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Pirmin Reichmuth zerbricht am Druck

Der Zuger Schwinger Pirmin Reichmuth wird seiner Favoritenrolle am Eidgenössischen nicht gerecht. Schon am Samstagvormittag muss er seine Titelträume begraben.
Claudio Zanini
Nach der Niederlage im zweiten Gang ist der Fehlstart besiegelt: Pirmin Reichmuth am Kampfrichterpult. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Nach der Niederlage im zweiten Gang ist der Fehlstart besiegelt: Pirmin Reichmuth am Kampfrichterpult. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Es wäre eine blumige Erzählung geworden. Nach all seinen Kreuzbandrissen hätte sich Pirmin Reichmuth, 23-jährig, in seiner Heimat auf den Königsthron geschwungen. Zugleich hätte er die Innerschweizer nach 33 Jahren erlöst, ihnen den ersehnten Königstitel geschenkt. Er wäre Nachfolger geworden von Harry Knüsel, bis dato der einzige Innerschweizer König. Und die hübsche Pointe dabei: Reichmuth und Knüsel stammen beide vom Schwingklub Cham-Ennetsee. Der Kreis hätte sich geschlossen.

Doch wenn der Konjunktiv bemüht wird, ist das selten ein gutes Zeichen. In Wahrheit stürzte der potenzielle König schon früh. Reichmuth war bereits nach dem Anschwingen, den ersten beiden Gängen, geschlagen. Um 11.26 Uhr sass er auf dem Rasen neben dem Sägemehlring und hätte wohl am liebsten die Retourtaste gedrückt.

Im ersten Gang blieb er gegen den Kurz von Christian Stucki, der seine ganze Erfahrung am ersten Tag ausspielte, chancenlos. Eine einzelne Niederlage muss bei acht Gängen noch nicht das Ende bedeuten. Reichmuth aber blieb verkrampft und schaffte es nicht, sich auf das nächste Duell zu fokussieren. Später wird er sagen: «Ich habe nach dem ersten Gang zu weit studiert.» Im zweiten Gang liess er sich von Dominik Roth ein Unentschieden abringen. Den Schlussgang musste Reichmuth abschreiben.

Dass Reichmuth zum Königskandidaten gemacht wurde, war nicht aus der Luft gegriffen. Denn der 23-Jährige dominierte in dieser Saison zeitweise nach Belieben. Er gewann seine ersten vier Kranzfeste, sein Triumph auf dem Brünig Ende Juli ist noch in frischer Erinnerung. Es wäre nicht glaubwürdig, wenn ein Schwinger nach dieser Leistung keine Ambitionen auf den Königstitel hätte.

«Ich wurde fast wahnsinnig»

Nach dem zweiten Gang verliess Pirmin Reichmuth die Arena, geknickt. Später, nachdem er den ersten Sieg landen konnte, sagte er: «Ich bin am Druck zerbrochen, ich war mit dem Kopf an Tausend Orten, aber nicht bei mir.» Verknorzt sei er gewesen, zuviele Gedanken seien durch den Kopf geschwirrt. Und er liess sich letztlich verrückt machen. Er sagte: «Vor dem ersten Gang habe ich mich eigentlich gut gefühlt. Aber die letzten Tagen wurde ich beinahe wahnsinnig.» Nach den ersten beiden Gängen ist die ganze Last abgefallen. «Ich probiere, nun das Fest zu geniessen, einfach Freude zu haben. Der Druck ist nun weg. So kann ich weiterfahren am Sonntag.»

Dass der Druck an einem Anlass dieser Grössenordnung ungeheuer sein muss, braucht nicht viel Einfühlungsvermögen. Nicht nur Reichmuth kam mit der Erwartungshaltung nicht klar. Ein anderer hoch gehandelter Favorit, Samuel Giger, musste seine Ambitionen ebenfalls früh loslassen. Im ersten Gang liess er sich von Nick Alpiger bezwingen. Beim Aargauer Alpiger rätselte man bis zuletzt über den Gesundheitszustand, nachdem er sich auf dem Weissenstein eine Sehnenverletzung zuzog. Es war die Überraschung des ersten Gangs. Vor dem Fest gab es sogar Expertenstimmen, die Alpiger beinahe als Freilos für Giger sahen.

René Suppiger fügt Samuel Giger (am Boden) die zweite Niederlage zu. (Bild: Stefan Kaiser)

René Suppiger fügt Samuel Giger (am Boden) die zweite Niederlage zu. (Bild: Stefan Kaiser)

Giger zeigte im zweiten Gang zwar eine Reaktion. Doch im dritten Gang folgte der nächste Schlag. René Suppiger, «Eidgenosse» aus Mauensee, konterte einen Kurzzug Gigers und bezwang ihn platt. Die zweite Niederlage war besiegelt, die Titelträume blieben: Träume.

Zuger Hoffnungen dank Bieri

Der Kreis der Topfavoriten ist nach dem ersten Tag um zwei Athleten ärmer. Giger und Reichmuth sind weg. An der Spitze behauptet sich aber ein anderer Zuger: Marcel Bieri, 24-jähriger Primarlehrer aus Edlibach. Der Turnerschwinger vom Schwingklub Aegerital gewann alle vier Gänge. Drei Eidgenossen hat er schon bezwungen, selbst hat er immer noch den Status eines Teilverbandskranzers. Ob er am Sonntag wieder so unbeschwert aufschwingen kann, wird sich zeigen. Er sagte: «Ich weiss noch nicht, wie gut ich schlafen werde.»

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