PORTRÄT: Fünf Baarer sind im Bann der Bälle

Die Familie Stutz ist im Zuger Sport ein Begriff. In erster Linie bringt man ihren Namen mit dem Handballverein LK Zug in Verbindung – ein Familienmitglied hat sich jedoch einer anderen Leidenschaft verschrieben.

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Im Leben von Leah, Yannik, Esther, Peter und Svenja Stutz (von links) ist der Sport allgegenwärtig. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Dezember 2016))

Im Leben von Leah, Yannik, Esther, Peter und Svenja Stutz (von links) ist der Sport allgegenwärtig. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Dezember 2016))

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

Der Macher

Peter Stutz ist der Mister LK Zug. Der 54-jährige Kaufmann, der in der Reisebranche seinen Lebensunterhalt verdient, ist seit bald vier Jahrzehnten mit dem Handball verbunden. «Dieser Sport ist meine Leidenschaft und Teil meines Lebens. Handball bedeutet für mich Tempo, Härte und Teamgeist. Er ist sehr abwechslungsreich.» Der gebürtige Chamer Stutz wohnt mit seiner Familie in Baar. Trotz vieler Stunden in der Handballhalle findet er Zeit für weitere Hobbys: Tennis, Wandern und Skifahren. In verschiedenen Funktionen war der Vater dreier Kinder innerhalb des LK Zug schon tätig. Aktuell trainiert Stutz, der sich selbst als ungeduldig und optimistisch bezeichnet, die SPL1-Frauenmannschaft des LKZ als Co-Trainer. Und das mit grossem Erfolg. In seiner Ära feierten die Zugerinnen die grössten Erfolge in der Vereinsgeschichte. «Ich erlebte vier Meistertitel und zwei Cupsiege mit – Momente, die unvergesslich bleiben werden. Auch der Aufstieg Ende der 1990er-Jahre in die damalige NLA war ein Highlight für mich.» Enttäuschungen gab es auch? «Nein. Ich nenne sie sportliche Rückschläge, die genauso zum Leben gehören wie Erfolge. Wichtig ist, dass man wieder aufsteht und die Lehren daraus zieht.»

Stutz ist übrigens ein grosser Fan der britischen Rockband Queen und von deren im Jahr 1991 verstorbenem Gründungsmitglied und Frontmann Freddie Mercury. «Diese Musik läuft bei uns oft zu Hause», erklärt er. Natürlich ist auch Sport immer ein Thema in der Familie. Und welche Herausforderungen stehen für Peter Stutz nun an? «Wir wollen mit dem LK Zug natürlich wieder an erfolgreiche vergangene Tage anknüpfen und streben nach weiteren Titeln. Beruflich werde ich mich im Januar neu orientieren und eine neue Stelle antreten. Darauf freue ich mich.»

Die Allrounderin

Hinter einem starken Mann steht eine starke Frau. Im Fall von Peter Stutz ist das Esther (53). Die Baarerin arbeitet als Anwaltssekretärin in Teilzeit und ist die gute Seele im LK Zug. Mitte der Siebziger- bis Mitte der Achtzigerjahre hütete sie das Tor der Zugerinnen. «Mein jetziger Mann war früher mein Trainer in der 2. Liga», erinnert sie sich. Esther Stutz geht gern Ski fahren und langlaufen, darüber hinaus spielt sie Tennis, wandert gerne und geht auch zum Biken. Auch die Geselligkeit steht hoch im Kurs: Sie kocht gerne oder klopft mal einen Jass.

Während der Handballsaison steht sie bei den Heimspielen der Zuger Teams in der Sporthalle und ist manchmal bis zu 14 Stunden im Einsatz. «Ich betreue den Kiosk in der Halle und bin dafür auch verantwortlich. Es ist eine strenge Arbeit, sie wird aber auch geschätzt. Besonders die gegnerischen Mannschaften kommen immer wieder gerne nach Zug, weil auch neben dem Feld etwas geboten wird», sagt sie. «Ich bin auch eine Allrounderin und helfe, wo man mich braucht. Ich helfe Anlässe mitorganisieren, besorge Geschenke und vieles mehr.» Da erstaunt es nicht, dass sie sich als hilfsbereit, zuverlässig und belastbar beschreibt. Die Baarerin ist auch Fahrerin. Sie chauffiert ihre drei Kinder an die Handball- oder Fussballspiele. «Ich bin dann als Fan im Einsatz», sagt sie lachend. Mit dem Begriff «Familienmanagerin» konfrontiert, lacht sie erneut und sagt: «So könnte man das auch betiteln.» Esther Stutz bewundert ihre Kinder Yannik, Svenja und Leah: «Sie betreiben einen extremen Trainingsaufwand und schliessen daneben noch das Studium oder die Matura ab.» Was wünscht sich die 53-Jährige für die Zukunft? «Gesund zu bleiben und dass ich mit meiner Familie noch viele schöne Momente erleben darf. Natürlich träume ich von vielen Enkelkindern.»

Der Unkomplizierte

Das Familienglück perfekt machten die Geburten der Kinder Yannik (22), Svenja (20) und Leah (18). Sie alle haben ihre Leidenschaft – wie könnte es anders sein – dem Sport verschrieben. Yannik, der an der Uni Zürich Medizin studiert, ist begeisterter Fussballer. «Ich spiele seit 16 Jahren beim FC Baar», sagt er. Nachdem er alle Juniorenstufen durchlaufen hatte, ist er nun Teil der ersten Mannschaft in der 3. Liga. Wie behauptet sich der Fussballer in der Handballerfamilie? «Handball ist schon das dominierende Thema, das ist ja auch verständlich. Damit habe ich aber überhaupt kein Problem. Ich komme nicht zu kurz. Wir diskutieren auch über andere Sportarten. Wir gehen auch Squash oder Tennis spielen und fahren zum Biken aus. Wir sind eine polysportive Familie.» Schon zwei Mal stand er mit dem FC Baar im Nachwuchs-Cupfinal des Innerschweizer Fussballverbandes. «Leider gingen beide Finals verloren», blickt er zurück. Ein grosser Frust war auch der Abstieg von der 2. in die 3. Liga mit dem Fanionteam. «In der darauffolgenden Saison verpassten wir den Wiederaufstieg ganz knapp. Das Scheitern in den Aufstiegsspielen war eine grosse Enttäuschung.» Im Leben des 22-Jährigen zählen aber nicht nur Rangierungen und sportliche Erfolge. «Letztlich ist es mein Hobby. Mir ist es wichtig, einen Teamsport auszuüben – zusammen macht es mehr Freude», hat er festgestellt.

Welche Wünsche hegt Yannik Stutz, der sich als ruhige und unkomplizierte Person sieht? «Der Abschluss meines Medizinstudiums mit anschliessender Facharztausbildung ist sicher im Fokus. Und das Reisen ist etwas, was mir behagt. Wir haben mit der Familie schon viel gesehen, ich möchte natürlich in Zukunft noch mehr entdecken.»

Die Sensible

Vom elterlichen Handballvirus befallen ist die erste Tochter Svenja Stutz (20). Sie spielt im Rückraum der SPL1- und der SPL2-Equipe des LK Zug. Früher gehörte sie den Schweizer U-16- und U-20-Nationalteams an. Wie wichtig ist ihr der Handball? «Er ist eine grosse Bereicherung in meinem Leben. Zusammen in der Mannschaft auf ein Ziel hinzuarbeiten, ist eine tolle Sache und jeweils eine schöne Herausforderung für mich», sagt sie. Ihre schönsten Erinnerungen sind die Schweizer-Meister-Titel mit dem LK Zug. «Geblieben sind mir aber auch die internationalen Spiele im Europacup in Holland oder England. Nicht nur das Sportliche, auch die Reisen mit dem Team waren immer etwas Besonderes.» Gab es auch Rückschläge? «Die Verletzungen sind so eine Sache. Ich hatte drei Knieverletzungen, davon musste ich zwei Mal unters Messer und fehlte während längerer Zeit.»

Ihr berufliches Ziel steht fest. Derzeit absolviert sie ein Zwischenjahr als Klassenassistenz mit dem Berufswunsch, dereinst als Lehrerin zu arbeiten. «Ich arbeite gerne mit Kindern. Sie auf ihrem Weg ein Stück zu begleiten, ist eine schöne Aufgabe. Gerne hätte ich auch selber eine Familie. Eine, wie wir sie haben. Das wäre super.»

Wie charakterisiert sich die angehende Lehrerin? «Emotional, sensibel und humorvoll.» In ihrer spärlichen Freizeit zeichnet und kocht sie gern. Wer weiss? Vielleicht tritt Svenja Stutz eines Tages in die Fussstapfen ihrer Mutter und übernimmt den LKZ-Kiosk.

Die Ehrgeizige

Leah Stutz (18), die Jüngste der Baarer Familie, spielt auch Handball im LK Zug, derzeit im SPL2-Team. Die Kantonsschülerin entdeckte mit fünf Jahren die Freude zu diesem Sport. «Handball ist eine Mischung aus Kampf, Schnelligkeit und Taktik», schildert sie die Faszination, «ich spiele seit 13 Jahren und ­möchte keinen Moment missen.» Das Palmarès der ehrgeizigen Flügelspielerin lässt sich sehen: Schweizer Meister mit der Regionalauswahl Innerschweiz (2013/14) sowie die Meistertitel mit der Zuger U-17-Equipe (2014/15) und dem U-19-Team (2015/16). Leah Stutz gehört dem Kader der U-20-Nationalmannschaft und dem neuen nationalen Förderkader an. Ihr Vorbild? «Die Spielerinnen unseres SPL1-Teams bewundere ich. Auch meine Schwester hat mir imponiert. Dass sie trotz ihrer Verletzungen wieder zurückkam, ist lobenswert. Ihr Kampfwille – unglaublich. Und ich weiss nicht, wie meine Mutter ihr grosses Programm immer wieder schafft.»

Ihre Wünsche sind ein Platz im SPL1-Kader, eine eigene Familie zu gründen und – wie die grosse Schwester – Lehrerin zu werden. Was es dazu braucht? «Wille, Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Glauben. Aber auch Glück – diesem kann man nachhelfen», ist die hilfsbereite und offene Stutz überzeugt.