,13. Ferner: 5. Andrin Deschwanden (SUI) 22,82.

400 m (T34): 1. Gregory Luff (AUS) 1:01,64. 2. Nathan Donaldson (AUS) 1:06,00. 3. Andrin Deschwanden (SUI) T34 1:22,84.

800 m (T54): 1. Ludwig Malter (AUT) 1:47,42. 2. Abdulla Al Ghaferi (UAE) 1:54,35. 3. Samuel Rizzo (AUS) 1:55,27. Ferner: 7. Dario Studer (SUI) 2:45,66.

Frauen. 800 m (T54): 1. Hannah Dederick (USA) 2:06:32. 2. Licia Mussinelli (SUI) 2:06,73. 3. Elizabeth Floch (USA) 2:07,58.

1500 m (T54): 1. Licia Mussinelli (SUI) 4:14,85. 2. Hannah Dederick (USA) 4:16,32. 3. Elizabeth Floch (USA) 4:23,90.