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Zwei Luzerner Schwestern träumen von der grossen Tenniswelt

Ihre Mutter war dereinst die Nummer 129 der WTA-Rangliste, nun wollen die Töchter auf sich aufmerksam machen. An der Junior Champion Trophy in Luzern zeigen sich die Geschwister Michelle (18) und Joëlle Lanz (15) vor Heimpublikum.
Stephan Santschi
Freuen sich auf den Einsatz vor heimischer Kulisse: Michelle (links) und Joëlle Lanz aus Luzern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 24. Dezember 2018))

Freuen sich auf den Einsatz vor heimischer Kulisse: Michelle (links) und Joëlle Lanz aus Luzern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 24. Dezember 2018))

Es war Mitte der Achtzigerjahre, als Susanne Schmid die ersten Schritte auf der WTA-Tour machte. Am Turnier in Zürich bezwang sie die Weltnummer 31 Sabrina Goles aus Kroatien, davor war sie bei den Juniorinnen am Grand-Slam-Turnier von Paris bis in die Viertelfinals vorgestossen. In der Schweiz gewann sie mehrere Meistertitel bei den Aktiven und im Nachwuchs, auch Interklub-Triumphe in der NLA zählen zu ihrem Palmarès. Bereits im Alter von 21 Jahren entschied sich die Linkshänderin aber zum Rücktritt, weil nach einem Todesfall in der Familie «andere Werte als der Spitzensport in meinen Mittelpunkt rückten», wie sie erklärt. Ihre beste Klassierung auf WTA-Stufe war Rang 129, ihr letztes Spiel auf diesem Level bestritt sie gegen eine gewisse Arantxa Sánchez Vicario, die später die erste Nummer eins aus Spanien und zur langjährigen Rivalin von Steffi Graf werden sollte.

Heute lebt die 53-jährige Luzernerin mit ihrer Familie in der Stadt Luzern und hat den Nachnamen ihres Ehemannes Guido Lanz angenommen. Die Faszination für Tennis ist über all die Jahre erhalten geblieben. In der Luzerner Tennisschule «la vie en tennis» gibt sie Unterricht, darüber hinaus beschäftigen sich ihre zwei Töchter leidenschaft- lich mit dem gelben Filzball. An den 50. Schweizer Hallenmeisterschaften vom Wochenende im Raum Luzern, der sogenannten Junior Champion Trophy, werden beide im Einsatz stehen. Michelle Lanz, die gestern 18 Jahre alt wurde, in der U18-Kategorie und die 15-jährige Joëlle im U16-Tableau.

Michelle greift an, Joëlle verteidigt kämpferisch

Darauf angelegt, dass ihr Nachwuchs sein Glück ebenfalls mit Tennis versucht, hat es Susanne Lanz nicht. «Es begann mit Kursen an Mittwochnachmittagen, weil wir als Familie zusammen Sport treiben wollten. Dass sie Tennis mal so intensiv ausüben würden, hätte ich nie gedacht», erzählt sie und betont: «Es ist kein Müssen. Wenn sie etwas anderes machen wollen, können sie es jederzeit tun.» In dieser Hinsicht scheint sich aber nichts anzubahnen, die beiden Juniorinnen sind mit Freude bei der Sache. «Der Mix aus Kraft, Technik, Taktik und mentaler Stärke» mache es aus, sagen sie unisono. Beide spielen Tennis seit ihrem sechsten Lebensjahr, beide trainieren wöchentlich bis zu 13 Stunden und beide werden von Philipp Dillschneider, dem Headcoach des Regionalverbands Tennis Zentralschweiz, ausgebildet. Mit 1,65 Metern sind die Geschwister sogar gleich gross.

Ganz unterschiedlich allerdings sind die Vorbilder und ihre Spielweisen. Während Michelle für Roger Federer und Belinda Bencic schwärmt, findet die zweieinhalb Jahre jüngere Joëlle Gefallen am Österreicher Dominic Thiem. «Michelle hat Stärken in der Offensive. Sie ist sehr geradlinig und druckvoll, am liebsten bestimmt sie das Spiel. In der Verteidigung hat sie aber noch einige Reserven», berichtet Trainer Philipp Dillschneider. Und zu Joëlle hält er fest: «Sie spielt Bälle zurück, die für andere nicht zu erreichen sind. Sie ist fleissig, sowie läuferisch, kämpferisch und defensiv gut. Längerfristig nützt es ihr aber mehr, wenn sie offensiver agiert. Deshalb stellen wir derzeit ihr Spiel um.» Auch im emotionalen Bereich würden sich die Lanz-Sisters unterscheiden. Michelle ist bekannt für ihr Pokerface, «die Gegnerin kann sie nicht lesen. Wenn es läuft, zieht Michelle es durch. Wenn nicht, fällt es ihr schwer, sich selber zu pushen.» Joëlle sei emotionaler, mitunter fehle ihr aber etwas der Glaube an die eigenen Fähigkeiten.

Träume von Wimbledon und einem US-College

Während Michelle im nationalen Ranking auf Platz 62 steht und damit N4-klassiert ist, bewegt sich Joëlle mit Rang 116 auf der darunterliegenden R1-Stufe. Philipp Dillschneider traut beiden einen weiteren Aufstieg zu, wenn sie an ihren Schwächen arbeiten. Auf ihre Ziele angesprochen, geben sich die beiden Juniorinnen jedenfalls ambitioniert. «Ich träume von einer Wimbledon-Teilnahme», sagt Michelle, die aktuell die Talents School der Frei´s Schulen absolviert. Und Joëlle, Sportschülerin an der Kanti Alpenquai, fügt an: «Mich würde dereinst der Wechsel an ein Tennis-College in den USA reizen.»

Zurückhaltender geben sich die beiden, wenn sie auf die morgen Freitag beginnende Junior Champion Trophy vorausblicken. «Ich möchte mein Bestes geben und mein Ziel nicht in eine Rangierung fassen», erklären sie wie aus einem Munde. Während Joëlle bei den U16-Juniorinnen als Nummer 14 gesetzt eher in einer Aussenseiterrolle steht, ist Michelle in der U18-Kategorie als Nummer 6 bei einem Exploit eine Halbfinal-Qualifikation zuzutrauen.

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