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Präsident des SSC Napoli liebt den grossen Auftritt

Seit 2004 präsidiert Aurelio De Laurentiis die SSC Napoli innovativ, selbstherrlich und mit einem Drang zur Selbstinszenierung. Heute (21.00, Letzigrund) trifft er mit seinem Club in der Europa League auf den FC Zürich.
Lukas Plaschy, Rom
Nimmt heute auf der Letzigrund-Tribüne Platz: Napoli-Präsident Aurelio De Laurentiis (Mitte). (Bild: Francesco Pecoraro/Getty (6. November 2018, Neapel))

Nimmt heute auf der Letzigrund-Tribüne Platz: Napoli-Präsident Aurelio De Laurentiis (Mitte). (Bild: Francesco Pecoraro/Getty (6. November 2018, Neapel))

Die TV-Kameras werden sich vor dem Sechzehntelfinal-Hinspiel der Europa League vor allem auf Neapels Startrainer und dreimaligen Champions-League-Sieger Carlo Ancelotti fokussieren. Die wirkliche Nummer eins bei den Süditalienern heisst jedoch Aurelio De Laurentiis. Der Clubboss hat sein Kommen kurzfristig angekündigt und wird heute Abend auf der Haupttribüne mit wachen Augen und seinem typischen spitzbübischen Lächeln das Spiel verfolgen.

Nach dem Ausscheiden in der Champions-League-Gruppenphase und den bereits 11 Punkten Rückstand in der Serie-A auf Juventus Turin erklärte De Laurentiis den Gewinn der Europa League zum neuen Saisonziel. Seit 2004 schwingt der 69-jährige gebürtige Römer in Neapel das Zepter. Aus Hollywood angereist, rettete De Laurentiis den ehemaligen Club von Diego Armando Maradona vor dem Konkurs.

Innerhalb von nur sechs Jahren gelang es dem zweifachen italienischen Meister wie Phönix aus der Asche von der drittklassigen Serie C wieder in die höchste Liga aufzusteigen. Seitdem gehört der stolze Traditionsverein wieder zu den besten Teams des Landes und spielt auch regelmässig im Europacup. 2012 gewann Napoli mit den Schweizern Blerim Dzemaili und Gökhan Inler den italienischen Cup sowie 2014 den italienischen Supercup.

200 Millionen Euro Privatvermögen

Nach den Abgängen der grossen Mäzen Berlusconi (Milan) oder Moratti (Inter) ist De Laurentiis der letzte verbliebene Patron alter Schule, welche einen Fussballclub als Familienunternehmen führt. Er tut dies oftmals selbstherrlich und mit dem typisch südländischen Drang nach Selbstinszenierung, aber auch mit viel Herzblut und Leidenschaft. Denn der Grossteil von Napolis Investitionen stammt aus De Laurentiis Privatvermögen. Dieses soll nach Schätzungen über 200 Millionen Euro betragen. Den Grossteil davon hat der mit einer Schweizerin verheiratete De Laurentiis als Filmproduzent verdient. Denn Filme liegen der ursprünglich aus Kampanien stammenden Familie quasi im Blut. Grossvater Dino verkaufte im neapolitanischen Torre Annunziata zuerst Teigwaren, bevor er in die Ewige Stadt aufbrach, um sein Glück als Schauspieler zu versuchen. Später gründet der «Nonno» eine eigene Filmproduktionsfirma, emigriert in die USA und gewann für Fellinis Drama «La Strada» einen Oscar. Dessen Sohn Luigi rief 1975 in Rom die Filmproduktions- und Filmverleih GmbH «Filmauro» ins Leben. Nach dem Tode Luigis übernahm Aurelio 1992 die operative Führung. Er produzierte unter anderem die in Italien um die Weihnachtszeit populären und deshalb «Cinepanettoni» genannten Spielfilmkomödien sowie diverse Projekte in Amerika.

Sohn Edoardo fungiert als Teammanager

Die «Filmauro» kontrolliert faktisch auch die «Società Sportiva Napoli», in welcher De Laurentiis Sohn Edoardo als Teammanager fungiert. Das Wirtschaftsmagazin Forbes listete den 1926 gegründeten Club in diesem Jahr mit einem Gesamtwert von insgesamt 471 Millionen Dollar erstmals unter den Top 20 der umsatzstärksten Vereine Europas auf.

Neben Titelgewinnen geht es De Laurentiis vor allem darum, die Marke Napoli global zu vermarkten. Am liebsten natürlich mit dem Patron im Mittelpunkt. Medienkonferenzen arten nicht selten zu einer «De Laurentiis-One-Man-Show» aus. Letztmals vor zehn Tagen, als eigentlich das nächste Sommertrainingslager der ersten Mannschaft hätte präsentiert werden sollen. Anstatt über die Vorzüge des Südtiroler Kurorts Dimaro zu referieren, holte «Il Presidente» zum Rundumschlag gegen die eigenen Tifosi aus: «Sie wollen zwar den Scudetto gewinnen, aber ins Stadion kommen sie nicht.»

Mit der Vespa auf und davon

Auch die Politik kriegte ihr Fett ab. Die italienischen Fankurven würden von der Mafia kontrolliert, während der Staat «seit 70 Jahren machtlos zuschaut».

Widerspruch duldet der Bartträger mit den immer perfekt nach hinten gegelten Haaren keinen. Legendär ist die Geschichte, wie De Laurentiis bei einem Treffen der Clubpräsidenten der Kragen platzte und er die Versammlung voreilig verliess. Draussen auf der Strasse stoppte er wutentbrannt einen jungen Vespa-Fahrer und fuhr mit diesem vor den Augen der verdutzen Journalisten (und ohne Helm) davon. Ähnliches ist heute Abend in Zürich eher nicht zu erwarten. De Laurentiis wird nun bei öffentlichen Auftritten stets von Bodyguards und Privatchauffeur begleitet.

Europa League. Sechzehntelfinals. Hinspiele: Fenerbahce Istanbul – Zenit St. Petersburg 1:0. – Heute, 18.55: Bate Borisow Arsenal. Galatasaray Istanbul – Benfica Lissabon. Lazio Rom – FC Sevilla. Olympiakos Piräus – Dynamo Kiew. Rennes – Betis Sevilla. Krasnodar – Leverkusen. Slavia Prag – Genk. Rapid Wien – Inter Mailand. – 21.00: FC Zürich – Napoli. Sporting Lissabon – Villarreal. Celtic Glasgow – Valencia. Schachtar Donezk – Eintracht Frankfurt. Malmö – Chelsea. FC Brügge – Salzburg. Viktoria Pilsen – Dinamo Zagreb. – Rückspiele: 20./21. Februar.

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