Profikarriere ade: Gianluca Amstutz aus Sachseln stellt seine Skier in den Keller

Der U21-Abfahrtsmeister des Jahres 2018 wird im Herbst ein Studium beginnen. Der Entscheid fiel ihm schwer.

Peter Gerber-Plech
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Gianluca Amstutz im Training der Lauberhorn-Abfahrt in Wengen.

Gianluca Amstutz im Training der Lauberhorn-Abfahrt in Wengen.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE (17. Januar 2019)

Sein Ziel war es, dereinst zu den besten Abfahrern der Welt zu gehören. Nun aber hat die Zukunft einen anderen Plan für Gianluca Amstutz bereit. Der 22-jährige Mann aus Sachseln hat am Mittwoch seine Laufbahn als Skirennfahrer beendet. «Ich habe lange gerungen, bis dieser Entschluss festgestanden hat. Und es war keine leichte Entscheidung», sagt Amstutz.

Den Entscheid fällte er schliesslich auch, weil der nächste, so wichtige Schritt auf der Karriereleiter auch in der vergangen Saison 2019/20 nicht gelingen wollte. Gianluca Amstutz war mit dem Ziel in den coronaverkürzten Winter gestartet, die Selektion für die Swiss-Ski-Kader zu schaffen. «Das hat nicht geklappt, leider. In den Trainings war ich zwar immer wieder mit den Kollegen aus dem Europacup auf Augenhöhe, im Rennen aber wollte es einfach nicht funktionieren.»

Bedingt durch eine Übermotivation sei er vielleicht jeweils zu verkrampft gewesen, mutmasst der 22-Jährige, der 2019/20 lediglich in der Abfahrt von Orcières (FRA) einen Europacup-Punkt hatte gewinnen können. Weil er, und selbst die Trainer die Ursache für die Blockade nicht wirklich gefunden haben, ist es für Gianluca Amstutz zusehends schwierig geworden. Der Obwaldner sagt:

«Wenn dir als Lichtblick ein kleiner Zwischenerfolg in einem Rennen fehlt, dann wird es mental brutal schwierig.»

Letztlich zu schwierig, um den körperlichen und mentalen Aufwand und auch das finanzielle Engagement ein weiteres Jahr eingehen zu wollen.

Immer wieder Schmerzen

Hinzu kommt, dass sich Amstutz im Frühjahr 2019 den Mittelfuss gebrochen hat und diese Verletzung bis heute nicht hat auskurieren können. «Ich hatte immer wieder Schmerzen und jetzt hat sich gezeigt, dass der Knochen nicht richtig zusammengewachsen ist. Die Ärzte werden in einer nächsten Operation ein Stück vom Schienbeinknochen entnehmen und damit das gebrochene Stück im Mittelfuss rekonstruieren.» Diese Verletzung, das betont Amstutz, sei nicht der Grund für das Ende der Laufbahn als Rennfahrer. Und jetzt? Die Fussverletzung hindert Amstutz daran, im Sommer in den Militärdienst einzurücken. Also kommt nun Plan C zum Tragen. «Ich werde im Herbst ein Studium beginnen», sagt er. Betriebswirtschaftslehre oder International Affairs an der Universität St.Gallen wird es werden. Und wenn der Fuss dann wieder okay ist, dann wird sich Amstutz wieder aufs Velo schwingen oder die Fussballschuhe schnüren. «Sicher werde ich Sport machen, vielleicht nicht mehr mit der gleichen Leidenschaft wie den Skisport. Aber ohne Sport werde ich vielleicht für mein Umfeld ungeniessbar», sagt er und lacht.

Bleiben werden ihm unter anderem die Erinnerungen an seine Fahrten auf den schwierigsten Strecken dieser Welt. Amstutz hat zum Beispiel im Weltcup-Training 2019 die Lauberhorn-Abfahrt gemeistert und sich mit den besten Abfahrern der Welt gemessen. Den Traum, einmal zu dieser Elite dazugehören zu dürfen, wird sich nicht mehr erfüllen.