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Kommentar

Patrick Fischer, inzwischen der neue Ralph Krueger

Analyse zum bis 2024 verlängerten Vertrag für den Schweizer Eishockey-Nationalcoach.
Klaus Zaugg
Klaus Zaugg

Klaus Zaugg

Patrick Fischer (42) prägt unser Hockey inzwischen so stark wie einst Ralph Krueger (60), der «ewige» Nationaltrainer mit der biblischen Amtszeit von 1997 bis 2010. Er ist logischerweise nun auch der erste Nationaltrainer seit Ralph Krueger mit einem «Rentenvertrag». Er hat bis und mit der WM 2024 verlängert und wird diesen Vertrag erfüllen, wenn er nicht ein NHL-Angebot bekommt. Die im Kontrakt festgeschriebenen, an die WM-Resultate geknüpfte Ausstiegsklauseln sind nicht relevant: Einen Abstieg können wir nämlich bei der WM heute ausschliessen. Ob auch Assistent und Taktik-Lehrer Tommy Albelin (55) verlängert oder nicht, spielt nicht mehr eine zentrale Rolle. Zumal die Position von Christian Wohlwend (42) durch den erfolgreichen Einstand als Klubtrainer in Davos gestärkt wird: Er wird Patrick Fischer bei der WM erneut assistieren.

Die Parallelen zwischen den beiden charismatischen «Alphatieren» Patrick Fischer und Ralph Krueger sind erstaunlich. Es geht auch um die politische Bedeutung des Nationaltrainer-Jobs. Wer ist Verbandspräsident? Wie heisst der Technische Direktor des Verbandes? Kennen Sie den Geschäftsführer der Liga? Wer diese Fragen hundert durchschnittlich interessierten Sportsfreunden stellt, bekommt 99-mal keine Antwort.

Spielsportverbände leben von ihren Nationaltrainern. Das ist im Fussball so und im Eishockey nicht anders. Verbandsfunktionäre werden in der Regel nur über einen kleinen Kreis hinaus populär, wenn sie sich die Finger in der Kasse einklemmen oder sonst einen Skandal produzieren. Ist der Nationaltrainer bei den Klubs akzeptiert und erfolgreich, dann ist bei einem Verband eigentlich alles gut. Wer also einen guten Nationaltrainer hat, ist fast alle Sorgen los und sollte ihn möglichst langfristig vertraglich binden.

Nach der WM 2000 in St.Petersburg (mit dem wundersamen 3:2-Sieg über Russland) verlängerte Verbandspräsident Werner Kohler den Vertrag mit Ralph Krueger um sechs Jahre bis 2006. Es hagelte Kritik. Heute wissen wir: Ohne diesen «Rentenvertrag» wären wir im Eishockey wahrscheinlich nicht dort, wo wir heute sind. Und Ralph Krueger nicht die Lichtgestalt, die er heute ist (NHL-Coach bei Buffalo).

Dieser Sechsjahresvertrag «betonierte» die Stellung des Nationaltrainers, brachte in stürmischen Zeiten Stabilität, und als die Amtszeit von Ralph Krueger 2010 zu Ende ging, da war das Silber-Fundament gebaut. Wir haben 2013 (mit Sean Simpson) und 2018 (mit Patrick Fischer) den WM-Final erreicht.

Die Unzufriedenheit wichtiger Klubgeneräle mit Verbandspräsident Michael Rindlisbacher wächst. Die Kritik ist vielfältig. Er treibe mit seinem Formalismus die Leute zur Weissglut, neige zu Selbstüberschätzung, und der von ihm präsidierte Verwaltungsrat koste inzwischen mit vielfältigen Umtrieben, Spesen und den Honoraren (die aber vernünftig sind) gegen 300000 Franken. Machtbewusste Klubgeneräle achten eifersüchtig darauf, dass der Verbandsboss nicht zu stark wird. Dieses ewige Rangeln um das Gleichgewicht zwischen der «Zentralmacht» Verband und den Klubs gibt unserem Hockey Dynamik und gehört sogar zu den Erfolgsgeheimnissen.

Für Rindlisbacher ist die Lichtgestalt Fischer daher auch politisch wichtig. Und erst noch günstig: Eigentlich hätte das Salär auf 600000 Franken verdoppelt werden müssen. Das aber liegt aus politischen und wirtschaftlichen Gründen nicht mehr drin. Je länger die Vertragsdauer, desto tiefer das Salär, und so haben sich die Parteien bei rund 400000 Franken gefunden.

Fischer ist der charismatischste und fähigste Nationaltrainer seit Krueger. Er vermag die Menschen um ihn herum zu begeistern. Er ist ein Typ, der beim Betreten einen Raum füllt. Und er weiss, wie die neue Spielergeneration tickt. Seit er Nationaltrainer ist, gibt es kein «Absage-Theater» mehr. Auch die Dollarmillio­näre aus der NHL eilen herbei, um bei der WM zu helfen. Er ist so stark, dass er Spieler, die mal keine Lust hatten, einem Aufgebot Folge zu leisten, nun bis auf weiteres vom Nationalteam ausschliessen kann. Es handelt sich um Denis Malgin, Dean Kukan, Dominik Schlumpf, Simon Bodenmann und Fabrice Herzog. Früher konnten Spieler mit Absagen gegen den Nationalcoach Stimmung machen – heute steht als Verlierer da, wer einem Aufgebot nicht Folge leistet.

Bleibt Fischer bis 2024? Ja, wenn er nicht eine neue Herausforderung sucht. Die NHL öffnet sich gegenüber dem europäischen Hockey. Fischers Name steht jetzt schon im Notizbuch einiger General Manager. Ihnen ist nicht entgangen, wie gut er gerade mit den NHL-Stars arbeitet.

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