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PARACYCLING: «Alles, was noch kommt, ist Zugabe»

Heinz Frei (57) will es an der WM in Nottwil noch einmal wissen. Dabei ist sein Wechsel vom Rollstuhl in das Handbike einem Misserfolg zu verdanken.
Der 57-jährige Heinz Frei gehört an der Weltmeisterschaft in Nottwil in seiner Kategorie zu den Favoriten. (Bild Corinne Glanzmann)

Der 57-jährige Heinz Frei gehört an der Weltmeisterschaft in Nottwil in seiner Kategorie zu den Favoriten. (Bild Corinne Glanzmann)

Theres Bühlmann

Er hat alles gewonnen, was man gewinnen kann und fährt immer noch von Sieg zu Sieg. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass der 57-jährige Heinz Frei aus Etziken SO an der Paracycling-Weltmeisterschaft in Nottwil (28. Juli bis 2. August) im Zeitfahren und im Strassenrennen (Handbike) zum Favoritenkreis gehört und seinem Palmares weitere Medaillen hinzufügen könnte. Und dieses lässt sich jetzt schon sehen: 15 Goldmedaillen an den paralympischen Sommerspielen im Rollstuhl und im Handbike sowie eine an den Winterspielen (1988, Langlauf), dazu jede Menge Weltmeistertitel und Siege an prestigeträchtigen Marathons. Alle diese Erfolge trugen ihm denn auch mehrmals den Titel «Sportler des Jahres» ein.

«Enttäuscht wäre ich nicht»

An der WM in Nottwil hat er den Titel im Zeitfahren und die Silbermedaille im Strassenrennen zu verteidigen. Doch mit dieser Favoritenrolle geht Frei, routiniert wie er ist, sehr locker um. «Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, alles, was noch kommt, betrachte ich als Supplement, als ‹nice to have›. Wenn es nicht zu einer Medaille reicht, enttäuscht wäre ich deshalb nicht», sagt er. «Ich freue mich auf diese Herausforderung, denn ich muss nicht mehr, ich darf noch.» Trotzdem, der Gewinn einer Medaille hat bei Heinz Frei nach wie vor einen hohen Stellenwert. «Vor allem wenn man älter wird, bekommt sie eine spezielle Bedeutung, weil dies nicht mehr selbstverständlich ist. Und in solchen Momenten spüre ich dann auch den Respekt meiner Gegner.»

Als Lokalmatador im Fokus

Er ist sich bewusst, dass der Fokus in Nottwil stark auf ihn gerichtet sein wird, auf ihn, den Lokalmatador, der bei der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung in Nottwil ein 50-Prozent-Pensum als Sportcoach und Referent innehat. Die Strecke führt also quasi an seinem Arbeitsort vorbei und wurde von Heinz Frei in den letzten Wochen rund 40 Mal trainingsmässig befahren. Dass er nun gegenüber der Konkurrenz im Vorteil ist, lässt er nicht gelten. «Das Tempo wird beim Rennen ganz anders sein.»

Dass Frei, der 1978 beim Berglauf in Seelisberg stürzte und sich eine Querschnittlähmung zuzog, in Nottwil startet, ist eigentlich einem Misserfolg zu verdanken. 2004 musste er in Athen, damals noch im Rennrollstuhl, ohne Medaille von den Paralympics nach Hause reisen. «Da hatte ich mit 46 Jahren das Gefühl, das wars jetzt wohl, und ich habe mich damals mit Rücktrittsgedanken befasst», blickt Heinz Frei zurück.

Handbike und Frei, das passt

Dann wechselte er vom Rennrollstuhl zum Handbike. «Ich suchte etwas Bequemeres, ein Gefährt, in dem ich trotzdem umfangreich trainieren konnte und eine ganz andere Sicht habe. Nicht nur Grasbüschel und Dolendeckel, sondern auch einmal Kirchtürme und Wolken.» Siehe da: Handbike und Heinz Frei, das passte. «Es hat mir damals den Ärmel reingenommen.» Bereits in Peking 2008 holte er an den Paralympics Gold im Strassenrennen und im Zeitfahren. Allerdings war er vor Rückschlägen nicht gefeit, denn 2011 blieb er an der Weltmeisterschaft ohne Medaille. Und wieder kamen sie, diese Gedanken, «andere sind schneller, besser und erfolgreicher als ich». Doch bereits ein Jahr später sah die Welt wieder anders aus: Frei holt sich den Paralympics-Sieg in London im Zeitfahren und Silbermedaillen an den Weltmeisterschaften 2013 und eben jener Titel 2014, der ihn nun in Nottwil zum Titelverteidiger im Zeitfahren avancieren lässt. Als dann im Herbst 2012 Nottwil den Zuschlag als Austragungsort der WM 2015 erhielt, war für Frei klar: «Da will ich dabei sein.»

In Nottwil werden auch Quotenplätze für die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro vergeben. «Ich rechne mit vier bis fünf», nimmt Heinz Frei Stellung. Ob allerdings einer dieser Plätze schliesslich an ihn geht, das steht noch in den Sternen. «Toll wäre dies natürlich, aber ich verfolge dieses Ziel nicht krampfhaft.» Auch eine Wildcard wäre für den Solothurner keine Option. «In diesem Fall würde ich den Platz wohl einem Jüngeren überlassen. Ich möchte kein Goodwill, sondern meine Qualifikation aufgrund starker Leistungen erreichen.» Sollte Heinz Frei in Brasilien dabei sein, wäre dies seine insgesamt 15. Teilnahme an Paralympischen Spielen: Sechs Mal war er im Winter dabei, und bereits acht Mal bei Sommerparalympics. Ein Rekord, fast schon für die Ewigkeit.

Übrigens: Ganz auf den Rennrollstuhl verzichten wird Frei nicht, ab und zu noch ein Rennen oder einen Marathon bestreiten, dies lässt er sich nicht nehmen. Aber auf der ganz grossen Bühne, da wird er ausschliesslich mit dem Handbike auftreten.

Und diese befindet sich ab morgen Mittwoch in Nottwil.

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