Kommentar

Plötzlich sind sogar wieder sieben Ski-Medaillen möglich

Drei bis vier Medaillen scheinen für das Schweizer Team an der WM in Åre möglich. Oder werden es gar mehr?

Martin Probst, Åre
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Martin Probst.

Martin Probst.

Die Wiederholung wird schwierig: Sieben Medaillen (dreimal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze) haben die Schweizer Skifahrerinnen und Skifahrer vor zwei Jahren an den Heim-Weltmeisterschaften in St. Moritz gewonnen. Das war schon fast historisch gut. Besser war eine Delegation von Swiss Ski zuletzt 1989, als sie mit elf Medaillen (dreimal Gold, fünfmal Silber und dreimal Bronze) aus Vail zurückkehrte.
Von den Schweizer Medaillengewinnern in St. Moritz sind zwar mit Ausnahme von der Engelbergerin Michelle Gisin (damals WM-Silber in der Kombination, aktuell verletzt) alle auch in Åre dabei. Trotzdem ist die Ausgangslage anders.

Wenig verändert hat sich bei Beat Feuz und Wendy Holdener. Der Abfahrtsweltmeister von 2017 ist auch in dieser Saison der beste des Fachs. In fünf von sechs Abfahrten stand der bald 32-Jährige auf dem Podest. Nur zu Beginn des Winters in Lake Louise klassierte er sich auf Rang sechs. Diese eindrückliche Bilanz macht ihn am Samstag zum klaren Anwärter auf eine Medaille.

Kein Vergleich in der Kombi

Wendy Holdener stand in drei der vier letzten Slaloms auf dem Podest. Die Formkurve der 25-Jährigen stimmt. 2017 holte sie in St. Moritz WM-Silber. Eine weitere Medaille ist gut möglich. Das gilt auch für die Kombination, in der sie 2017 Weltmeisterin wurde. Zwar wurde die einzige bis zur WM geplante Kombi in Val d’Isère abgesagt und es fehlt somit ein aktueller Vergleich mit der Konkurrenz. Trotzdem gehört Holdener weiterhin zum Kreis der Favoritinnen.

Drei von sieben Medaillen scheinen also auch in Schweden möglich. Denkbar ist auch, dass Lara Gut-Behrami im Super-G erneut Edelmetall gewinnt. Zwar verlief die Saison der 27-Jährigen bisher durchzogen, doch in ihrer Paradedisziplin, in der Instinkt und Talent am meisten zählen, ist ihr eine Spitzenklassierung durchaus zuzutrauen.

Der Absturz des Luca Aerni

Luca Aerni hingegen, der Kombi-Weltmeister von St. Moritz, ist völlig ausser Form. Im Weltcup war er in dieser Saison nie besser als auf Rang 15 klassiert. In der Kombi in Wengen fuhr er nur auf Rang 17. Und im Slalom, seiner eigentlich stärksten Disziplin, hat er nicht einmal einen WM-Startplatz.

Eher absteigend verlief die Saisonform von Mauro Caviezel, dem Kombi-Dritten von 2017. Zu Beginn des Winters stand er in Nordamerika dreimal auf dem Podest eines Speed-Rennens, doch seither war Rang vier in der Kombination in Wengen sein Bestresultat. Das wiederum zeigt, dass in dieser Disziplin auch in Åre für ihn etwas möglich ist.
Mit Ramon Zenhäusern und Daniel Yule sind im Slalom zwei Schweizer Medaillenkandidaten hinzugekommen. Yule siegte in dieser Saison sogar einmal und wurde zuletzt in Schladming Dritter. Zenhäusern gewann vor einem Jahr Olympiasilber und zeigte in dieser Saison, dass dies kein Zufall war.

Wenn dann auch Corinne Suter in der Abfahrt ihre Trainingsleistungen bestätigt und Loïc Meillard im Riesenslalom seine Bestform findet, ist plötzliches sehr vieles möglich. Sogar sieben Medaillen wie in St. Moritz? Wer weiss.