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Playoff-Baseball statt Pulitzerpreis

Die Baseballer der Milwaukee Brewers greifen nach dem ersten Titel ihrer Klubgeschichte. Ihr blutjunger Manager ist ein ehemaliger Sportjournalist.
Nicola Berger
Mit den Milwaukee Brewers auf Erfolgskurs: General Manager David Stearns. (Bild: Dylan Buell/Getty (Milwaukee, 21. April 2018))

Mit den Milwaukee Brewers auf Erfolgskurs: General Manager David Stearns. (Bild: Dylan Buell/Getty (Milwaukee, 21. April 2018))

Es ist ja so, dass sich jeder Sportjournalist insgeheim für den fähigsten Sportchef der Welt hält. Das ist hier nicht anders als in Nordamerika. Doch nur wenige schaffen den Aufstieg vom Berichterstatter zum Entscheidungsträger; verbreiteter ist der umgekehrte Weg: Dass einer, der im Profisport vom Karussell fällt, halt noch ein bisschen Journalist wird. Die Ausnahmen: Fredy Bickel, früher Sportchef im FC Zürich, bei YB und heute Manager von Rapid Wien, war einst Volontär bei Radio Sunshine in Rotkreuz, und auch Georg Heitz, ehemaliger Sportchef beim FC Basel, arbeitete einst bei der «Basler Zeitung» als Journalist. Genauso wie Marty Hurney, General Manager der Carolina Panthers in der National Football League (NFL), der zuvor bei der «Washington Post» arbeitete.

Und nun ist da David Stearns. Stearns (33) ist General Manager der Milwaukee Brewers aus Wisconsin, zwei Autostunden von Chicago entfernt. Die Brewers sind ein notorisch erfolgloses Team, seit ihrer Gründung von 1970 haben sie nichts gewonnen. Na ja, Spiele schon, aber halt keine Titel, nicht einmal annähernd. Die Organisation ist erst ein einziges Mal in die World Series, den Playoff-Final der MLB, vorgestossen, 1982 war das. In den kommenden Tagen könnte sich das ändern, nach Dekaden des Wartens: Die Brewers haben im Playoff bereits die Colorado Rockies und die Chicago Cubs eliminiert. Ab Samstag kommt es in der National League Championship Series, dem Halbfinal, zum Duell mit den Los Angeles Dodgers, einem Koloss der Liga.

Die Brewers sind das Team mit dem kleinsten Markt der MLB – und damit eine Organisation mit überschaubaren finanziellen Ressourcen, sie geben in dieser Saison 108 Millionen Dollar für Spielersaläre aus. Das ist weit unter dem MLB-Durchschnitt, Platz 22 unter 30 Teams nur. Die Dodgers etwa kommen auf 199 Millionen. Und die San Francisco Giants, welche die Playoffs kläglich verpasst haben, auf 205 Millionen.

Eine Liebeserklärung an «America’s Game»

Der Aufschwung der Brewers ist eng mit dem Manager Stearns verknüpft, der das Team schon mit 30 übernahm. Vor seinem steilen Aufstieg arbeitete Stearns unter anderem als Baseball-Reporter für «The Harvard Crimson», die Studentenzeitung der Elite-Universität, für die schon Pulitzerpreis-Gewinner und spätere US-Präsidenten schrieben. 2005 verfasste Stearns dort eine Liebeserklärung an «America’s Game», er schrieb, Baseball lasse einem nicht mehr los, sobald man sich einmal seinen Reizen hingegeben habe.

Auf Stearns trifft das fraglos zu. Nachdem er sein Politikwissenschaftsstudium abgeschlossen hatte, arbeitete er als Praktikant für diverse Teams, unter anderem die Brooklyn Cyclones, jenes Team mit dem vermutlich schönsten Stadion der USA, einer romantischen Trutzburg, direkt neben dem wundervoll aus der Zeit gefallenen Freizeitpark Coney Island an New Yorks Küste gelegen. David Stearns arbeitete sich rasch nach oben. Und er bewahrte dieses horrende Tempo auch, als er die Kontrolle über die Brewers übernahm.

Stearns baute das Team radikal um, auf und neben dem Feld, er fädelte Tauschgeschäfte ein, bei dem er erfahrenere Kollegen der Konkurrenz schlecht aussehen liess. Der Brewers-Besitzer Mark Attanasio sagt: «Wenn er nicht zum General Manager des Jahres gewählt wird, weiss ich auch nicht mehr weiter. Diese magische Saison ist sein Verdienst.» Stearns Wirken hat ihn zu einem begehrten Mann gemacht. Sein Name fällt jetzt fast immer, wenn irgendwo ein neuer Manager gesucht wird, auch bei finanziell potenteren Teams wie den New York Mets oder den San Francisco Giants.

Doch noch ist Stearns in Milwaukee. Und so lange die Brewers nicht den ersten Titel ihrer Klubgeschichte eingefahren haben, ist seine Mission in Wisconsin nicht beendet.

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