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RAD: 1500 Kilometer lang volle Konzentration in der amerikanischen Hitze

Walter Lustenberger aus Malters gewann kürzlich in der Kategorie 60–64 Jahre in den USA eines der härtesten Langstreckenrennen der Welt. Dabei kam dem 64-Jährigen auch sein Beruf als Drogist zugute.
Daniel Gerber
Der 64-jährige Walter Lustenberger aus Malters Mitte Juni 2017 bei seiner Fahrt durch die Wüste von Arizona. (Bild: PD)

Der 64-jährige Walter Lustenberger aus Malters Mitte Juni 2017 bei seiner Fahrt durch die Wüste von Arizona. (Bild: PD)

Daniel Gerber

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Über drei Tage mörderische Hitze erwartete die Teilnehmer des 1500 km langen Race Across The West in den USA, das von Oceanside im kalifornischen San Diego nach Durango in Colorado führt. Zu den Startenden gehörte auch der pensionierte Drogist Walter Lustenberger. Die Härte und Ausdauer für dieses Abenteuer holte sich der 64-Jährige aus Malters zweimal beim Rennen Paris–Brest (1230 km) und der Tortour Switzerland.

Die Temperaturen zeigten sich wenig gnädig mit den Fahrern. «In der Nacht waren Handschuhe, Mütze und Ohrenwärmer erforderlich. Am Tag stieg das Thermometer gegen 50 Grad Celsius. Zudem war die Luft sehr trocken.» 53 Prozent der Gestarteten erreichten das Ziel nicht. «Für mich und meine Crew war es ein einmaliges Erlebnis. In der Nacht fuhren meine Begleiter mit dem Fahrzeug hinter mir und bildeten so ein Schutzschild, damit ich nicht von andern Autos angefahren werden konnte.» Bei der 3 Tage, 13 Stunden und 23 Minuten dauernden Fahrt musste Lustenberger insgesamt mit fünf Stunden Schlaf auskommen.

Nicht zu schnell fahren, um schneller zu sein

Dennoch: «Viel Zeit zum Studieren blieb nicht, ich musste immer konzentriert sein. Man begegnet andern Fahrern und Begleitfahrzeugen, ist auf dem GPS mit dem Studium der Strecke beschäftigt und konzentriert sich permanent auf den eigenen Körper.» Zudem galt das Augenmerk auch immer der einzigartigen Landschaft, wie beispielsweise den roten Felsen in Colorado, welche die Hitze speichern und wieder abstrahlen – oder der atemberaubenden Fauna im Indian Valley.

Um das Ziel zu erreichen, sei es wichtig gewesen, nicht ein zu hohes Tempo anzuschlagen. «Man muss so schnell fahren, dass der Puls nicht allzu hoch ist.» Zu viel Ehrgeiz oder ein zu schnelles Einsteigen ins Rennen hätte dazu führen können, das Ziel nie zu erreichen. Denn auf der 1500 km langen Strecke, die tief in die Wüste hineinführt, waren auch 17000 Höhenmeter zu bewältigen. Die Vorbereitung für dieses Abenteuer begann Walter Lustenberger schon 2006, als er in den USA eine geführte Tour in 27 Tagen von der West- an die Ostküste zurücklegte.

Die 5000 km hatte er auch dazu benutzt, um die Landschaft und die Wettergegebenheiten zu erkunden. «Mein Ziel damals war, dieses Rennen 2012 zu bestreiten. Wegen eines Todesfalls in der Familie musste ich dieses Vorhaben zurückstellen.» In der Folge habe er dieses Rennen jedoch aus den Gedanken verdrängt – bis ins Jahr 2015. «Dann spürte ich, dass ich dieses Rennen fahren will. Auch, um den Todesfall verarbeiten zu können.»

Sein Beruf als Drogist erwies sich als grosser Vorteil. Lustenberger wusste, was sein Körper auf der 1500 km langen Tortur brauchte. «Ich verzichtete bewusst auf isotonische Getränke und Teigwaren, ernährte mich ausschliesslich mit einer Maltose-Flüssignahrung, die auf meinen Körper abgestimmt war, und Wasser. Der Körper hatte damit alles, was er brauchte, er wurde nicht zusätzlich durch die Verdauung belastet. Zudem konnte ich mir die Zeit für Toilettengänge sparen.» Wichtig sei auch gewesen, dass die Crew eng mit diesen Gegebenheiten vertraut war.

«Rennen war auch ein Verarbeitungsprozess»

Das Race Across The West, eines der anspruchsvollsten Langstreckenrennen der Welt, ist geschafft. Folgt nun der Start am Race Across America (RAAM), über 5000 km, dem härtesten Rennen überhaupt? «Der gesunde Menschenverstand sagt Nein», moniert Walter Lustenberger, «für mich war dieses Rennen auch ein Verarbeitungsprozess für den Todesfall. Ich habe nur ein Herz. Beim RAAM wäre dieses 5000 km lang ständig hoher Belastung ausgesetzt. Man muss auch an die Gesundheit nach dem Rennen denken.»

Lustenberger finanzierte seinen Start ohne Sponsoren. «So hatte ich keinen Druck und hätte niemandem Rechenschaft ablegen müssen, wenn ich das Rennen aufgegeben hätte.»

Der Malterser erreichte das Ziel in Durango in Colorado als Sieger. Zum einen, weil er das Rennen bestens eingeteilt und ohne nennenswerte Zwischenfälle gemeistert hatte. Zum andern, weil er Schnellster in der Alterskategorie 60–69 war. Schneller gar, als alle Teilnehmer der Kategorie 50–59 Jahre.

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