Vor dem spanischen Fussballknüller: Politische Unruhen belasten «El Clásico»

Die ursprünglich für den 26. Oktober angesetzte Partie Barcelona gegen Real Madrid findet nun heute Abend statt.

Peer Lasse Korff
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Barça-Star Lionel Messi (am Ball) erwartet im heutigen Clásico ein «kompliziertes» Spiel.

Barça-Star Lionel Messi (am Ball) erwartet im heutigen Clásico ein «kompliziertes» Spiel.

Bild: Alberto Estevez/Keystone (Barcelona, 6. Februar 2019)

Drohgebärden der Unabhän­gigkeitskämpfer, ein massives Polizeiaufgebot und eine ungewöhnlich «kuschelige» Spielvorbereitung der ewigen Rivalen: Vor dem 179. Clásico in der Primera Division zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid ist alles anders. Die politisch brisante Situation in Katalonien zwingt die Verantwortlichen zu einschneidenden Massnahmen. «Ich mache mir keine Sorgen. Am Ende wollen die Leute ein gutes Spiel sehen, nichts weiter», sagte Real Madrids Trainer Zinédine Zidane zwar und versuchte die Aufregung etwas einzudämmen. Doch vor dem ­Duell von heute Mittwoch, das eigentlich am 26. Oktober hätte stattfinden sollen, herrscht alles andere als «business as usual».

Die Unabhängigkeitsplattform Tsunami Democratic kündigte an, ihren Forderungen nach der Aushandlung eines Unabhängigkeitsreferendums für Katalonien Ausdruck zu verleihen: «In einer Ausnahmesituation müssen wir aussergewöhnlich handeln.» Schon im Ok­tober hatte der anhaltende Konflikt letztlich zur Absage ­geführt. Auch der FC Barcelona setzte sich damals öffentlich für die Freilassung von neun inhaftierten Separatistenführern ein. Heute wollen sich mehr als 25000 Anhänger der Be­wegung Stunden vor dem Anpfiff nahe des Stadions ver­sammeln.

Katalanen und Madrilenen wohnen im selben Hotel

Die Sicherheitsvorkehrungen wurden massiv erhöht, rund 3000 Polizisten und private Sicherheitskräfte werden für das Spiel zusätzlich abgestellt, teilten die Behörden mit. Für die Teams ändert sich der Ablauf vor dem Anpfiff. Der Tabellenführer Barça checkt im selben Hotel ein wie der punktgleiche Verfolger Real Madrid. Beide Mannschaften bewohnen unterschiedliche Trakte im «Princesa Sofia», werden dann zeitgleich mit getarnten Bussen die Fahrt zum Camp Nou antreten.

Die Protagonisten des Showdowns in der fast 100000 Zuschauer fassenden Arena bemühen sich, siehe Zidane, den Fokus auf den Fussball zu richten. «Das sind Duelle, die die Leute mitreissen und begeistern», sagte Barcelonas Torhüter Marc-Andre ter Stegen, der beide Klubs noch nicht vollständig im Groove sieht. Wie Barça habe auch Real «gegen viele Gegner kleinere Probleme», sagte er DAZN: «Die Liga ist physisch stärker geworden, es gibt keine einfachen Spiele mehr.»

Dennoch haben sich der 26-malige Meister aus Katalonien und der 33-malige Champion aus der Hauptstadt nach anfänglichem Schlingerkurs wieder an die Spitze der Primera Division gekämpft, das Titelrennen verspricht erneut Spannung. In der Vorsaison hatte in den vier Clásicos in Liga und Cup klar Barça mit drei Siegen und einem Unentschieden die Nase vorn. Doch das heisst nichts für das nächste Kräftemessen, es werde wieder «kompliziert», sagte Lionel Messi, der Held der Barça-Fans. Seine Aussage gilt wohl auch für die Begleitumstände der nichtalltäglichen Partie. (sid)