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Pirmin Reichmuth gewinnt das Urner Kantonale mit einem perfekten Notenblatt

Eine Woche nach seinem ersten Kranzfestsieg doppelt Pirmin Reichmuth am Urner Kantonalen in Bürglen nach. Sein Notenblatt sieht dabei wie eine Montage aus.
Claudio Zanini
Die Entscheidung: Pirmin Reichmuth jubelt nach dem erfolgreichen Fussstich gegen Sven Schurtenberger. (Urs Flüeler/Keystone, Bürglen, 12. Mai 2019)

Die Entscheidung: Pirmin Reichmuth jubelt nach dem erfolgreichen Fussstich gegen Sven Schurtenberger. (Urs Flüeler/Keystone, Bürglen, 12. Mai 2019)

Es ist ein Jahr her, als sich in Attinghausen am Urner Kantonalschwingfest Langeweile breitmachte. Ein ausgedünntes Teilnehmerfeld mit vier verbliebenen Eidgenossen wurde für Joel Wicki zum Training unter Wettkampfbedingungen. Den stärksten Gegner frühstückte er zum Auftakt, um 8.30 Uhr war die Sache gegessen, der Ausgang absehbar. Sechs Siege für Wicki und die Gewissheit, dass eine derartige Überlegenheit neutrale Beobachter zum Gähnen einlädt.

Ein ähnliches Szenario schien vor der diesjährigen Ausgabe des Urner Kantonalfests undenkbar. Auf der Teilnehmerliste standen viele Namen, die Spektakel versprachen. Zwölf Eidgenossen, dazu mit Joel Wicki und Marcel Bieri die stärksten Teilverbandskranzer der Region. Eigentlich ein engmaschiges Netz, das den Durchmarsch eines Einzelnen verunmöglichen müsste.

So viel zur Theorie, nun zur Praxis. Nach fünf Gängen war ein Schwinger der Konkurrenz bereits so enteilt, dass er sogar mit einer Niederlage im Schlussgang das Fest gewonnen hätte. Deshalb wurde eine etwas komplizierte Regel herbeigezogen. «Ausschwingen» sagt man dem. Die Regel gibt dem Feld sozusagen eine zweite Chance, den Überlegenen noch einzuholen.

Ein berühmtes Beispiel von Ausschwingen sahen wir am Eidgenössischen 2013. Matthias Sempach lag nach sieben Gängen 1,5 Punkte in Führung, also uneinholbar. Mit einer Niederlage im Schlussgang wäre er an erster Stelle geblieben. Also bestritt der Rest einen achten Gang. Nach diesem achten Gang war dann Christian Stucki derjenige mit der höchsten Punktzahl, deshalb schaffte er es in die Endausmarchung gegen Sempach, für Stucki ein sogenannter Zusatzgang. Hätte er diesen gewonnen, hätte er einen Viertelpunkt bekommen und wäre König geworden. Es gibt auch Fälle, in denen das Ausschwingen nichts mehr bringen würde. Etwa am Eidgenössischen 2010, als Kilian Wenger vor dem Schlussgang gegen Martin Grab bereits 1,75 Punkte Vorsprung aufweisen konnte. Grab wäre daher auch mit dem Zusatzgang nicht mehr an Wenger vorbeigekommen.

Die beste Nachricht zum Schluss

Am Urner Kantonalen musste ausgeschwungen werden, weil Pirmin Reichmuth in diesem starken Feld erstaunlich drückend überlegen war. Der 23-jährige Chamer gewann die ersten fünf Gänge jeweils mit der Note 10,00. Der zweitplatzierte Sven Schurtenberger hätte mit einem Schlussgangsieg nichts mehr ausrichten können. Seine gute Platzierung nutzte der Luzerner aber und bodigte Marcel Mathis im sechsten Gang mit einem Plattwurf. Damit verdiente er sich das finale Duell gegen Reichmuth.

Das Resultat dieses Duells schien absehbar. Schurtenberger agierte etwas passiv, Reichmuth startete Angriff um Angriff – wohlgemerkt hätte ihm ein Gestellter zum Sieg gereicht. Nach gut sechs Minuten fiel die Entscheidung: Reichmuth kam mit dem Fussstich zum Erfolg, das bedeutete den zweiten Kranzfestsieg der Karriere.

Das Notenblatt von Pirmin Reichmuth wirkt am Ende wie eine Montage. Sechs Siege, sechsmal die maximale Punktzahl. Und es ist nicht so, als hätte er sich durch diesen Sonntag gemogelt. Nach dem Startsieg gegen Mitfavorit Joel Wicki trat er ein erstes Mal gegen Schurtenberger an. Eine nächste Bewährungsprobe hatte er im vierten Gang zu meistern, als ihm der bis dahin schadlos gebliebene Reto Nötzli vorgesetzt wurde. Und im fünften Gang folgte Stefan Arnold, Zweitplatzierter und bester Urner zu diesem Zeitpunkt. Sie alle bekamen die derzeitige Verfassung von Reichmuth zu spüren. Nach dem Schlussgang sagte er: «Es hat heute auch Glück gebraucht. Denn alle meine Gegner waren schwierig.» Reichmuth wird nun eine kleinere Wettkampfpause einlegen und die Kantonalfeste von Schwyz (19. Mai in Bennau) und Ob-/Nidwalden (26. Mai in Oberdorf) auslassen. Es ist an diesem Sonntag die beste Nachricht für die Konkurrenz.

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