Porträt
Marco Walker: Mit 51 Jahren endlich Super-League-Trainer

Der Solothurner lebt beim FC Sion seinen Traum und setzt alles daran, mit den Wallisern den Klassenerhalt zu schaffen. Am Sonntag tritt er mit ihnen im St. Galler Kybunpark zu einem heissen Abstiegsduell an.

Markus Brütsch
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Ein emotionaler Trainer: Marco Walker, FC Sion.

Ein emotionaler Trainer: Marco Walker, FC Sion.

Keystone

Good News für die Fans des FC Sion: Der Klassenerhalt ist so gut wie in trockenen Tüchern.

Wer Hans Ritz und Jean-Paul Brigger am Telefon zuhört, kommt zwangsläufig zu dieser Erkenntnis. Der Grund: Marco Walker. «Seine Handschrift ist zu erkennen. Er hat die Mannschaft stabilisiert und wird den FC Sion retten», sagt Ritz, der Präsident des FC Naters. «Er hat einen guten Draht zu den Spielern. Jeder weiss, was zu tun ist. Sion wird sicher in der Super League bleiben», sagt Brigger, der Sportchef der Oberwalliser.

Die beiden haben mit Walker zusammengearbeitet, nachdem dieser im Sommer 2019 als Trainer den Erstligaverein übernommen hatte und zu einem Spitzenklub auf dem Weg in die Promotion League formte. Ritz hat Walker nicht nur im sportlichen Bereich kennengelernt, sondern ihn auch in seiner Immobilienfirma beschäftigt. «Obwohl es für Marco Neuland war, integrierte er sich mit Fleiss in unser Team und schaffte es, ein paar Objekte zu verkaufen», sagt Ritz.

Kein Sittener kann sich mehr bei CC beklagen

Er und Brigger hätten es gern gesehen, wenn Walker beim FC Naters geblieben wäre. Aber sie gönnen dem 51-Jährigen die Chance, beim FC Sion in der Super League seine Qualitäten zu zeigen. «Das war sein Traum», sagt Brigger. Und:

«Mich beeindruckt, wie fadengerade Marco alle Probleme angeht und löst. Kein Spieler wird mehr zu CC rennen und sich über den Trainer beklagen.»

Viel Lob für einen, der seit seinem Amtsantritt Mitte März mit dem neuen Klub in sieben Spielen nur einmal gewonnen hat und als Rote Laterne vier Runden vor Saisonschluss auf dem direkten Abstiegsplatz liegt. Und für den schon am 11. April nach der 0:3-Schlappe in Vaduz die Luft dünn geworden war. Im Wissen, wie häufig der Totomat in Sion ein Trainerschicksal bestimmt, rechneten manche damit, Christian Constantin werde nach Fabio Grossos Ablösung Anfang März gleich noch einmal das Pferd wechseln. Doch der Präsident behielt die Nerven und wurde mit einem klaren Formanstieg des FC Sion belohnt. Allerdings ohne, dass sich dies im Punktekonto gross niederschlug.

«Punkte aber sind im Fussball das Wichtigste - und in unserer Situation noch wichtiger», sagt Walker. Zuletzt hat sein Team gegen Lausanne beste Chancen ausgelassen, einen Penalty verschossen, kurz vor Schluss den 1:1-Ausgleich kassiert und zum 17. Mal in Folge mindestens ein Gegentor zugelassen. Ein Graus für den früheren Abwehrhünen, der in 15 Profijahren für Grenchen, Lugano, Basel, 1860 München (52 Bundesligaspiele), Tennis Borussia Berlin, St. Gallen, Aarau, Mainz (unter Jürgen Klopp) und die Old Boys gespielt hat. «Wir könnten vier bis sechs Punkte mehr haben, sagt der zehnfache frühere Internationale.

Freude über die Chance als Trainer in der Super League

War auch Trainer beim FCB: Marco Walker und Christian Stuebi 2016

War auch Trainer beim FCB: Marco Walker und Christian Stuebi 2016

Steffen Schmidt/
Freshfocus

Nach 15 weiteren Jahren in verschiedenen Funktionen – vom Assistenz-, Nachwuchs- und Konditionstrainer bis zum Teammanager - beim FCB (zwölf Titel), bei Concordia, Biel, Aarau sowie als Cheftrainer der Old Boys und des FC Naters besass Walker einen prall gefüllten Rucksack, als er vom FC Sion engagiert wurde.

«Ich habe mich extrem gefreut, als ich endlich die Chance erhielt, mich als Trainer in der Super League zu zeigen», sagt Walker. «Auch wenn unsere Situation schwierig ist. Doch ich gebe Vollgas, um das zu ändern.»

Überhaupt ist er angetan von der Zusammenarbeit mit CC und dessen Sohn Barthélémy, dem Sportchef. «Natürlich sind die beiden sehr emotional, aber das bin ich selbst ja auch; und das ist gut so. Wir pflegen einen intensiven Austausch.»

«Seine Lockerheit tut uns gut», sagt Walker über Stürmer Guillaume Hoarau.

«Seine Lockerheit tut uns gut», sagt Walker über Stürmer Guillaume Hoarau.

Keystone

Walker ist sich im Klaren: Gelingt die Rettung, wird er seinen Job im Tourbillon behalten. «Ich bin zuversichtlich, dass dies gelingt. Die Mannschaft hat sich gefunden, ihre Entwicklung stimmt mich positiv», sagt der Solothurner. Nach vielen Gesprächen würden nun einige Spieler mehr Verantwortung übernehmen. Gerade der von Vorgänger Grosso links liegen gelassene Stürmer Guillaume Hoarau ist auf und neben dem Platz plötzlich wichtig geworden. «Seine Lockerheit tut uns gut», sagt Walker.

Der Liebe wegen im Wallis gelandet

Es war aber die Liebe und nicht der FC Sion, der ihn ins Wallis geführt hat. «Nachdem ich als Co-Trainer beim FC Aarau aufgehört hatte, zog ich zu meiner Partnerin nach Termen in der Nähe von Brig und habe später beim FC Naters angefangen.» Walker sagt, er sei ein sehr glücklicher Mensch. «Wer in der Schweiz einen der zwanzig Trainerjobs besetzt, kann sich nicht beklagen.» Er setze alles daran, als Cheftrainer in der Super League Fuss zu fassen. «Ich bin voller Passion.»

Ein Sieg morgen Sonntag in St. Gallen im heissen Duell gegen den Abstieg wäre ein wichtiger Schritt auf seinem Weg. Walker, der selbst einst zwei Jahre in der Ostschweiz verbracht hatte, wegen Bandscheibenproblemen indes kaum spielen konnte, rechnet nach dem Cupfinaleinzug der St. Galler weder mit einem euphorisierten noch müden, sondern einem konzentrierten Gegner. «Peter Zeidler wird gewiss dafür sorgen, dass der Fokus wieder ganz auf die Super League gerichtet ist», sagt Walker. Gewinnen will er mit seinen Desperados im Kybunpark trotzdem.