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Plötzlich Überflieger: Killian Peier hat das Zeug zu einer zweiten Medaille

Mit seiner Bronzemedaille hat Killian Peier die WM für die Schweiz lanciert. Er habe alle Anlagen, um auf diesem Niveau weiterspringen zu können, findet Disziplinenchef Berni Schödler.
Ralf Streule, Seefeld
Killian Peier feiert die Bronzemedaille. Und hofft auf eine ähnliche Leistung auf der Normalschanze. (Bild: Srdjan Suki/EPA (Seefeld, 23. Februar 2019))

Killian Peier feiert die Bronzemedaille. Und hofft auf eine ähnliche Leistung auf der Normalschanze. (Bild: Srdjan Suki/EPA (Seefeld, 23. Februar 2019))

Wie feiert man eine überraschende Bronzemedaille? Zunächst überschwänglich und in die Kamera schreiend, mit Teamkollegen, die einen zu ­Boden reissen vor Freude. Am Abend dann geruhsamer. Ein Gläsli Wein habe sich Killian Peier am Samstagabend zusammen mit dem Team im Hotel erlaubt, sagt Disziplinenchef Berni Schödler nach dem grossen Coup. «Diesen Moment dürfen wir geniessen.» Schliesslich ist Peier der erste Schweizer WM-Medaillengewinner seit acht Jahren. 2011 hatte Simon Ammann in Oslo ebenfalls Bronze gewonnen. Aber eben, allzu ausgelassen durfte es dann doch nicht werden. Die WM geht weiter, gestern stand das Teamspringen an – und auch da zeigte der Romand wieder seine Stärken. Wieder wäre er mit seinen zwei Sprüngen auf den vorderen Plätzen gelandet. Für das Schweizer Team resultierte beim Sieg Deutschlands ein siebter Platz.

Vom Rückschlag zum Fortschritt

Viel wurde in den vergangenen Tagen über den 23-jährigen Peier geschrieben, als er in den Trainingssprüngen auf der Innsbrucker Bergisel-Schanze plötzlich zum WM-Medaillenkandidaten avanciert war. Über sein grosses Talent. Über sein Tief im vergangenen Winter, als er sportlich plötzlich nicht mehr weiter wusste, weil er sich nicht für die Olympischen Spiele qualifiziert hatte. Und über seinen wundersamen Aufstieg zum WM-Favoriten. Was vor einem Jahr passierte, bringt Schödler so auf den Punkt: «Killian hat am Menschen Peier gearbeitet.» In sportlichen Tiefs gebe es für einen Athleten zwei Möglichkeiten: «Entweder er hadert mit der Situation und gibt allen anderen Schuld. Oder er verdaut und macht weiter.» Peier tat zweites. Sein Selbstvertrauen stieg, die in jener Phase bewusst intensivierte mentale Arbeit fruchtete. Und plötzlich kam der Erfolg.

Schödler: «Top-Zehn-Rangierungen passieren einem nicht einfach so»

In dieser Weltcup-Saison landete Peier regelmässig in den Top Zehn. Dies zeigt, wie stabil der Flug des Waadtländers ­geworden ist. Und der WM-Coup vom Samstag beweist überdies, wie sehr nun auch der Kopf mitspielt. «Nur kurz wurde ich am Tag vor dem Springen nervös, als ich mir zu sehr vorstellte, dass ich eine Medaille gewinnen könnte», sagte Peier nach seinem Erfolg. Auch als er nach dem ersten Durchgang an der Spitze lag und der Druck stieg, blieb er fokussiert. «Ich sprach auf dem Bakken zu mir.» Unter anderem sagte er sich: «Freu dich auf diesen Sprung.»

Peier ist in jenem Flow, der im Skispringen vieles so einfach aussehen lässt. Bekanntlich kann es in dieser Sportart aber auch schnell wieder in die andere Richtung gehen. Schödler schätzt diese Gefahr bei Peier als nicht allzu gross ein. «In den Top 30 ist man verhältnismässig schnell, Top-Zehn-Rangierungen passieren einem nicht einfach so.» Zu stabil sei Peiers Flug derzeit, dazu komme eine ­natürliche Ästhetik bei der Landung.

"Die anderen sehen, was möglich ist. Das tut gut."

Wie steht es um Medaillenchancen auf der Normalschanze am Freitag in Seefeld? Schödler hat in diesem Zusammenhang nur einen Wunsch an Peier: «Er muss bei sich bleiben.» Will heissen: Den Flow mitnehmen, nichts erzwingen. Dass er mit unterschiedlichsten Schanzen zurecht komme, sei bekannt. Was für Peier spricht: Auf der Normalschanze, wo die Abstände für gewöhnlich sehr klein sind, fällt die Telemarklandung noch stärker ins Gewicht als auf der Grossschanze. Sicher ist: Peiers Leistungen geben dem ganzen Schweizer Skisprungteam ein gutes Gefühl. Auch wenn der Einzelne nicht «von gestern auf heute» besser werde durch Peiers Erfolge, so Schödler. «Aber die anderen sehen, was möglich ist. Das tut gut.»

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