«Mein schönster Sieg»: Krienser Handballer stehen nach Last-Minute-Treffer im Cup-Halbfinal

Kriens-Luzern bricht den Bann, gewinnt in Winterthur mit 28:27 nach Verlängerung und zieht in den Cup-Halbfinal ein.

Stephan Santschi
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Letztes Jahr noch bei Kriens, jetzt im Dress von Pfadi: Aleksandar Radovanovic (in rot).

Letztes Jahr noch bei Kriens, jetzt im Dress von Pfadi: Aleksandar Radovanovic (in rot).

Bild: Martin Deuring (Winterthur, 30. Oktober 2020)

Welch eine Spannung, was für eine Dramatik: Die Matchuhr war bereits abgelaufen, als Janus Lapajne noch zu einem Penalty antreten durfte. 70 Minuten Abnützungskampf lagen hinter den beiden Teams und nun konnte der Krienser Spielmacher mit der letzten Aktion der Verlängerung alles klar machen. Und der Slowene behielt die Nerven, schoss das 28:27 und sein Team damit zum Sieg im Cup-Viertelfinal. «Solche Spiele passen mir», sagte Goran Perkovac und mit einem breiten Lachen fügte er an: «Ein Krimi mit einem glücklichen Ende – das ist mein schönster und für den Moment auch wichtigster Sieg als Trainer von Kriens.»Pfadi Winterthur führte bis vier Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit 25:23. Am Ende verwertete Janus Lapajne mit seinem achten Treffer für Kriens-Luzern in der letzten Sekunde der Verlängerung einen Penalty zum 28:27 für die Gäste.

Der Bann ist damit gebrochen, nach neun Niederlagen in Serie konnten die Zentralschweizer wieder in der Halle von Pfadi Winterthur gewinnen. Wie erwartet, entwickelte sich kein handballerischer Leckerbissen, dafür aber ein Kampf auf Biegen und Brechen. Beide Mannschaften verfügen über starke Abwehrreihen, sind es gewohnt, hart zuzupacken. Kriens-Luzern hatte zu Beginn die Nase vorne, beging im Angriff kaum Fehler und nutzte die wenigen Chancen, die sich boten, konsequent. Keine einzige Parade gelang Winterthurs Torhütern in der ersten Hälfte und doch war das Skore zur Pause ausgeglichen (12:12).

Tim Rellstab im Stile eines gestandenen Routiniers

Das gleiche Bild zeigte sich auch nach dem Seitenwechsel, nur dass jetzt der Gastgeber stets mit ein, zwei Toren in Front lag. Die Nervosität war auf beiden Seiten spürbar, die technischen Fehler häuften sich, das spielerische Niveau sank. «In Winterthur spielen wir immer irgendwie verkrampft», bemerkte Perkovac. Und so schien es, als ob am Ende doch wieder die Pfader das Momentum auf ihrer Seite haben würden, fünf Minuten vor Schluss führten sie mit 25:23. Der Ex-Krienser Aleksandar Radovanovic war mit insgesamt elf Treffern ein steter Unruheherd, während Lapajne, bis dahin die offensive Lebensversicherung der Luzerner, aus dem Tritt geriet. Doch just in dieser Phase sprang einer in die Bresche, den Winterthur nicht auf der Rechnung zu haben schien: Tim Rellstab. Der 19-jährige und 2,03 Meter grosse Rückraumspieler gebärdete sich wie ein gestandener Routinier, traf zweimal und glich das Skore wieder aus (25:25). «Nicht zum ersten Mal setzte Tim Akzente. Er ist eine Bereicherung, kann ein ganz guter Spieler werden», lobte Perkovac. Die Partie lag auf des Messers Schneide. Lapajne verschoss 56 Sekunden vor dem Abpfiff der regulären Spielzeit einen Penalty, der Winterthurer Roman Sidorowicz traf 15 Sekunden vor dem Ende nur die Latte – es kam zur Verlängerung.

Wieder legte Winterthur vor, wieder zog Kriens-Luzern nach und dann kamen er, der entscheidende Showdown. Der Krienser Keeper Paul Bar, der sich lange schwer tat, nun aber aufdrehte, blockte den Abschluss von Marvin Lier und lancierte den Gegenangriff, der in der Schlusssekunde in einen Penaltypfiff mündete – der Rest ist bekannt. «Ein Riesenkompliment an meine Mannschaft, sie hat einen grossartigen Fight abgeliefert», freute sich Perkovac. Sein Matchplan war aufgegangen, die Krienser gestanden den offensiv deckenden und konterstarken Winterthurern praktisch keine Gegenstösse zu, darin lag letztlich der Schlüssel zum Erfolg. «Unter normalen Umständen hätten wir dieses Spiel früher entscheiden und eigentlich mit fünf, sechs Toren Differenz gewinnen können.» In Winterthur tut sich Kriens-Luzern halt besonders schwer. Doch nun ist sie gebrochen, die Negativserie. Und der HC Kriens-Luzern steht im Cup-Halbfinal.

Pfadi – Kriens-Luzern 27:28 (25:25, 12:12) n.V.

Axa-Arena. – 0 Zuschauer. – SR Brunner/Salah. – Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Pfadi, 4-mal 2 Minuten gegen Kriens-LU.

Pfadi Winterthur: Wipf/Shamir; Tynowksi (2), Radovanovic (11/2), Jud (4/1), Heer, Lier (2), Freivogel (1), Svajlen; Sidorowicz (7), Cohen.

Kriens-Luzern: Bar/Eicher; Wanner (2), Papez (1), Lapajne (8/3), Harbuz (2), Blättler (1), Gavranovic (3), Lavric; Oertli (1), Piroch (1), Schlumpf (2), Idrizi (2), Rellstab (5), Delchiappo. – Bemerkungen: Shamir pariert Penalty von Lapajne (60./25:25).

Das Spiel in voller Länge zum Nachschauen: