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PARACYCLING: So weit die Arme schieben

An der WM in Nottwil nehmen 317 Athleten aus 48 Nationen teil. Unter ihnen sind zwei Handbiker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die vom Wissen eines Schweizers profitieren.
Jagte an der WM in Nottwil einer Top-10-Platzierung nach – und wurde am Ende 14.: Roger Bolliger. (Bild Urs Sigg)

Jagte an der WM in Nottwil einer Top-10-Platzierung nach – und wurde am Ende 14.: Roger Bolliger. (Bild Urs Sigg)

Theres Bühlmann

Die Schweiz kennen sie gut: Sie wissen unter anderem, wo Interlaken liegt, besuchten schon die Rigi und natürlich auch den Pilatus. Aber am besten kennen sie Nottwil. Die Rollstuhlsportler und Handbiker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten machen seit elf Jahren mit grosser Regelmässigkeit in der Schweiz Station, fahren dann hier Rennen und trainieren in Nottwil.

Nun kehren zwei von ihnen – die beiden Handbiker Husain Almazam (37) und Mohammed Bani Hashem (30) – nach Nottwil zurück und nehmen an den Paracycling-Weltmeisterschaften teil. Allerdings ohne Trainer, der krank ist und deshalb zu Hause blieb. «Aber er hat Trainingspläne erstellt, und die beiden halten sich daran», sagt Mohammed Saeed Surur, der die beiden rund um die WM begleitet und betreut.

Ihr Heimatklub hat 140 Mitglieder

Er betätigt sich nicht nur als temporärer Coach, sondern nimmt in seiner Heimat auch den Posten des Administrators des Behindertensportclubs in Al Ain, einer Stadt mit 630 000 Einwohnern, wahr. Dieser Verein ist einem Zentrum angegliedert, welches Behinderten bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft hilft. Der Klub zählt 140 Mitglieder und bietet eine Vielzahl an Sportmöglichkeiten im Bereich Behindertensport an – unter anderem Fechten, Kugelstossen, Rollstuhl-Basketball, Schiessen, Rollstuhl-Leichtathletik und Handbike. In diesem Verein sind auch Frauen dabei, vorwiegend in der Leichtathletik, sowohl im Rollstuhl als auch bei den Standings. Finanziellen Support erhalten die Sportler vom Verein und von der öffentlichen Hand.

Paralympics-Sieger aus ihrem Klub

Einer der Schützen gewann bei den Paralympischen Spielen 2012 in London die Goldmedaille, wie Mohammed Saeed Surur stolz erzählt. So weit sind seine beiden Schützlinge noch lange nicht. «Allerdings», sagt Surur, «eine Teilnahme an den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro ist nicht ganz unrealistisch.» Als bisheriges Bestresultat steht für die beiden je ein vierter und ein fünfter Platz an den Asien-Spielen zu Buche, sonst sind sie eher auf den hinteren Plätzen zu finden. «Eine Teilnahme an den Paralympics wäre ein Traum», sagt Mohammed Hashem Bani.

Seit Autounfall querschnittsgelähmt

Beide Handbiker sind wegen eines Autounfalls querschnittsgelähmt. «Als Rollstuhlfahrer haben wir in unserem Land wenig Probleme», sagt Mohammed Hashem Bani, «viele Häuser sind rollstuhlgerecht, ebenso wie öffentliche Gebäude und Büros.» Apropos Büro: Beide sind beruflich als Computerfachleute tätig und wohnen in Al Ain.

Heute Freitag ist das Duo nun in Nottwil beim Zeitfahren zum ersten Mal an dieser Weltmeisterschaft im Einsatz. Am Sonntag folgt dann zum Abschluss das Strassenrennen. Den Kurs haben sie in den letzten Tagen vier- bis fünfmal zu Trainingszwecken abgefahren, dabei die kritischen Punkte ausgemacht und einer genauen Analyse unterzogen. «Die Steigungen werden sehr happig sein», sind sie sich einig. Und die Abfahrten haben es auch in sich, zumal man dort mit rund 70 Kilometern pro Stunde hinunterbraust. Vor dieser Herausforderung haben sie beide Respekt.

Muskelkater nach Training mit Frei

Aber sie haben sich in der Vergangenheit sehr akribisch auf die Titelkämpfe vorbereitet und trainieren im Durchschnitt zwölf Stunden pro Woche. Und sie hatten in der Person von Heinz Frei einen prominenten Lehrmeister. Der mehrfache Paralympics-Sieger, Weltmeister und Weltrekordhalter weilte auf Einladung im Februar für zwölf Tage in Al Ain und nahm die Handbiker unter seine Fittiche. Er zeigte ihnen Trainingsformen auf und vermittelte ihnen technisches Know-how. «Ich glaube, sie sind beim Training teilweise an ihre Grenzen gestossen», sagt Frei. Er betrachtet dieses Engagement als sportliche Entwicklungshilfe, als Austausch von Wissen. Und auf die Frage, ob das Training mit Frei streng war, lachen sie, die Hand­biker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. «Hart? Es war sehr hart», sagen sie. «Mir haben jedenfalls die Arme ganz schön weh getan», blickt Hashem Bani zurück und greift sich an den Bizeps. Die von den Trainingslektionen angefertigten Videos schauen sie sich von Zeit zu Zeit immer wieder an.

An dieser Weltmeisterschaft in Nottwil hat sich das Duo keinen speziellen Rang zum Ziel gesetzt. Es geht für beide in erster Linie einmal ums Mitmachen, aber auch darum, möglichst einen grossen Erfahrungsschatz nach Hause mitzunehmen. Und vielleicht kann ja Mohammed Saeed Surur einiges Tages einen Sieger bei einem Handbike-Rennen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vermelden.

Roger Bolliger verpasst sein anvisiertes Ziel

Jagte an der WM in Nottwil einer Top-10-Platzierung nach – und wurde am Ende 14.: Roger Bolliger. (Bild: Urs Sigg)

Jagte an der WM in Nottwil einer Top-10-Platzierung nach – und wurde am Ende 14.: Roger Bolliger. (Bild: Urs Sigg)

An der WM in Nottwil war am Donnerstag der 40-jährige, oberschenkelamputierte Roger Bolliger (Bottenwil) als einziger Schweizer im Einsatz. Für das Zeitfahren über 21 Kilometer hatte er sich einen Top-10-Platz vorgenommen – am Ende resultierte für den technischen Kaufmann Rang 14. Der Kurs sei sehr selektiv gewesen, sagte er nach dem Rennen, «es war schwierig, bei den Steigungen und Abfahrten den Rhythmus zu finden – und irgendwo erholen kann man sich auf dieser Strecke auch nicht.»

Zweite Chance am Samstag

Diese Aussagen spiegeln sich im Klassement wider. Denn Bolliger, der in der Woche 10 bis 25 Stunden trainiert, war nach der ersten Runde auf Platz 15 klassiert. Die zweite und dritte Runde absolvierte er auf Rang 14 und handelte sich auf Sieger Arslan Gilmutdinow aus Russland einen Rückstand von 3:48 Minuten ein. «Natürlich wäre es schön gewesen, bei dieser Heim-WM eine Medaille zu holen, aber man muss realistisch bleiben,» sagte Bolliger, der sich im letzten Jahr an der WM Rang 5 holte, und auch mehrfacher Schweizer Meister ist. Am Samstag bietet sich im Strassenrennen über 56 Kilometer (Start: 8 Uhr) eine neue Chance. «Dieser Wettkampf wird in den Steigungen entschieden», sagt Bolliger.

Paracycling-WM in Nottwil

Zeitfahren. Männer. MC1 (21 km): 1. Teuber (De) 32:32,60. – MC2 (21 km): 1. Gilmutinow (Russ) 31:08,44. Ferner: 14. Bolliger (Bottenwil) 3:48 zurück. 20 klassiert. – MC3 (24,9 km): 1. Clifford (Irl) 48:53,60. – MC4 (24,9 km): 1. Bridgwood (Au) 46:28,32. – MC5 (24,9 km): 1. Dementjew (Ukr) 45:25,45.

Frauen. WC1 (14 km): Jieli (China) 29:37,80. – WC2 (14 km): 1. Sini (China) 24:25,69. – WC3 (14 km): 1. Whitmore Cardenas (USA) 23:13,26. – WC4 (21 km): 1. Morelli (USA) 34:29,11. – WC5 (21 km): 1. Storey (Gb) 30:52,36.

Programm. Heute: Zeitfahren. 9.00–11.00: Handbike Frauen, para/tetra (14 km, mit Graf). Handbike Männer, tetra (14 km, mit Fankhauser). 14.00–16.00: Grosse Runde, Handbike Männer para liegend und kniend (15,5 km mit Frei, Berset und Zanardi).

Samstag. Strassenrennen. 8.00–11.00: Cycling Frauen und Männer (49 km/56 km, mit Bolliger). 11.00–12.00: Tricycle Frauen und Männer (21 km/28 km). 13.00–16.00: Tandem Frauen und Männer (77,5 km/108,5 km). Cycling Frauen und Männer (62 km/77,5 km).

Sonntag. Strassenrennen.8.00–10.00: Handbike Frauen und Männer, tetra (21 km/35 km). 10.00–12.00: Handbike Frauen para und Männer tetra (42 km, mit Sandra Graf und Tobias Fankhauser). 13.00–15.00: Handbike Männer, para liegend (62 km, mit Frei und Berset). 15.00–17.00: Handbike Männer, para kniend (62 km, mit Zanardi).

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