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PROGRAMM SM IN LUZERN: 1000 Schweisstropfen für drei Minuten perfekte Harmonie

Üben und wiederholen. Rund 20 Stunden in der Woche trainiert die 17-jährige Valentina Biasca aus Meggen. Dieser Aufwand soll nun an den Schweizer Meisterschaften in Luzern Früchte tragen.
Theres Bühlmann
Valentina Biasca trainiert im Sportingpark Engelberg. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Dezember 2016))

Valentina Biasca trainiert im Sportingpark Engelberg. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Dezember 2016))

Vorwärtsgleiten, rückwärts, drehen, springen – was im Wettkampf beim Eiskunstlaufen leicht und beschwingt, elegant und harmonisch aussieht und die Zuschauer begeistert, ist der Lohn harter Arbeit. 1000 Mal geübt, kleine Schritte, um grosse Sprünge zu machen, 1000 Schweisstropfen für drei Minuten perfekte Harmonie. Eiskunstlaufen gehört nebst Kunstturnen und der rhythmischen Gymnastik zu den trainingsintensivsten Sportarten.

So gilt es, bereits von frühester Kindheit an auf dem Eis zu stehen, wie die 17-jährige Valentina Biasca aus Meggen, die sich seit 11 Jahren diesem Sport verschrieben hat und als einzige Zentralschweizerin an den Schweizer Meisterschaften vom 15. bis 17. Dezember in Luzern an den Start geht. Im Kindergarten begleitete sie einst eine Freundin zum Eiskunstlauf, damals wohnte die Familie noch in Samedan, «und ich war sofort fasziniert und begeistert» sagt sie rückblickend. Erblich vorbelastet ist sie eiskunstläuferisch nicht, was die Kufen anbelangt aber schon. Denn Vater Nicola, er stammt aus Bellinzona, frönte einst als Spieler beim HC Ambri-Piotta dem Eishockey. Bruder Attilio spielt beim EV Zug im Kader der Mini Top.

Um ihren Sport auf höchstem Niveau auszuüben, besuchte Valentina Biasca während dreier Jahre die Sportklasse in Kriens und reiste zum Eistraining nach Küssnacht und später nach Engelberg. «Ich konnte in Kriens viel profitieren, aber der Internatsbetrieb in der Sportmittelschule in Engelberg und die nahe gelegenen Trainingsmöglichkeiten kommen mir besser entgegen», erklärt sie den diesjährigen Wechsel in den Kanton Obwalden. In Engelberg gehört sie übrigens zu den Exotinnen, denn nur zwei Schülerinnen betreiben Eiskunstlauf, wobei Valentina Biasca die einzige «Interne» ist. «Aber», sagt sie, «ich fühle mich gut aufgehoben, ich werde von den Lehrpersonen tatkräftig unterstützt.»

Hohes Pensum an Trainingsstunden

Morgens auf dem Eis, mittags auf dem Eis, nachmittags auf dem Eis, dazu Kondition und Koordination – rund 20 Stunden Training in der Woche sind ein gerütteltes Mass an Arbeit, und am Abend rufen die Hausaufgaben. Das intensive Training ist von Nöten, denn bis ein Dreifachsprung so weit fortgeschritten ist, dass er im Wettkampf gezeigt werden kann, vergehen schon mal drei bis vier Jahre. In ihrem Repertoire figurieren der Dreifach-Salchow und der Dreifach-Toeloop, «und am dreifachen Rittberger übe ich noch».

Trotz unzähliger Wiederholungen, Stürzen und blauen Flecken, zu viel wird es ihr nie, «denn Eiskunstlaufen ist meine Leidenschaft, ein Teil meines Lebens». Nicht einmal Verletzungen, und von diesen wurde sie häufig heimgesucht, wobei es meistens das Sprunggelenk an den Füssen betraf, vermögen sie in ihrer Euphorie für ihre Sportart zu bremsen. Gross war denn auch die Freude, als sie im letzten Jahr den Goldtest bestand, so etwas wie das Eintrittsticket, um an den Schweizer Meisterschaften der Elite teilzunehmen. Auch dank professioneller medizinischer Betreuung kann sie sich optimal auf diese SM vorbereiten.

Ihr Programm für die Schweizer Meisterschaften nahm seit dem letzten Sommer Konturen an. Sie reiste zu einem dreiwöchigen Trainingslager nach Obersdorf (GER) zu Frank Dehne, einem ehemaligen Eistänzer, der für die Choreografie zuständig ist. Bei Trainerin Gabrielle Gisler wird alles umgesetzt, an jedem Detail geschraubt und gefeilt. Über ihre Trainerin findet Valentina Biasca lobende Worte: «Sie ist streng, aber super, zeigt immer viel Verständnis und findet bei Niederlagen aufmunternde Worte.» Auch deren Ehemann René Gisler gehört zum Staff, er ist zuständig für das Off-Ice-Training, also für die Kondition und Koordination.

Ein bisschen Glitzer darf es auch noch sein

Die Musikauswahl für Kurzprogramm und Kür suchte sie zusammen mit Gabrielle Gisler aus, «denn sie verfügt über einen guten Musikgeschmack». Zu «Don’t Cry For Me Argentina» aus dem Musical «Evita» wird sie am Freitag das dreiminütige Kurzprogramm laufen. «Nein», sagt sie, «zu Argentinien habe ich keine spezielle Beziehung, mir gefällt einfach die Musik sehr gut.» Bei ihrer Kür, welche über vier Minuten dauert, ist dann «Vole» von Céline Dion angesagt. Die beiden Eislaufdresses sind made in Italy, angefertigt von einer Schneiderin in Mailand, farblich passend zur Musik. Weinrot für das Kurzprogramm, dunkelblau für die Kür – und ein bisschen Glitzer darf es denn auch noch sein.

Nichts wird also dem Zufall überlassen, um ihr Ziel für die SM in Luzern zu erreichen: ein Rang unter den Top 15, das wäre gegenüber der letztjährigen Austragung, wo sie in Lausanne Platz 16 belegte, eine Verbesserung. «Besonders nervös bin ich vor dieser Heim-Meisterschaft nicht», sagt sie, «ein wenig angespannt, aber das muss so sein.» Support erhält sie am Wochenende nicht nur von Freunden und Kolleginnen, auch ihre Familie wird die Daumen drücken. «Ohne deren Unterstützung könnte ich diesen Sport nicht ausüben, und dafür bin ich dankbar», sagt sie. Mutter Gabriela, «ich bin die Unsportlichste in der Familie», übernimmt wohl den grössten Part, versieht nicht nur Fahrdienste, sondern betätigt sich auch als Coiffeuse, indem sie dafür sorgt, dass die Flechtfrisur jeweils am Wettkampftag sitzt.

Ein Ritual kennt Valentina Biasca nicht, sie trägt aber zwei kleine Schmuckstücke um den Hals: einen Schlittschuhläufer und einen chinesischen Schriftzug in Form eines Anhängers.

Mögen ihr beide in Luzern Glück bringen.

Programm SM in Luzern

Donnerstag
12.00–14.55: Training. – 16.00: Auslosung Kurzprogramm auf dem Schiffrestaurant Wilhelm Tell.

Freitag
13.00: Kurztanz Eistanz. – 14.00: Kurzprogramm Paare. – 14.20: Kurzprogramm Männer. – 15.00: Kurzprogramm Frauen.

Samstag
13.00: Kür Eistanz. – 14.00: Kür Paare. – 14.20: Kür Männer. – 15.10: Kür Frauen.

Ort
Regionales Eiszentrum Luzern. Der Eintritt ist gratis.

Detaillierter Zeitplan unter: www.swissiceskating.ch

Theres Bühlmann
theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Valentina Biasca

  • Geburtstag: 9. August 1999
  • Wohnort: Meggen
  • Verein: ISC Engelberg
  • Grösse: 1,67 Meter
  • Gewicht: 61 Kilogramm
  • Ausbildung: Schülerin an der Sportmittelschule Engelberg
  • Kader: Regionalkader Elite Zentralschweiz
  • Trainerin: Gabrielle Gisler
  • Erfolge: 2015: Goldtest. – 2016: 16. Rang Elite-SM in Lausanne; 2. Rang Colin-Cup in Zug; mehrere Podestplätze beim Swiss-Cup
  • Vorbild: Gracie Gold
  • Hobbys: Sport allgemein

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