Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Glosse

Danke Fifa, Merci Sepp: Warum sich die Schweizer Nati gar nicht für die WM 2022 in Qatar qualifizieren sollte

Der nächste WM-Final wird am 18. Dezember 2022 ausgetragen. Die nächste «richtige» Weltmeisterschaft findet dann 2026 statt.
Christof Krapf
Ein Tor im Wüstensand vor der Skyline von Doha, der Hauptstadt des Emirats Qatar. (Bild: Keystone)

Ein Tor im Wüstensand vor der Skyline von Doha, der Hauptstadt des Emirats Qatar. (Bild: Keystone)

In sechs Tagen ist Heiligabend. Das interessiert aber niemanden, denn heute steht der WM-Final an: Nicht im Eishockey, sondern im Fussball. In vier Jahren ist das Realität. Der Final der WM in Qatar findet am 18. Dezember statt - für eine WM im Sommer ist es im Emirat zu heiss. Darum ist das Eröffnungsspiel auf den 21. November 2022 terminiert.

Dem Fan graut es bei der Vorstellung einer Winter-WM. Kein Public Viewing unter freiem Himmel, keine lauen Sommernächte voller Siegestrunkenheit, Fondue und Raclette statt Bratwurst vom Grill, Glühwein statt kühles Bier. Und am Autokorso dürfen nur jene mitfahren, die Winterreifen und Schneeketten aufgezogen haben. Für hupende Siegesfahrten ist es aber sowieso zu kalt. Wer will bei winterlichen Temperaturen schon einen Fahne aus dem offenen Autofenster halten und jubeln?

Völkerverständigung à la Fifa

An die Fans hat die Fifa bei der Vergabe der WM nicht gedacht. Muss sie auch nicht; der Weltfussballverband verfolgt weit edlere Ziele, als uns einen schönen Sommer zu bescheren:

«Die WM in dieser Region auszutragen ist damit auch ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung, ganz im Sinne des Fifa-Slogans: For the Game, for the World.»

Das stand bei der Vergabe auf der Fifa-Webseite. Uns kommen die Tränen der Rührung bei so viel guten Absichten. Sepp Blatter, ein wahrer Menschenfreund.

Die Handballer machten es vor

Bei den miserablen Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter auf den WM-Baustellen, den Strafen für homosexuelle Handlungen oder der mutmasslichen Unterstützung von terroristischen Vereinigungen durch Qatar schaut die Fifa dann aber lieber weg. Das wäre auch zu viel verlangt; schliesslich sorgt der Fussballverband schon für die Völkerverständigung. Die Russen verstehen wir nach dieser WM auch viel besser, oder?

Qatar hat keinerlei Fussballtradition. Macht nichts; schliesslich hat sich nebst dem Emirat mit England nur das Mutterland des Fussballs ebenfalls für die Austragung der WM 2022 beworben.

Fehlende Tradition ist also kein Hindernis. Das haben die katarischen Handballer 2015 an der WM im eigenen Land vorgemacht. Sie erreichten den Final und schalteten auf dem Weg dorthin Deutschland - (auch) im Handball eine Grossmacht - aus. Für Qatar spielten allerdings eingebürgerte Söldner aus aller Herren Länder. Erfolg ist käuflich; vielleicht auch an der Fussball-WM 2022.

Der «gmerkige» Sepp Blatter

Ex-Fifa-Präsident Blatter hat immerhin selbst gemerkt, dass eine WM in Qatar keine so tolle Idee war. Er bezeichnete die Vergabe im Mai 2014 als «Fehler». Schlau war er ja schon immer, unser Sepp.

Zu einer Neuausschreibung ist es trotzdem nicht gekommen. Getreu dem englischen Sprichwort: «You've made your bed, now lie in it.» Im übertragenen Sinne heisst das:

«Die Entscheidung ist getroffen, nun müssen wir mit den Konsequenzen leben.»

Angesichts der Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe dürften diese Konsequenzen den Fifa-Funktionären immerhin den einen oder anderen Dollar in die Tasche gespült haben.

Etwas anderes, als mit den Konsequenzen zu leben, bleibt auch dem Fan nicht übrig. Im Gegensatz zu den Funktionären tut der gemeine Anhänger das aber gratis. Man wünscht sich nicht nur deshalb, dass die Schweiz die Qualifikation für 2022 verpasst - dann könnten wir die WM wenigstens ignorieren.

Fans sollten also den Final der laufenden WM geniessen. Die nächste richtige Weltmeisterschaft findet erst 2026 statt: In den USA, Kanada und Mexiko. Danke Fifa, merci Sepp.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.