PROGRAMM: Nidwaldner Jungtalent Carole Bissig: «Ich bin auf dem richtigen Weg»

Carole Bissig (20) rockt auf FIS-Ebene die Schweizer Slalomhänge. Morgen Donnerstag und am Freitag will die Nidwaldnerin auf Melchsee-Frutt auch im Europacup einen Schritt nach oben machen.

Roland Bucher
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Fühlt sich derzeit wohl zwischen den Slalomstangen: die 20-jährige Carole Bissig aus Wolfenschiessen. (Bild: PD (Thusis/Tschappina, 15. Februar 2015))

Fühlt sich derzeit wohl zwischen den Slalomstangen: die 20-jährige Carole Bissig aus Wolfenschiessen. (Bild: PD (Thusis/Tschappina, 15. Februar 2015))

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Carole Bissig landete letzte Woche zwei Exploit: Die junge Wolfenschiesserin realisiere in Adelboden gleich zwei Siege – beide in gut besetzten FIS-Slaloms. Die richtige Visitenkarte für ihre beiden Auftritte diese Woche auf Melchsee-Frutt. «Ja, ich bin gut in Form», sagt die 20-jährige Nidwaldnerin, «ich fühle mich im Moment zwischen den Slalomstangen äusserst wohl.»

Der Palmarès in dieser Saison spricht für das aufstrebende Talent aus Wolfenschiessen. Vor dem Doppelsieg im Berner Oberland gewann sie in überlegener Manier drei weitere Slaloms auf der Lenzerheide und auf der Diavolezza. Im Riesenslalom blieben die ganz starken Resultate in diesem Winter bisher zwar aus, aber das sei erklärbar: «Wir haben in dieser Sparte bisher weniger Trainingseinheiten absolviert als im Slalom, mir fehlt hier noch die nötige Sicherheit.»

Ausbildung abgebrochen, Sport hat Priorität

Im Slalom, ihrer Paradedisziplin, bestritt Bissig in dieser Saison in der Schweiz kein einziges FIS-Rennen, in welchem sie nicht auf das Podest gestiegen ist. «Das tut gut, ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich kann in den Rennen umsetzen, was ich mir im Training hart erarbeite. Das Gefühl zu bekommen, was es zwischen den Stangen zu tun gibt, um schneller zu sein und heikle Situationen vermeiden zu können.» Inzwischen ist sie dank guten Ergebnissen in den letzten zwei Monaten im Weltcup-Ranking der Slalomspezialistinnen unter die besten 80 vorgestossen: «Das ist ein grosser Schritt, darauf lässt sich aufbauen.»

Carole Bissig ist eine junge, selbstbewusste Frau, die sich entschieden hat, ihre Ausbildung als Metallbauschlosserin abzubrechen, um voll und mit allen Konsequenzen auf die Karte Skirennsport zu setzen. «Es war der richtige Entscheid», betont die passionierte Berggängerin, «und er ist auch deshalb vertretbar, weil ich bis 2018 wieder in die Lehre einsteigen kann.» Doch dieses Szenario hat sie nicht geplant: «Ich lebe für den Skirennsport, er bedeutet mir alles. Ich habe die Begabung für diesen Sport in die Wiege gelegt bekommen, dafür bin ich dankbar.»

Dass es dereinst ein Leben nach der Sportkarriere anzugehen und zu planen bedarf, darüber ist sie sich bestens bewusst. Zu viele Gedanken macht sie sich über diese Zukunft indes noch nicht, «das würde mich nur ablenken». Und Ablenkung kann Carole Bissig derzeit nicht gebrauchen. Sie plant den Weg nach oben, dorthin, wo jede Rennfahrerin hin will, die den Ehrgeiz und das sportliche Rüstzeug besitzt – in den Weltcup. «Ich nehme Schritt für Schritt und bin bereit, hart dafür zu arbeiten.»

Der Traum vom Blockhaus in der Wildnis

Im Hinterkopf ist allerdings ein Lebenstraum deponiert, den sie zusammen mit ihrem langjährigen Partner aus Wolfenschiessen verwirklichen möchte. «Wissen Sie», erklärt Carole Bissig spontan, «ich liebe die Natur über alles. Und ich habe schon früh eine künstlerische Ader in mir entdeckt. Die Kombination dieser Vorlieben wäre ein Aufenthalt in einem Blockhaus in der Wildnis.» Ein Ort, der ihr viel Zeit für die Verwirklichung ihrer künstlerischer Ideen bieten würde.

Vorerst sind bei Carole Bissig nicht schwungvolle Pinselstriche, sondern schnelle Schwünge gefragt. So auch morgen Donnerstag und am Freitag an den beiden Europacup-Slaloms auf Melchsee-Frutt. «Es ist mein primäres Ziel, mich definitiv im Europacup zu etablieren, vielleicht sogar auf das Podest steigen zu können», berichtet die Hobby-Inline-Skaterin, denn der Europacup sei das Sprungbrett für den Weltcup. «Eine Zielsetzung zu formulieren ist schwer, weil man vor den Rennen nie weiss, wie hochkarätig das Teilnehmerfeld ist. Aber ich möchte einmal in die Top 10 fahren.» Das wäre auch gut für die Selektionskriterien, welche für die Junioren-Weltmeisterschaften von Anfang März im schwedischen Are gelten: «Dort will ich dabei sein», sagt Carole Bissig. Und es wäre ein weiterer Schritt im steinigen Weg noch oben.

Donnerstag,1. Europacup-Slalom: 14.00 1. Lauf, 16.30 2. Lauf.

Freitag,2. Europacup-Slalom: 17.30 1. Lauf; 20.00 2. Lauf.

Piste: Cheselen auf Melchsee-Frutt.

Bekannteste Fahrerinnen: Leana Barmettler, Carole Bissig, Eliane Christen, Rahel Kopp, Jasmina Suter, Nadja Vogel, Simone Wild (alle Schweiz), Christina Geier (GER), Nastasia Noens (FRA), Julia Grünwald (AUT).

Skipass Europacup für 15 Franken: Donnerstag (ab 12.00) und Freitag (ab 16.00) inklusive Eintritt und Bratwurst.