Plötzlich hat der SC Kriens einen Personalmangel – und jetzt springt auch noch Goalie Sebastian Osigwe ab

Dem SC Kriens fehlt am Samstagabend (20.30) im Challenge-League-Auswärtsspiel gegen den FC Vaduz eine ganze Mannschaft.

Turi Bucher
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Sebastian Osigwe mit einer Parade

Sebastian Osigwe mit einer Parade

Bild: Philipp Schmidli (Kriens, 21. Juli 2019)

Hand hoch, wer im letzten Sommer behauptet oder orakelt hat, der SC Kriens werde rund ein Jahr später, im dritten Viertel der Saison 2019/20, einen Spitzenkampf in der Challenge League bestreiten!

Es ist tatsächlich so: Kriens spielt am Samstag in Vaduz weiterhin um den 2. Platz in der Tabelle, um jenen Rang, der noch zwei hochattraktive und aufgrund der aktuell limitierten Zuschauerzahlen lukrative Zusatzspiele bringen würde. Nämlich die Barragespiele zur Super League. Die Ausgangslage ist so: GC muss; Vaduz will; Kriens darf. Dahinter kommt wohl nichts mehr.

Aber hat Kriens die Klasse und die Reife, um die Grasshoppers und die Liechtensteiner weiterhin zu verfolgen und zu ärgern? Diesen Beweis lieferte der SCK am vergangenen Mittwoch im Heimspiel gegen Stade Lausanne-Ouchy (2:2) nicht ab. Doch Kriens-Trainer Berner hört nicht auf, zu betonen, dass man immer das Positive mit ins nächste Spiel mitnehmen müsse: «Kein einziger Club der Schweizer Top 20 hat in den ersten zwei Partien nach der Coronapause sechs Punkte geholt. Wir haben immerhin vier Punkte erreicht.»

Goalie Osigwe löst Vertrag per sofort auf

Doch statt am Samstagnachmittag frisch, fröhlich und frei mit dem Mannschaftsbus ins Ländle zu reisen, plagen den SC Kriens plötzlich Personalsorgen. Berner: «Als wir nach der Coronapause das Training wieder aufnahmen, standen mir 21 Spieler und drei Goalies zur Verfügung.» Und jetzt? Die Personaldecke ist dünn, sehr dünn. Diese Kaderspieler fehlen dem SCK am Samstag im Spitzenkampf in Vaduz:

  • Topstürmer Nico Siegrist hat sich vorzeitig in Richtung Cham verabschiedet.
  • Stammtorhüter Sebastian Osigwe figurierte gegen Schaffhausen und Stade Lausanne-Ouchy (SLO) nicht im Aufgebot. Zuerst hiess es, Osigwes Knie sei noch lädiert. Am vergangenen Mittwoch – am Abend nach dem Heimspiel – hat der Keeper mit nigerianischen Wurzeln dann auf eigenen Wunsch den Vertrag mit dem SCK aufgelöst. Der Kontrakt wäre noch bis Sommer 2021 gültig gewesen. Osigwes Begründung: «Ich habe meine Lehre als Detailhandelsfachmann abgeschlossen und möchte mich nun, wenn möglich, noch professioneller als Fussballtorhüter engagieren.»
  • Verteidiger Elia Alessandrini ist wegen vier kassierter gelber Karten gesperrt.
  • Die Verteidiger Nikola Mijatovic (Fuss), Manuel Fäh (Achillessehne) und Daniel Fanger (Knie) stehen weiterhin nicht zur Verfügung. Neu hinzu kommt Diogo Costa, der sich gegen Stade Lausanne-Ouchy (SLO) am Knie verletzte.
  • Captain Burim Kukeli absolviert in Albanien einen Trainerkurs.
  • Im Mittelfeld fallen die beiden verletzten Pedro Teixeira (Leiste) und Marco Wiget (Fuss) aus.
  • Nach dem 2:2 gegen SLO griff sich Offensivkraft Daniel Follonier mehrmals an die Kniekehle. Auch er ist für die heutige Partie fraglich.

Das ist die aktuelle Krienser Kaderrechnung: von 25 Spielern, die inklusive Siegrist auf dem Matchblatt figurieren, sind zehn oder elf am Samstag nicht dabei. Die aktuell fünf erlaubten Auswechslungen pro Spiel könnte Trainer Berner also nicht mal tätigen. «Ich kann auch nicht auf Spieler aus einer U21-Mannschaft zurückgreifen, weil Kriens die nicht hat», sagt Berner. Die 2. Mannschaft des SCK ist im Moment nicht im Wettbewerbsmodus und könnte sowieso keine Challenge-League- tauglichen Spieler stellen. Berner: «Ich will nicht jammern. Ich arbeite mit dem Personal, das mir zur Verfügung steht.»

Achtung: Auf Kriens könnten noch viel mehr Personalsorgen zukommen. Am Mittwoch beim Spiel gegen SLO sassen Marinko Jurendic und Thomas Bickel, der aktuelle und der ehemalige Sportchef des FC Zürich, auf der Kleinfeld-Tribüne. Sie dürften SCK-Verteidiger Jan Elvedi, den Zwillingsbruder von National- und Bundesligaspieler Nico Elvedi, beobachtet haben; womöglich auch Flügel Omer Dzonlagic oder den ghanaisch-portugiesischen Stürmer Asumah Abubakar.

Kriens hat Vaduz diese Saison zweimal besiegt

Der SC Kriens (40 Punkte) gewann diese Saison übrigens beide bisherigen Duelle gegen Vaduz (1:0 daheim; 2:1 im Rheinpark). Aber das ist weit weg. Vaduz war nach acht Runden Vorletzter und arbeitete sich seither in Richtung Ranglistenspitze (41 Punkte) vor. Wie sagte Torschütze Follonier (auch sein Verbleib in Kriens ist übrigens höchst ungewiss) nach dem 2:2 gegen Ouchy? «In Vaduz wollen wir im Minimum einen Punkt holen.» Ob es angesichts des akuten Personalmangels nicht viel eher das Maximum wäre?