Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Feldschiessen: Per Strichcode zum Kranz

Bis Wochenende stehen schweizweit rund 130 000 Schützen und Schützinnen in der Feuerlinie. Ein Augenschein bei der SG Oberkirch, die seit 2012 voll computerisiert ist.
Roland Bucher

Mittwochabend 17.30 Uhr. Der kleine Fussmarsch vom Bahnhof Oberkirch zur idyllisch gelegenen Schiessanlage Weierweid in Oberkirch ist geschafft. Hans Rüesch, Schützenmeister der Feldschützen Sursee, die sich seit immerhin 1435 «dem Wehrwesen unserer Stadt verpflichtet» rühmen, zieht die Schiessfahne hoch, lächelt und meint: «Heute ist kein struber Abend, den grossen Ansturm erwarten wir am Freitag und am Samstag.»

Business as usual? Darf man durchaus so, anglisiert, behaupten. Denn das Schützenvolk hat längst den Quantensprung in die von der englischen Terminologie dominierte Computer-Welt erwirkt. «Die Weierweid ist eine der modernsten Schiessanlagen überhaupt», erzählt Gerhard Heini. Er ist Präsident der der einfachen Gesellschaft Schiessanlage Weierweid und berichtet nicht ohne berechtigten Stolz, dass diese gemeinsame Heimat der SG Oberkirch und der FSG Sursee seit 2012 voll computerisiert ist. Wer in den Schützenstand tritt, der stülpt sich nicht nur den Pamir über, sondern bekommt einen Handzettel und markiert quasi per Mausklick den gewünschten Stich. Und ab geht die Post, pardon, die GP 11. Oder auf einen einfachen Nenner gebracht: per Strichcode zum Kranz.

Fusion in ferner Zukunft nicht ausgeschlossen

Nun, ganz so einfach ist das indes immer noch nicht. Visier und Korn erwarten nach wie vor von ihrem Meister eine perfekte Justierung. Und wer im Hinblick auf die würdevolle Aufgabe, den Feldschiess-Kranz zu erwerben, leichtes Flattern auf der Brust und Zittern in der Hand bemerkt, der muss da ohne Doping durch: die Schützenstube bietet erst ab halb acht, wenn Hans Rüesch «Ende Feuer» signalisiert hat, Aufputscherli an.

Unter ihnen auch Simon Rogger, der Präsident der SG Oberkirch, 30 Jahre jung und in einer Familie verwurzelt, die nicht nur, aber vor allem auch das Sportschiessen im Herzen trägt. Wen wunderts also, dass er, zusammen mit Zwillingsschwester Monika und begleitet von Vater Robert, schon als 14-Jähriger im Schützenstand den (Kleinkaliber-)Mann stand – und im Jahre 2015 nicht Nein sagen konnte und wollte, als die SG Oberkirch auf die verzwickte Suche nach einem neuen Vereinsoberhaupt ging. «Es ist schwierig», sagt der 30-jährige Bauer mit Ausrichtung auf Schweine und Obst in der Länggasse, «willige Leute für solche Aufgaben zu finden». Aber er mache das sehr gerne, betont der stolze Papa der fünfmonatigen Fabia, «wir sind Kameraden, ich bin ein offener Typ, packe Probleme spontan an und versuche sie in der Diskussion zu entschärfen». Die Schützen sind schon längst keine «Chnebelgrende» mehr. Den Kranz hat Simon Rogger selbstverständlich mit links geschossen: 68 von möglichen 72 Zählern.

So bleibt zu erwähnen, dass Daniel Bossert, der Ranghöchste der FSG Sursee, auf die perfekte Zusammenarbeit mit den Oberkirchnern hinweist und weit hinten im Hinterkopf sogar Fusionsgedanken trägt. «Irgend einmal werden wir diese beiden Schützengesellschaften zusammenschliessen. Nicht heute, nicht morgen, und nicht so lange, wie wir noch alleine «gsage möge», wie sich Bossert artikuliert.

Es geht heimwärts. Quer über die grosse Golfwiese, in der die Weierweid eingebettet ist. Die allerletzte Information einzuholen, drängt sich da natürlich auf: Drohen nie Friktionen zwischen der elitären Golfgilde und dem hemdsärmeligen Schützenvolk? «Wieso?», fragt Magdalena Kaufmann, die rüstige Wikonerin, die vier Mal in der Woche in diesem Gelände drivt und puttet, «wir sind nicht elitär und wir tun uns nicht weh. Wenn sie Schützentag haben, machen wir halt einen kleinen Umweg zum nächsten Loch.»

Ja, so einfach ist ein symbiotisches Nebeneinander. Wenn man dann will.

Hinweis

Eidgenössisches Feldschiessen. Heute bis Sonntag. Die Schiesszeiten finden Sie bei den einzelnen Schützenvereinen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.