Party-Egoist Alexander Zverev löst mit Corona-Party weltweite Empörung aus

Alexander Zverev versprach, sich nach seiner Teilnahme bei der von Novak Djokovic initiierten Adria-Tour, bei der sich mehrere Spieler und Betreuer mit dem Coronavirus infiziert hatten, in Selbstquarantäne zu begeben. Stattdessen feierte er in einem Privatclub an der Côte d'Azur eine Party.

Simon Häring
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Alexander Zverev bei einer Party an der Côte d'Azur.

Alexander Zverev bei einer Party an der Côte d'Azur.

Bild: Screenshot Instagram

Alexander Zverev entschuldigte sich, dass er andere in Gefahr gebracht habe. Er gelobte Besserung. Und er sagte, er werde sich nach dem Fiasko bei der von Novak Djokovic initiierten Adria-Tour, bei der sich mehrere Betreuer und Spieler, darunter die serbische Nummer 1 der Welt selber, mit dem Coronavirus infiziert hatten, in eine 10-tägige Selbstquarantäne begeben. Seine Freundin, das Model Brenda Patea, postete in den sozialen Netzwerken Videos und Bilder aus dem Hotel in der kroatischen Küstenstadt Zadar. Sie sollten der Beweis dafür sein, dass der deutsche Tennis-Spieler den grossen Worten auch wirklich Taten folgen lässt.

Alles nur Schall und Rauch, wie sich herausstellte. In Tat und Wahrheit reiste Zverev, der übrigens negativ getestet worden war, längst zurück an seinen Wohnsitz in Monte Carlo. Und statt die Öffentlichkeit zu meiden, mischte er sich dort unter das Partyvolk. Mehrere Videos zeigen Zverev, weisse Leinenhose, das weisse Leinenhemd weit aufgeknüpft, wie er mit leicht bekleideten Damen im Privatclub Anjuna Plage in Èze an der Côte d'Azur zwischen Monaco und Nizza eine Party feiert. Von Quarantäne, von Einsicht, von Rücksicht ist beim 23-jährigen Zverev nichts zu sehen.

Zverev: Hatte Coronavirus schon im Januar

Zverev hatte Anfang Jahr in Australien den Verdacht geäussert, er habe sich bereits Ende Dezember mit dem Virus angesteckt, als er mit Roger Federer für einen Schaukampf in der chinesischen Metropole Hangzhou weilte. Er habe danach während Wochen unter Kopfschmerzen und Fieber gelitten. Einen Beweis dafür blieb Zverev schuldig. Erste Symptome treten in der Regel fünf bis sechs Tage nach der Infektion auf, allerdings kann die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen. Goran Ivanisevic, der Trainer von Novak Djokovic, war zunächst zwei mal negativ getestet worden, ehe beim dritten Test eine Infektion nachgewiesen werden konnte.

Zverev provoziert Empörung in der Tenniswelt. Der Australier Nick Kyrgios sagt: «Mann, wie egoistisch kannst du sein? Wenn du schon so dreist bist, dieses vorgefertigte Statement des Managements online zu stellen, dass du sich 14 Tage selbst isolierst und dich bei allen entschuldigst, bleib doch auch für 14 Tage Zuhause Mein Gott. Hol dir doch deine Freundin zu dir. Die Tenniswelt pisst mich an.» Katie Boulter war «sprachlos», und Ex-Spieler Andy Roddick sagte: «Wenn du denkst, dass dich nichts mehr überraschen kann...» Das Video, das Zverev zum Verhängnis wurde, hat der deutsche Unternehmer Philipp Plein zwar gelöscht, Kopien kursieren aber weiter.

Alexander Zverev bei der Adria-Tour mit den inzwischen positiv auf das Coronavirus getesteten Grigor Dimitrov (l.) und Novak Djokovic (r.).

Alexander Zverev bei der Adria-Tour mit den inzwischen positiv auf das Coronavirus getesteten Grigor Dimitrov (l.) und Novak Djokovic (r.).

Bild: Keystone

Mitte Juli wird Zverev in Berlin erwartet

Seit Mitte März ruht der Spielbetrieb im Tennis. Anfang August soll er unter strengen Sicherheitsmassnahmen wieder aufgenommen werden. Gespielt wird in den USA ohne Publikum, die Akteure werden in Hotels nahe der Anlagen kaserniert, so soll eine Blase gebildet werden, welche vor einer Ansteckung schützen soll. Man habe grosses Vertrauen in die Spieler, dass sie ihre Eigenverantwortung wahrnehmen würden. Dass damit wohl eher nicht gerechnet werden kann, zeigen Zverev, Djokovic und Konsorten inzwischen fast täglich. Kaum ein Sport hat in den letzten Wochen einen schlechteren Umgang mit den Gegebenheiten gezeigt.

Zverev plant, ab dem 13. Juli bei einem Schaukampf in einem Hangar auf dem Berliner Flughafen Tempelhof zu spielen. «Wir haben ein sehr striktes Hygienekonzept, das wir mit den Behörden ausarbeiten», sagte die Mitorganisatorin Barbara Rittner gegenüber der «Deutschen Welle». Im Hangar sollen 300 Zuschauer zugelassen sein, eine Bewilligung steht noch aus. Novak Djokovic sagte nach Bekanntwerden seiner Infektion: «Das ist die neue Realität, wir lernen noch, sie zu bewältigen und mit ihr zu leben.» In einer weiteren Botschaft fügte er an: «Es tut mir sehr leid, dass unser Turnier Schaden angerichtet hat. Wir lagen falsch, es war zu früh.»

Im November spielten Roger Federer und Alexander Zverev in Mexiko vor einer Rekordkulisse von über 40'000 Zuschauern in Mexiko-Stadt.

Im November spielten Roger Federer und Alexander Zverev in Mexiko vor einer Rekordkulisse von über 40'000 Zuschauern in Mexiko-Stadt.

Bild: Keystone

Mitte März sagte der 23-jährige Zverev, nach dem Unterbruch werde man sehen, wer in der spielfreien Zeit seriös gelebt habe. Dass er selber eher nicht dazugehört, versteht sich nach dem jüngsten Fauxpas von selbst. Seit 2019 lässt sich Zverev von Team 8 Global Sports & Entertainment vertreten, der Agentur von Roger Federers Manager Tony Godsick, bei der der Schweizer Mitinhaber ist. Gemeinsam reisten Federer und Zverev im letzten November in 7 Tagen durch 5 Länder Lateinamerikas und spielten in Mexiko-Stadt vor über 40'000 Zuschauern. Zverev wäre gut beraten, sich ein Vorbild an Federer zu nehmen, wie man sich in der Öffentlichkeit verhält. Alexander Zverev war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.