Handball
Das verpatzte WM-Märchen des Krienser Rückraumspielers Tomas Piroch

Der HC Kriens-Luzern eröffnet am Donnerstag das NLA-Jahr gegen Wacker Thun. Linkshänder Tomas Piroch trauert der verpassten Weltmeisterschaft nach und kündigt seinen Abgang an.

Stephan Santschi
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Rückraumspieler Tomas Piroch vom HC Kriens-Luzern setzt sich gegen die Abwehr des RTV Basel durch.

Rückraumspieler Tomas Piroch vom HC Kriens-Luzern setzt sich gegen die Abwehr des RTV Basel durch.

Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 22.12.2020)

Die Schweizer Nationalmannschaft schrieb im Januar ein WM-Märchen. Erstmals seit 26 Jahren präsentierte sie sich wieder auf der Weltbühne, der 16. Schlussrang ist nach 1993 (4. Rang) und 1995 (7.) sogar das drittwertvollste WM-Ergebnis der Verbandsgeschichte. Des einen Freud ist des anderen Leid, denn die Schweizer rückten kurzfristig an das Turnier nach, weil die USA und auch die Tschechen aufgrund zu vieler Coronafälle Forfait geben mussten. Tomas Piroch, rechter Aufbauer des HC Kriens-Luzern, wäre wohl im 21-Mann-Aufgebot Tschechiens gestanden und hätte seine erste Teilnahme an einem grossen internationalen Event feiern können. «Eine unglückliche Situation», hadert er.

Insgesamt 18 Akteure beklagten Anfang Jahr einen positiven PCR-Test, der den Verdacht auf eine Corona-Infektion erhebt, darunter auch Piroch.

«Ich hatte Fieber, Schmerzen in den Beinen und im Rücken, allerdings nur während drei Tagen»,

erzählt der 20-Jährige. Für 14 Tage musste er in einem Hotel in Pilsen in Isolation, kurz vor Turnierstart kam es zum WM-Rückzug. Die Trainer Daniel Kubes und Jan Filip wurden entlassen, weil sie schlecht geplant haben, wie es offiziell heisst. Verbandspräsident Jaroslav Chvalny und drei weitere Präsidiumsmitglieder traten zurück. «Ich stimme diesem Entscheid nicht zu, ich bin enttäuscht, dass unsere Trainer weg sind. Sie haben in den letzten Jahren mit Jugendkonzepten etwas aufgebaut», sagt Piroch.

Goran Perkovac bedauert den Wechsel von Piroch

Zu einem Abschied wird es auch für Tomas Piroch selbst kommen. Der Ende Saison auslaufende Vertrag mit Kriens-Luzern wird nicht verlängert, nach eineinhalb Jahren wird er den Verein verlassen. «Ich möchte zurück nach Deutschland und zu meiner Freundin, die in Heidelberg Jura studiert», erklärt der Linkshänder, der im Herbst 2019 aus Melsungen in die Zentralschweiz wechselte. «Schade», sagt Trainer Goran Perkovac, «wir hätten Tomas sehr gerne behalten. Er hat eine starke Entwicklung hinter sich, passt auch menschlich gut zu uns».

Wohin ihn die Karriere führt, weiss der 1,89 Meter grosse Rückraumspieler nicht, wahrscheinlich sei die 2. Bundesliga. In Kriens ist er nicht Stammspieler, mit Jernej Papez steht er in einem gesunden Konkurrenzkampf. Seine Stärke ist die 1:1-Situation, Wurfkraft und Torgefährlichkeit (im Schnitt 2 Treffer pro Spiel) kann er ausbauen. Dank seiner Fortschritte rückte Piroch enger in den Fokus des tschechischen Nationalteams. Hinter Stanislav Kasparek (Szeged) und Dieudonné Mubenzem (Hüttenberg, 2. Bundesliga) befindet er sich in Lauerstellung.

Als 16-Jähriger mit grossen Träumen ausgezogen

Vorderhand möchte der in Horw wohnhafte Tomas Piroch dem nach Verlustpunkten zweitklassierten Kriens-Luzern zu einer starken Fortsetzung der Saison und vielleicht sogar zum ersten Titel der Vereinsgeschichte verhelfen. Am Donnerstag eröffnen die Zentralschweizer zu Hause gegen das in der Hinrunde enttäuschende Wacker Thun (19.30Uhr, live auf handballtv.ch) die zweite NLA-Hälfte.

Topfit fühlt sich Piroch nach der Zwangspause im Januar zwar nicht. In Kriens hat sich der Tscheche, der seine Heimat als 16-Jähriger mit grossen Handballträumen verliess, aber einen Namen als Kämpfer gemacht. «Ich gebe gerne 100 Prozent. Wenn es nicht läuft, muss man noch härter kämpfen», sagt er. Vielleicht weckt er damit sogar das Interesse eines Bundesligaklubs – um nächste Saison nach dem verpatzten Highlight in Ägypten ein eigenes Märchen in Deutschland zu schreiben.