Plötzlich wieder im Scheinwerferlicht

Seit dieser Woche gilt der ehemalige FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler als Hoffnungsträger im Schweizer Fussball. Wie es dazu gekommen ist.

Etienne Wuillemin
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Bernhard Heusler. (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Bernhard Heusler. (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Status: Es ist kompliziert. Der Schweizer Fussball befindet sich in der Sackgasse. Nationaltrainer Vladimir Petkovic und die Verbandsbosse rund um Peter Gilliéron taumeln Tag für Tag tiefer in die Krise. Lamentables WM-Out, Doppeladler-Affäre, Doppelbürger-Posse, Rücktritt von Generalsekretär Miescher – und was tut der Verband? Keine Erklärungen, keine Stellungnahmen, einfach nichts.

Auch darum ist aus Bernhard Heusler in den vergangenen Tagen so etwas wie ein Hoffnungsträger geworden. Die Idee: Der ehemalige FC-Basel-Präsident soll den jetzigen SFV-Präsidenten Gilliéron beerben und den Fussballverband modernisieren. Am offensivsten portiert die naheliegende Lösung der «Blick». Es kann nicht schnell genug gehen.Eine Woche ist es her, seit Generalsekretär Alex Miescher zurückgetreten ist. Zurücktreten musste. Es war der letztmögliche Zeitpunkt für einen einigermassen harmonischen Abgang nach seinen fragwürdigen Äusserungen zu Doppelbürgern. Mieschers Rücktritt bedeutet nun nicht, dass die grosse Ruhe eingekehrt wäre. Im Gegenteil. Präsident Gilliéron steht unter Druck und Beschuss. Er ist es, der als Präsident die Verantwortung trägt für das Versagen der letzten Wochen. Und mit ihm der Nati-Delegierte Claudio Sulser und Kommunikationschef Marco von Ah. Immerhin eines scheint nun klar: Es soll zu Erklärungen kommen. Am nächsten Freitag. Gilliéron, Sulser und Petkovic werden vor die Medien treten. Und versuchen zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Heuslers verständliches Schweigen

Die Frage ist nun, ob Petkovic, Gilliéron, Sulser und von Ah weitermachen, sich an den Strohhalm der möglichen Schweizer Siege im Herbst klammern, an ein Wunder vielleicht auch – oder ob sie einsehen, dass es für den Neuanfang neue Leute braucht. Weil zerschlagenes Geschirr nicht einfach zusammengeklebt werden kann.

Auch Heusler schweigt derzeit. Aber es ist ein verständliches, ein meisterliches Schweigen. Wer ihn kennt, weiss: Er würde sich nicht anmassen, ­Ansprüche anzumelden, solange Gilliéron seine Absichten nicht erklärt. Dafür ist Heusler zu loyal. Gemäss gut informierten Personen überlegt sich Heusler derzeit, wie seine Zukunft aussehen könnte. Zur Erinnerung: Vor einigen Monaten wurde er als Präsident der Stiftung Schweizer Sporthilfe gewählt. Zudem hat er zusammen mit Georg Heitz und Stephan Werthmüller eine eigene Beratungsfirma aufgebaut.

Die Fragen, wie es weitergehen könnte, sind durchaus interessant. Gilliéron ist als Präsident noch bis im Frühling 2019 gewählt. Insider melden, dass er sich tatsächlich die Frage gestellt hat, ob es Sinn macht, noch bis dahin weiterzumachen. Ein sofortiger Rücktritt entspräche aber nicht seinem Naturell. Gilliéron wägt ab, welches Handeln dem Verband am meisten nützt.

Eine Kampfwahl wird es wohl nicht geben

Eines kann mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden: dass es zu einer Kampfwahl zwischen Gilliéron und Heusler kommt. Das möchten beide verhindern. Eine mögliche Variante scheint, dass Gilliéron am Freitag bekannt gibt, nun in seine letzten Monate als Präsident zu steigen. Dann würde seine Amtszeit am Ende eine volle Dekade betragen.

Zu überlegen aber gibt es Folgendes: Nationaltrainer Petkovic ist in den letzten Wochen in derart wuchtigen Gegenwind geraten, dass seine Zukunft an der Seitenlinie des Nationalteams höchst fraglich ist. Wer aber entscheidet denn, wie es mit dem Trainer weitergehen soll, falls dieser nicht zur Einsicht gelangen würde, den Weg freizumachen? Oder, falls er es doch tut, wer sein Nachfolger werden soll? – Es bleibt kompliziert.