Telemark
Rücktrittsgedanken bei der Stanserin Beatrice Zimmermann – trotz positiver Saisonbilanz

Die Stanserin Beatrice Zimmermann holte an der Telemark-WM auf Melchsee-Frutt einen ganzen Medaillensatz. Ob die Karriere nun weitergehen soll, weiss die 30-Jährige noch nicht.

René Leupi
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Beatrice Zimmermann (30) feierte nur einige Kilometer von ihrem Wohnort entfernt den grössten Erfolg ihrer Karriere.

Beatrice Zimmermann (30) feierte nur einige Kilometer von ihrem Wohnort entfernt den grössten Erfolg ihrer Karriere.

Jean-Christophe Bott/Keystone

Vor dem letzten Rennen der Telemark-Weltmeisterschaften auf Melchsee-Frutt, dem Classic-Sprint, hatte sich Beatrice Zimmermann bereits den ganzen Medaillensatz gesichert. Bronze im Sprint, Silber im Parallel-Sprint und Gold im Teamwettbewerb. Ein kleiner Wermutstropfen haftete dem Erfolg dennoch an: Im Teamwettbewerb war sie neben der vierfachen Goldmedaillen-Gewinnerin Amélie Wenger-Reymond (33, Sion) als Ersatzfahrerin nominiert. «Als Ersatz ist man voll ins Team integriert, erhält auch die Medaille. Es ist aber nicht die gleiche Genugtuung, wie wenn man die Medaille persönlich herausgefahren hat.»

Die 30-jährige Stanserin zeigte sich aber nach der Besichtigung zuversichtlich, ihre dritte Einzelmedaille zu holen. «Gold wäre natürlich der krönende Abschluss dieser WM», so Zimmermann. Auch, weil sie die Königsdisziplin im Telemark eröffnen durfte. «Ich hoffe, die Nummer eins ist ein gutes Omen und ich kann meine Konkurrentinnen mit einer starken Zeit unter Druck setzen.»

Freude über echte WM-Atmosphäre

Doch bereits im Ziel spürte sie: Es war nicht die optimale Fahrt, die sie abgeliefert hatte. Dass es letztlich nicht auf das Podest reichte und sie sich mit Rang vier begnügen musste, entsprach nicht ihren Ansprüchen. Doch sie wusste, wo sie die Zeit liegen gelassen hatte. «Beim Skating und im Kreisel habe ich zu viel Zeit verloren. Und beim Sprung habe ich die geforderte Weite von 14 Metern nicht erreicht.»

Dennoch verlor Zimmermann den Humor nicht: «Ich liebe Schokolade, sehr sogar.» Aber eine «Schoggimedaille» sei halt nicht das, was sich eine Sport­lerin an einer WM wünscht. Die Nidwaldnerin zeigte sich dennoch zufrieden mit der Heim-WM. «Hätte mir vor der WM ­jemand zwei Medaillen an­geboten, ich hätte sofort unterschrieben. Im eigenen Land, einige Kilometer von deinem Wohnort entfernt, die grössten Erfolge in der bisherigen Karriere zu feiern, ist ein einmaliges Gefühl.» Die Weltcup-Gesamtdritte der abgelaufenen Saison wusste auch, an wen sie den Dank zu richten hatte: an die Organisatoren. «Was das OK innert drei Wochen auf die Beine gestellt hat, ist schlicht einmalig. Es herrschte echte WM-Atmosphäre, auch wenn keine Zuschauer vor Ort waren.» Weiter hätte die Präparation der Pisten keine Wünsche offengelassen. Aber auch die vielen positiven Reaktionen per Whatsapp, E-Mail oder persönlich, die sie erhalten habe, seien ein echter Aufsteller.

Die Saison ist abgeschlossen. Zeit, um Bilanz zu ziehen, Zeit auch für Beatrice Zimmermann, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. «Es war eine spezielle Saison, die Coronapandemie erforderte viel ­Flexibilität. Es war nicht immer einfach, den Fokus auf die Rennen zu richten und Bestleistungen abzuliefern.» Der fünfte Weltcup-Sieg im deutschen Oberjoch im Parallel-Sprint, ihrer Lieblingsdisziplin, und die sieben Podestplätze stimmen die Stanserin zufrieden mit der abgelaufenen Saison. Kommt hinzu, dass sie die einzige Athletin ist, die Amélie Wenger-Reymond in dieser Saison bezwingen konnte.

Zimmermann will sich mit Entscheidung Zeit lassen

Trotz dieser positiven Eindrücke ist sich Beatrice Zimmermann noch nicht im Klaren, ob sie ihre Karriere fortsetzen wird. «Die Zugehörigkeit zur Schweizer A-Nationalmannschaft in der nächsten Saison ist gesichert. Und dennoch muss ich mir überlegen, ob ich meine Karriere fortsetzen will.» Die Liebe zum Telemark die Bereitschaft, Leistung zu zeigen und sämtliche Ferien in den Sport zu investieren, das alles spricht für eine weitere Saison.

Doch Telemark bedeutet Verzicht und Kampf, auch ums finanzielle Überleben. Beatrice Zimmermann arbeitet zu 80 Prozent als Fitnessinstruktorin im Panthera Lady’s Gym in Stans und ist darauf angewiesen, dass ihr Arbeitgeber nicht stur an Arbeitszeiten festhält, sondern ihr weiterhin viel Flexibilität gewährt. Sie will sich mit der Entscheidung Zeit lassen, auch mit Sponsoren und dem Fanclub eine Bilanz ziehen und dann entscheiden. Eines jedoch hat Bestand, seit sie den Sport ausübt: Ihr Herz schlägt für den Telemark.