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Vom Mut des petit Prince

Laurent Prince ist der neue Steuermann des Schweizer Fussballs: Am letzten Montag hat er seine Arbeit als technischer Direktor des Verbandes aufgenommen. Für was steht der 44-jährige Luzerner, der im Umfeld des FCL nicht unumstritten ist?
Andreas Ineichen
Laurent Prince sitzt am Sekretär im Hotel Schweizerhof in Luzern: Seit Montag ist der 44-jährige Luzerner das Wissen und Gewissen des Schweizer Fussballs. (Bild: Nadia Schärli)

Laurent Prince sitzt am Sekretär im Hotel Schweizerhof in Luzern: Seit Montag ist der 44-jährige Luzerner das Wissen und Gewissen des Schweizer Fussballs. (Bild: Nadia Schärli)

Tapfer und geduldig macht er mit. Lächelnd erfüllt er die Wünsche unserer Fotografin. Erst im Hotel Schweizerhof in Luzern, dann draussen bei frostigen Temperaturen an der Uferpromenade. Plötzlich bricht es aus Laurent Prince heraus: «Ich hätte nie gedacht, dass ein Mediengespräch so anstrengend sein kann.» Ein herzhaftes Lachen lässt er folgen. Seit Ende letzter Woche, seit ihn der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) zum Nachfolger von Peter Knäbel ernannt hat, ist sein Name über die Zentralschweiz hinaus zur Kenntnis genommen worden. Als technischer Direktor des SFV ist Prince so etwas wie das personifizierte Wissen und Gewissen der bedeutendsten Sportart unseres Landes. Er ist zu einer Institution geworden.

Man kann nun wirklich nicht behaupten, der Verband habe bei der Wahl von Prince mit der grossen Kelle angerührt. Aber es mag ja ein bewusster Entscheid gewesen sein, nach den fünf Jahren mit dem Deutschen Peter Knäbel, der in der Öffentlichkeitsarbeit dominant aufgetreten ist, auf einen Namen mit weniger Strahlkraft zu setzen. Auf einen, der sich erst profilieren muss. Es gilt dabei zu betonen, dass diese Feststellung keinesfalls gegen Laurent Prince und dessen Qualifikation spricht, zumal ein grosser Name den Erfolg nicht garantiert. «Meinen Rucksack habe ich Schritt für Schritt mit Kompetenzen gefüllt», sagt Prince und erläutert: «Ich gehe meinen neuen Job mit grossem Selbstvertrauen an, aber auch mit Demut vor der grossen Herausforderung.»

Sein Selbstvertrauen rührt daher, dass er das, was er in seinen Rucksack gepackt hat, von der Pike auf gelernt hat. Anfang der 1990er-Jahre verliess Prince den FCL, nachdem er letztlich der U 23 angehörte, spielte für Schötz, Hochdorf und Goldau in den oberen Regionen des Innerschweizer Amateurfussballs. Mit 27 entschloss er sich, Trainer zu werden. Aber nicht, weil er sich schwer verletzt hätte. Vielmehr suchte Prince, der ausgebildete Sekundarlehrer, nach einer neuen Dimension im Fussball: «1997 wurde ich bei Goldau Spielertrainer. Hätte ich als Trainer nicht getaugt, hätte man mich wenigstens noch als Spieler gebrauchen können», erzählt er mit einem Schmunzeln. Als Trainer ging er später jenen Weg zurück, den er als Spieler einschlug. Also Hochdorf, dann Schötz und zum Schluss – quasi als neue und einmalige Erfahrung – Zug 94. Das war in der Saison 2006/07. So richtig Fahrt nahm seine Karriere auf, als er im August 2008, nachdem er Leiter der Sportschule Kriens gewesen war, zum Nachwuchs-Chef des FC Luzern ernannt wurde. Im Juni 2013 berief ihn der SFV zum neuen Leiter des Ressorts «Junioren-Spitzenfussball».

Der Reiz einer grossen Aufgabe

Und nun, gut anderthalb Jahre später, ist Prince technischer Direktor. Ein rasanter Aufstieg. Er ist Erbe eines Nachlasses, um den die Schweiz lange Jahre beneidet wurde. Selbst die Deutschen, im letzten Sommer Weltmeister geworden, haben sich in der Nachwuchsförderung von den Schweizern inspirieren lassen. Hansruedi Hasler wurde Mitte der 1990er-Jahre zum Vater eines Nachwuchs-Konzeptes, das einem kleinen Land wie der Schweiz auf dem grossen Planeten Fussball zu einem kaum für möglich gehaltenen Aufschwung verhalf. Peter Knäbel war nach Hasler und ab dem Jahre 2010 der Macher, unter dem grosse Talente wie Xherdan Shaqiri, Ricardo Rodriguez und Granit Xhaka zu Leistungsträgern in der Nationalmannschaft wurden. So ist die Schweiz in der Fifa-Weltrangliste in schon fast Schwindel erregende Höhen katapultiert worden (Platz 6 im Februar 2014).

Der Acker ist also schon über Jahre bestellt, die Gestaltungsmöglichkeit für Prince keine weltbewegende mehr. Aber genau im Justieren von Details sieht er den Reiz seiner neuen Aufgabe. Etwas neu aufzubauen, sei eine relativ einfache Geschichte, weil man da fast nur gewinnen könne, gibt Prince zu bedenken. «Aber es braucht mehr Mut, ein auf einem hohen Level funktionierendes Projekt zu übernehmen und mit den richtigen Leuten und den nötigen finanziellen Mitteln noch eine Schippe drauflegen zu können.»

Sein neues Team muss er in den nächsten Tagen und Wochen komplettieren. Prince muss seinen eigenen Nachfolger im Ressort «Junioren-Spitzenfussball» dem Zentralvorstand vorschlagen, vor allem aber auch einen Nachfolger für U-17-Nationaltrainer Dani Ryser, der im Sommer mit 58 vorzeitig in Pension geht. Und er hat Einfluss darauf, wenn der Nationalmannschaftsdelegierte Peter Stadelmann seinen Favoriten als Ersatz für Pierluigi Tami, der die U 21 zu Gunsten der Grasshoppers verlassen hat, kürt.

Prince glaubt, bei den 18- bis 22-jährigen Talenten mehr Potenzial herauskitzeln zu können, als das bisher gelungen ist. Er muss mit seinem Team in einem weltweiten Wettbewerb, in dem andere Nationen in den letzten Jahren bei der Talentförderung den Rückstand auf die Schweiz verkürzt haben, herausfinden, welchen Ansprüchen der Spieler von morgen genügen muss. Das geschieht über die tiefgreifende Analyse von Spielen, und Prince ist sich sicher, dass der Trend bei den Talenten in Richtung spielintelligenter Akteur geht, der unter Druck die richtige Entscheidung trifft und diese präzise ausführt.

Keine Lust auf Rechtfertigung

Prince scheint sich der Tatsache bewusst zu sein, dass der Wert seiner Arbeit in der breiten Öffentlichkeit durch die Anzahl Talente, die unter seiner Ägide den Sprung in die A-Nationalmannschaft schaffen, und den Erfolg der verschiedenen Junioren-auswahlen definiert wird. Auch wenn es Prince wichtig ist zu betonen, dass der Breitenfussball bei ihm einen grossen Stellenwert geniesst. Dieser ist eines von sechs Ressorts, denen er neu voran steht. Die andern sind eben die Juniorenauswahlen, der Spitzenfussball im Juniorenbereich, die Trainerausbildung, der Frauenfussball und das Schiedsrichterwesen.

Gerade beim FC Luzern, seinem Stammverein und dem einzigen Vertreter aus der Zentralschweiz in den beiden obersten Ligen unseres Landes, gibt es einflussreiche Repräsentanten, die Prince ankreiden, während seiner Zeit als Leiter des Nachwuchszentrums (August 2008 bis Juni 2013) keinen Super-League-tauglichen Spieler hervorgebracht zu haben – trotz beträchtlicher Investitionen. Prince verspürt keine Lust, auf die Kritik einzugehen, und schon gar nicht, sich für seine Arbeit zu rechtfertigen. Er sagt bloss: «Ich bin dankbar für die Zeit im FC Luzern. Und ich bin mir sicher, dass der FCL die Früchte der Nachwuchsarbeit in den nächsten Jahren noch ernten kann.» Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Denn unter seiner Ägide hat kein Alain Wiss, Marian Urtic, Nico Siegrist und wie sie alle hiessen nachhaltigen Eindruck in der Super League hinterlassen. Die meisten taugen für die Challenge League. Und im FCL mehrt sich der Unmut, dass man zwar gerne von Talentförderung redet, aber nie Ertrag in der ersten Mannschaft sieht.

Doch seit zehn Tagen reicht die Fussball-Welt des Laurent Prince eben weit über die Zentralschweiz hinaus. Damit sind auch die vielfältigen Ansprüche an ihn sprunghaft gestiegen. Auf diesem Weg war unsere Fotografin bloss ein klitzekleiner Vorgeschmack.

Fifa Ranking der Schweiz (Bild: Quelle: Fifa / Grafik: Martin Ludwig)

Fifa Ranking der Schweiz (Bild: Quelle: Fifa / Grafik: Martin Ludwig)

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