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RAD: Der Reiz, immer noch schneller zu fahren

Mit dem Rennen Mailand–Sanremo geht die Saison heute (14.00, Euro) richtig los. Die Schweizer Hoffnungen ruhen auf Fabian Cancellara (33), der allerdings von der vorzüglichen Form seiner Konkurrenten «schockiert» ist.
Stefan Klinger
Fabian Cancellaras Antrieb: das Gefühl, zu leiden – und dann belohnt zu werden. (Bild: Freshfocus/Tim de Waele)

Fabian Cancellaras Antrieb: das Gefühl, zu leiden – und dann belohnt zu werden. (Bild: Freshfocus/Tim de Waele)

Seit über 13 Jahren fährt Fabian Cancellara Profirennen. Man sollte meinen, der Routinier habe in dieser langen Zeit schon alles erlebt, was die Radsportszene zu bieten hat. Doch dann startete der Berner Anfang Februar fernab der Heimat mit ein paar nicht ganz so bedeutenden Rennen in die Saison 2014 – und das bescherte ihm eine überraschende Erkenntnis: wie fit das Gros des Pelotons zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison schon ist. «Früher fuhren sich die Profis mit den ersten Rennen in Form. Dieses Jahr waren aber viele bereits beim ersten Rennen in Topform», sagt Cancellara und führt das auf den milden Winter in Europa zurück. Weil der die eine oder andere Trainingsfahrt mehr zugelassen hat. Und weil dabei die Überwindung, ein paar Kilometer an das Mindestmass dranzuhängen, nicht so gross gewesen sei wie auch schon, seien viele Fahrer besser in Form als 2013. «Mailand–Sanremo ist deshalb grundsätzlich stärker besetzt als vor einem Jahr», sagt Cancellara, der bei der Katar-Rundfahrt «schockiert» gewesen sei über die vorzügliche Form seiner Konkurrenten.

Streckenänderung nach Erdrutsch

Seine Chancen auf den zweiten Sieg nach 2008 beim ersten wichtigen Rennen der Saison sind dadurch ein wenig geringer. Noch geringer. Denn seitdem die Organisatoren im Februar eine in der Schlussphase geplante selektive Steigung wegen eines Erdrutsches streichen mussten, sind ohnehin die Sprint-Spezialisten auf der nun zu wenig selektiven Strecke im Vorteil. Doch all das stört den Routinier keineswegs. Denn die für ihn wichtigsten Rennen im ersten Teil der Saison stehen erst ab dem kommenden Wochenende an, wenn es zu den Frühjahrsklassikern nach Belgien geht. Die Flandern-Rundfahrt zum Beispiel. Oder Paris–Roubaix, um nur mal zwei zu nennen. Zwei Rennen, die er schon mehrfach gewonnen hat – letztes Jahr sogar beide im gleichen Jahr.

Doch genau deshalb drängt sich auch eine grundsätzliche Frage auf: Was treibt Fabian Cancellara überhaupt noch an, sich Tag für Tag für den Erfolg zu schinden? Immerhin ist er am Dienstag 33 Jahre alt geworden, inzwischen Vater einer siebenjährigen sowie einer einjährigen Tochter und frei von finanziellen Sorgen. Immerhin hat er schon nahezu alle bedeutenden Rennen gewonnen. Im Zeitfahren ist er Olympiasieger und vierfacher Weltmeister. An der Tour de France gewann er mehrere Etappen und trug 28 Tage das gelbe Trikot. Und auch bei Eintagesklassikern feierte er viele bedeutende Erfolge.

Sturz von 2012 verändert ihn

Die Emotionen seien es einerseits. Es sind die Stimmung und das Ambiente, die den belgischen Rennen für Cancellara einen besonderen Reiz verleihen. Dort, wo er ein noch grösserer Star ist als in der Schweiz. Wo seine Biografie auf Flämisch ebenso oft wie in der Schweiz auf Deutsch verkauft wurde. Wo es schon einen Fanclub gab, Jahre bevor einer in der Schweiz entstand. Und wo Hunderttausende am Strassenrand stehen. Es ist das Gefühl, sich im Rennen zu schinden, zu leiden – und dann schliesslich dafür belohnt zu werden. Und dann ist da die Herausforderung, alles noch ein bisschen mehr auszureizen, noch schneller unterwegs zu sein. «Ich höre das teilweise auch bei erfolgreichen Berufsleuten. Die haben alles: Haus, Karriere, Familie. Aber irgendwo fehlt die Challenge, die musst du dir erarbeiten», sagt Cancellara und zieht einen Vergleich: «Du musst den Berg erklimmen, und das gibt einem viel zurück: den Kampf mit sich selber, seine Grenzen zu spüren, das Glücksgefühl auf der Passhöhe.»

Und trotzdem hat sich seine Einstellung in den letzten knapp zwei Jahren verändert und die Prioritäten sich ein wenig verschoben. Da war zum einen der schwere Sturz im Frühling 2012, bei dem er sich einen vierfachen Schlüsselbeinbruch zuzog. Seither bremse er manchmal einmal mehr und sei ein kleines bisschen vorsichtiger geworden, «aber das ist vielleicht auch das Alter».

Vaterrolle bestimmt den Zeitplan

Und da war die Einschulung seiner Tochter Giuliana letzten Sommer, seitdem seine Familie nicht mehr so einfach mit zu den Rennen oder ins Trainingslager kann. «Für sie war das ein grosser Wechsel, und es ist uns als Eltern ein Anliegen, sie bei diesem Schritt möglichst gut zu begleiten», sagt Cancellara, «ich habe deshalb die Saisonvorbereitung so geplant, dass ich mehr zu Hause sein kann als in anderen Jahren. Früher hätte ich zum Beispiel zwischen den Renneinsätzen im Februar im Oman und jetzt in Italien noch eine Woche in Mallorca trainiert. Diesmal bin ich daheim geblieben.»

Seiner Form habe das nicht wirklich geschadet. Cancellara fühlt sich bereit, um auch in diesem Jahr wieder bei den Frühjahrsklassikern als Erster die Ziellinie zu überqueren. Der Zusammenstoss mit einem Auto im Januar, bei dem er sich glücklicherweise lediglich leicht verletzte und nur ein paar Tage aussetzen musste, soll ebenso wie die Grippe, die ihn beim Formaufbau zur Pause zwang, keine Rolle mehr spielen.

Wie es danach für ihn weitergeht, ist noch ungewiss. Ob er tatsächlich versucht, den Stundenweltrekord zu knacken, ist offen. «Der Kopf muss dafür bereit sein, und das ist er im Moment nicht. In den letzten Wochen ist das Rekordprojekt für mich eher fremder geworden als aktueller», sagt er, «der Rekord wäre für mich aber eine neue Challenge.» Und Fabian Cancellara liebt neue Herausforderungen.

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