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PRÄSIDENT: «Die Fifa braucht keine Revolution»

Die Fifa-Delegierten bestätigen ihren Präsidenten Sepp Blatter im Amt. Selbst Demonstranten und eine Bombendrohung bringen die Fifa nicht durcheinander.
Fifa-Präsident Sepp Blatter ist gestern in Zürich für eine fünfte Amtszeit wiedergewählt worden. (Bild: EPA/Walter Bieri)

Fifa-Präsident Sepp Blatter ist gestern in Zürich für eine fünfte Amtszeit wiedergewählt worden. (Bild: EPA/Walter Bieri)

Andy Sager

Sepp Blatter wird die Fifa weiterhin als Präsident anführen. 133 der 209 stimmberechtigten Nationen wählten den 79-Jährigen für eine fünfte Amtszeit. Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien kam auf 73 Stimmen. Damit erreichte keiner die im ersten Wahlgang nötige Zweidrittelmehrheit. Da im zweiten Gang aber das einfache Mehr gereicht hätte, zog sich Hussein zurück. Blatter bleibt im Amt. Das Misstrauensvotum dürfte ihm egal sein.

Dem Sturm getrotzt

Hussein hatte noch mit einer Rede zu überzeugen versucht, die sich von Blatters Ansprache nicht deutlicher hätte unterscheiden können. Der Prinz versprach: «Wir können den Lärm vor unseren Türen nicht einfach ignorieren. Mit Ihrer Unterstützung können wir das Recht auf einen Neuanfang gewinnen.» Die Fifa habe dem Sturm der vergangenen Tage getrotzt, konterte Blatter. «Wir brauchen keine Revolution in der Fifa», meint Blatter, «wir brauchen eine Evolution.»

Tatsächlich ist die Amtszeit des Schweizers trotz Bestechungsskandalen und Verhaftungen im Vorfeld nicht zu Ende. Dass die Verbände ihren umstrittenen Chef weiterhin unterstützen, zeigt die Heile-Welt-Philosophie der Fifa, wie sie auch gestern zu spüren war. Palästina fordert den Gang vor die UNO. Vor dem Hallenstadion protestierten Dutzende Menschen für die Freiheit Palästinas. Deren Nationalverband hat im Vorfeld des Kongresses den Antrag gestellt, Israel zu suspendieren. Die Fifa weiss, dass sie viel bewegen kann. Aber eine Lösung des Israel-Palästina-Konflikts gelingt auch ihr nicht. Jibril al-Rajoub, Präsident des palästinensischen Fussballverbands, forderte zum dritten Mal eine Lösung für den Fussball. «Eine Suspendierung zu verlangen, fällt aber zu schwer.» Daher zog er seinen Antrag zurück und bat um ein Kontrollgremium. So brachte er die Sorgen der Weltpolitik in die Fifa ein. Der Palästinenser sieht aber, dass er hier nicht richtig liegt und verlangt einen Gang vor die UNO. Im Zentrum seines Anliegens stehen die Freizügigkeit der Spieler, Rassismus und die Frage nach Territorialansprüchen. Der israelische Präsident Ofer Eini war überrascht, bot aber Hand: «Ich denke, wir sitzen hier alle als Familie zusammen. Wir sollten den Fussball und die Politik nicht vermengen. Es darf nicht sein, dass wir uns an andere wenden. Alle Probleme der Fifa sind in ihr lösbar.» Die Schaffung des Gremiums wurde gutgeheissen. Blatter betonte aber, dass die Fifa «nicht über Territorien und derartige Probleme entscheiden» kann. Die Schwierigkeiten, die sich der Fifa stellen, «haben wir mit der Kommission aber gelöst».

Politische Weltkarte inspiriert Blatter

Diese Weltanschauung wird durch ein Anliegen Blatters verdeutlicht: die «Handshake for Peace»-Initiative. «Nur Fussball für eine bessere Welt reicht nicht», sagte der Walliser. «Aber es geht mit ganz einfachen Mitteln.» Durch das Händeschütteln aller Spieler vor und nach jedem Spiel soll eine friedliche Stimmung entstehen. «Ein Blick auf die politische Weltkarte offenbart, wie notwendig dieses Signal ist», sagte Blatter. «Eines Tages wird das auch der Kongress versuchen», sagte Blatter.

«Natürlich schwierig»

Die Fifa-Verantwortlichen waren wie die Tage zuvor auch gestern bemüht, die Sorgen der Aussenwelt nicht in die Fifa zu lassen. Blatter betonte mehrmals, dass «die Zeiten natürlich schwierig» seien. Während Filme von der Entwicklung von Jugend- und Frauenfussball gezeigt wurden, schienen die Verhaftungen von sieben Funktionären vom Mittwoch aber weit weg. «Ich appelliere an den Zusammenhalt», so Blatter. Dieser zeichnet die Fifa aus.

Selbst eine Bombendrohung, die gegen elf Uhr morgens bei der Stadtpolizei Zürich einging, konnte den Tagesablauf nicht aus der Bahn werfen. Mit nur zehn Minuten Verzögerung wurde der Kongress nach der Mittagspause fortgesetzt. «Jetzt kann ich wieder lächeln», so Blatter. Es wirkte ehrlich und doch deplaziert. Ein mulmiges Gefühl blieb; es passt zur aktuellen Situation der Fifa.

Bild: Grafik: Loris Succo

Bild: Grafik: Loris Succo

Bild: Grafik: Loris Succo

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