WM-Qualifikation

Portugal und Ungarn stehen in der WM-Qualifikation unter Druck und sind zum Siegen verdammt

Die Schweizer klauen den Portugiesen in der Gruppe B die Show. Nur schon ein Unentschieden am Samstag gegen Ungarn und der erste Platz könnte ausser Reichweite geraten. Ungarn im Gegenzug braucht einen Sieg, um sich noch Hoffnungen auf eine erfolgreiche Qualifikation zu machen.

Markus Brütsch
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Unter Druck: Superstar Cristiano Ronaldo darf sich mit Portugal keinen Ausrutscher mehr leisten.

Unter Druck: Superstar Cristiano Ronaldo darf sich mit Portugal keinen Ausrutscher mehr leisten.

Keystone

Welche Spiele der Europameisterschaft 2016 sind Ihnen in Erinnerung geblieben? Besonders viele können es nicht gewesen sein. Allzu oft ist die Taktik im Vordergrund gestanden und sind die Partien ereignislos dahingeplätschert.

Ganz und gar nicht in diese Kategorie gepasst hat jedoch am letzten Vorrundenspieltag der Gruppe F das Duell zwischen Portugal und Ungarn. Die beiden Teams haben es in Lyon so richtig krachen lassen, und am Ende stand ein leistungsgerechtes 3:3. Die beiden Captains Cristiano Ronaldo und Balázs Dzsudzsak waren zweifache Torschützen.

Aufregung um Cristiano Ronald

Diese beiden werden ihre Teams nun auch am Samstagabend in Lissabon ins Stadion da Luz führen, wenn sich diese neun Monate nach dem Spektakel im Rahmen der WM-Qualifikation erneut begegnen. Gehört und gelesen hat man von den beiden Stars seither unterschiedlich viel.

Während Dzsudzsak nach der EM in den Vereinigten Arabischen Emiraten beim FC Al-Wahda Abu Dhabi in die Anonymität abtauchte, aber viel Geld verdiente, verdiente auch Ronaldo viel Geld, ohne aber abtauchen zu dürfen.

Wegen den Steuerenthüllungen gab es viel Wirbel um «CR7».

Wegen den Steuerenthüllungen gab es viel Wirbel um «CR7».

Keystone

Doch genau dies hätte der Mann, der die Portugiesen zuerst in den Final geschossen und dann zum Sieg über Frankreich gecoacht hatte, im letzten Herbst vermutlich gerne getan. Als ihn die Football-Leaks-Enthüllungen als gigantischen Steuersünder an den Pranger stellten.

Vor zwei Wochen meldeten nun englische Medien, Ronaldos sechsjähriger Sohn Cristiano jr. würde bald Geschwister erhalten, eine Leihmutter in den USA trüge Zwillinge aus. Damit der Aufregung um Ronaldo nicht genug. Nachdem der Real-Star am vergangenen Wochenende von Trainer Zinedine Zidane ausgewechselt worden war, soll es zwischen den beiden ordentlich gekracht haben.

«Spiel gegen Ungarn wie ein Final»

Daher dürfte es Ronaldo gerade recht gekommen sein, in der Wohlfühloase der Seleção Zuflucht zu finden. Allerdings sind beim Europameister die Wochen der Glückseligkeit längst vorbei. Seit der Startniederlage in Basel steht er unter erheblichem Druck. Dieser ist nach dem Schweizer Auswärtssieg in Budapest sogar noch grösser geworden. Schon ein Unentschieden gegen Ungarn würde die Chancen auf Rang 1 in der Gruppe B arg reduzieren.

Angenommen, die Schweiz gewinnt bis zum grossen Showdown mit den Portugiesen im Oktober ihre fünf Partien gegen Lettland (zwei Mal), die Färöer Inseln, Andorra und Ungarn, dann reicht Portugal selbst ein Sieg im Direktduell nicht mehr zur sicheren WM-Qualifikation.

Die enttäuschten Portugiesen nach der 0:2-Niederlage gegen die Schweiz letzen September.

Die enttäuschten Portugiesen nach der 0:2-Niederlage gegen die Schweiz letzen September.

Keystone

«Das Spiel gegen Ungarn ist für uns wie ein Final», sagt denn João Mário, «aber das gilt auch für alle anderen Partien bis zur Partie gegen die Schweiz.» Für den Aufbauer von Inter Mailand ist dabei der EM-Titel keine Hilfe. «Jeder unserer Gegner ist topmotiviert und will zeigen, dass er besser ist als der Europameister.»

Intensive Vorbereitung

Immerhin: Nach der Begegnung in der Schweiz liessen die Portugiesen, die in vielen früheren EM- und WM-Qualifikationen immer mal wieder einen «Kleinen» unterschätzt hatten, nichts anbrennen. Andorra und die Färöer wurden 6:0 abgefertigt, Lettland 4:1.

Gegen die Magyaren fehlt nun jedoch Ronaldos Sturmpartner Nani wegen einer Oberschenkelverletzung. «Ich erwarte die Ungarn ähnlich wie beim 3:3 in Frankreich», sagte Santos. «Das wird ein harter Brocken.»

Im Wissen, in Lissabon um ihre letzte Chance für das WM-Ticket nach Russland zu kämpfen, sind die Osteuropäer zwecks optimaler Vorbereitung schon am letzten Montag nach Portugal gereist. «Wir wollen agieren und nicht reagieren und dazu unser tolles EM-Spiel gegen diesen Gegner bestätigen», meldet Trainer Bernd Storck. Dieser hatte alle Spieler, die in der heimischen Liga engagiert sind, sogar schon in der vorletzten Woche unter seinen Fittichen.

Zwar muss der deutsche Trainer auf den gesperrten Laszlo Kleinheisler verzichten, dafür steht ihm mit Vinicius von Videoton ein eingebürgerter Brasilianer als Debütant zur Verfügung. Storck sagt: «Das ist ein starker Innenverteidiger, der uns helfen kann.» Helfen, im zwölften Anlauf erstmals in Portugal zu gewinnen.