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RAD: Der Sieger pedalt gegen die Zweifel

Hat Chris Froome seinen zweiten Gesamtsieg an der Tour de France nur dank Doping geholt? Nein, glaubt ein ehemaliger Jäger des überführten Dopingsünders Lance Armstrong. Eine Analyse.
Der zweite Gesamtsieg für Chris Froome an der Tour de France und der dritte für das Team Sky in den letzten sechs Jahren: Wenn das kein Grund ist, darauf auf der letzten Etappe anzustossen. (Bild: Getty / Bryn Lennon)

Der zweite Gesamtsieg für Chris Froome an der Tour de France und der dritte für das Team Sky in den letzten sechs Jahren: Wenn das kein Grund ist, darauf auf der letzten Etappe anzustossen. (Bild: Getty / Bryn Lennon)

Tom Mustroph

Chris Froome schreibt Geschichte. In einem der spannendsten Duelle, die die Tour de France seit Jahrzehnten erlebte, kam der Brite zu seinem zweiten Toursieg. Er sticht damit auch seinen Landsmann, Ex-Captain und späteren Rivalen Bradley Wiggins aus. Der gewann die Tour nur einmal. Und nach den mentalen und physischen Strapazen des Jahres 2012 schien die Lust von Sir Bradley auf eine weitere grosse Schleife auch sehr gebremst.

Froome indes liess sich nicht aufhalten. Weder von Rivalen noch von Strapazen, noch von Zweifeln an der Sauberkeit seiner Leistung. Er bescherte auch dem Rennstall Sky einen bemerkenswerten Erfolg. Zum dritten Mal bereits in nur sechs Jahren stellte er den Toursieger. Zum Vergleich: Der deutsche Rennstall Telekom holte in den 17 Jahren seiner Existenz trotz eines Jahrhunderttalents wie Jan Ullrich nur zweimal den Toursieg.

Das Team Sky feiert ihren Leader in Gelb, Chris Froome, hier bei der Zieleinfahrt. (Bild: Epa / Yoan Valat)
Gesamtleader Chris Froome stösst mit seinem Teamchef im Auto auf den Toursieg an. (Bild: Epa / Sebastien Nogier)
Der Deutsche André Greipel gewinnt die letzte Etappe in Paris. (Bild: Epa / Yoan Valat)
Zielfilm der letzten Etappe: André Greipel / Deutschland siegt vor Bryan Coquard / Frankreich und dem Norweger Alexander Kristoff (Bild: AP / Matsport)
Chris Froome wird nach der Etappe im Ziel von Journalisten belagert. (Bild: Epa / Yoan Valat)
Chris Froome, Sieger Tour de France 2015 und Sieger des Bergpreises. (Bild: Epa / Kim Ludbrock)
Nairo Quintana, Sieger bester Jungfahrer. (Bild: AP / Laurent Cipriani)
Peter Sagan, bester Springer 2015. (Bild: AP / Laurent Cipriani)
Die Sehenswürdigkeiten in Paris dürfen auf der letzten Etappe nicht fehlen: Louvre (Bild: Thibault Camus)
Place de la Concorde (Bild: AP / Christophe Ena)
Arc de Triomphe (Bild: AP / Christophe Ena)
Arc de Triomphe (Bild: AP / Laurent Cipriani)
Eiffelturm (Bild: Epa / Etienne Laurent)
Champs-Elysees (Bild: Epa / Sebastien Nogier)
Auch durch mehrere Tunnels führt die 109,5 Kilometer lange Schlussetappe. (Bild: AP / Christophe Ena)
Ein Teil der Etappe wird auf Pavés gefahren. (Bild: AP / Laurent Cipriani)
Tausende am Strassenrand in Erwartung des Tour-Tross. Auf dem Bild: Fans des Kolumbiers Nairo Quintana (Bild: AP / Laurent Rebours)
Tour-Direktor Christian Prudhomme gibt den Start zur 21. und letzten Etappe frei. (Bild: AP / Laurent Cipriani)
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Die finale Etappe in Paris

Vorteil bei der Erholung

In der anglofonen Welt begründet man den Erfolg von Sky gern mit den Vokabeln Präzision und Innovation. «Die anderen betreiben alle Velosport alter Schule. Astana wird von Winokurow geführt, einem Ex-Rennfahrer, der von Trainingsmethodik und auch von Personalführung nicht viel versteht. Auch Movistar ist alte Schule. Und bei Tinkoff glaubt der Rennstall-Eigner, alles selbst machen zu können. Sky hingegen geht wissenschaftlich vor», meint der Journalist David Walsh zu unserer Zeitung. Der einstige Armstrong-Jäger hat sogar einen ganz pikanten Vergleich parat. «Bei Lance Armstrong war es ähnlich. Da haben vermutlich alle gedopt, auch die Rivalen. Aber über das Doping hinaus hatte Armstrong eben auch den Perfektionsanspruch, den die Rennställe alter Schule nicht hatten», sagt Walsh. Wichtiger Unterschied für ihn: Team Sky traut er eher kein Doping zu; Walsh sieht die Überlegenheit des Teams in dessen wissenschaftlicher Herangehensweise begründet.

Die stösst zuweilen auf Gelächter. Über das Mobile Home, das Sky-Chef Dave Brailsford für Froome zum besseren Erholen nach den Etappen organisierte, regten sich andere Teamchefs wie der Franzose Marc Madiot (FDJ) gehörig auf, allein schon, weil es den Parkplatz vor dem Hotel und auch die Stellfläche am Start blockiert. «Mobile Home go home», lautete Madiots wichtigster Redebeitrag bei dieser Tour de France. Die UCI verbot im Sinne gleicher Bedingungen für alle Teams die Extra-Unterbringung. Bei einem dreiwöchigen Rennen könnte sich tatsächlich ein Erholungsvorteil einstellen.

Die wichtigste Innovation von Sky

Skys wichtigste Innovation waren das Fahren und Trainieren nach Wattzahlen. Der frühere Schwimmtrainer Tim Kerrison brachte dies ein. Laut Londoner «Guardian» operiert er mit zwei Typen von Wattkurven: den Leistungskurven, mit denen in der Vergangenheit eine Tour gewonnen wurde, und den Leistungskurven, die die Fahrer des Rennstalls haben. Beide Kurven einander so nah wie möglich zu bringen, ist dann die Trainingsaufgabe. Weil Sky befürchtet, dass Konkurrenten aus der Kenntnis dieser Daten ihr Trainingsprogramm und ihre Wettkampftaktik entwickeln, sind die Briten auch so zögerlich mit der Herausgabe der Leistungsdaten von Froome. Stimmt allerdings David Walshs Beobachtung von dem «Wissenschafts-Gap» zwischen Sky und dem Rest der Velowelt, wäre gar nichts zu befürchten. Wie viel Doping in der Angleichung der Kurven steckt ob überhaupt Doping –, wird lange Gegenstand von Spekulationen und Untersuchungen sein.

Quintana vom Jäger zum Gejagten?

Revolutioniert hat Sky den Velosport auf jeden Fall. Chris Froome durfte sich im Laufe dieser Tour aber darüber freuen, dass ihn die Gegenwehr Nairo Quintanas vom Ruf befreite, nur ein roboterartiger Wattfahrer zu sein. Wie er am Samstag eigenhändig Quintana am Croix de Fer einholte, war von Instinkt und Rennintelligenz geleitet und zugleich mit grosser Klasse ausgeführt. Froome wackelte. Er wankte sogar in L’Alpe d’Huez. Er wirkte dadurch menschlicher. Vielleicht wird ihm dies die Sympathie bescheren, die er bislang trotz toller Leistung, trotz besonderer Geschichte mit dem Aufwachsen in Afrika und trotz ausgesucht höflicher Manieren nur in geringem Masse erfuhr.

Für die Zukunft schält sich eine interessante Konstellation heraus. Mit Froome, der laut «Matchplan» seinen grossen Angriff in La Pierre-Saint-Martin setzte, gibt es den «König der Pyrenäen». Quintana hat sich mit seinen Leistungen in den Alpen sowohl 2013 als auch jetzt als «Alpen-Tribun» erwiesen. Weil beide Male die Alpen nach den Pyrenäen kamen, fiel dem Kolumbianer die Rolle des Jägers zu. Froome aber war der Besitzstandswahrer, der taktische Erbe Armstrongs. Wenn bei der nächsten Tour die Höhen in umgekehrter Richtung erklommen werden, vertauschen sich womöglich die Rollen. Quintana legt vor, und Froome muss kontern.

Abkehr vom Velo-Catenaccio

Das verspricht Spannung für die nächsten Jahre. Und eine Abkehr vom unseligen Velo-Catenaccio der letzten 20 Jahre: Am ersten Berg den Coup landen und dann acht Mann zur Verteidigung an die Tempo-Front schicken. Das wäre eine echte Revolution, umwälzender noch als die Technologiewende a la Sky.

Frank schafft es erstmals überhaupt bis nach Paris

Gesamtwertung Si. An der Tour de France in die Top Ten fahren – diesem Ziel ordnete Mathias Frank dieses Jahr alles unter. Und der 28-jährige Luzerner hat es geschafft, er erreichte die Champs-Elysées gestern als Achter der Gesamtwertung.
Auf dem Weg zur Alpe d’Huez stoppten Frank auch zwei Defekte und ein Sturz nicht mehr. Der Innerschweizer verlor zwar auf dem zweitletzten Teilstück am Samstag noch einen Platz in der Gesamtwertung, die erste Enttäuschung darüber hatte spätestens auf dem Pariser Prachtboulevard in Freude und Genugtuung umgeschlagen.
«Ich hätte die Beine gehabt, um diesen 7. Rang halten zu können», sagte Frank auf der Alpe d’Huez. «Doch mit zwei mechanischen Problemen und dem Sturz wurde dies zur ‹mission impossible›.» Frank hatte erst einen Reifendefekt zu beklagen und danach ein weiteres Problem, was ihn zu einem neuerlichen Radwechsel zwang. Und zu guter Letzt stürzte er, weil sich die Fahne eines übermütigen Schweizer Fans in seinem Lenker verhedderte.
Im grossen Bild sind diese Zwischenfälle nicht mehr als eine Randnotiz. Denn Frank darf nach dem bisherigen Saisonverlauf mehr als zufrieden sein. An der Tour de Romandie vermochte er nicht mit den Besten mitzuhalten. Danach litt er an einer Stirnhöhlenentzündung, die Dauphiné-Rundfahrt kurz vor der Tour musste er deshalb aufgeben. Nun kehrte die Form rechtzeitig zurück.
Möglich wurde der Erfolg für den im Baselbiet wohnhaften Innerschweizer dank einer Parforce-Leistung in der 17. Etappe nach Pra-Loup, als er dank einer Flucht nach vorne und einem 5. Etappenrang in die angestrebten Top Ten vorstiess. Trotz einiger Probleme in den Tagen danach hielt er seinen Platz. Frank beendet die Tour de France zum ersten Mal überhaupt. Bei seinen ersten beiden Tour-Teilnahmen 2010 und 2014 hatte er nach Stürzen vorzeitig aufgeben müssen.
Frank fährt erst seine zweite Saison für das IAM-Team. Frank wechselte zur Schweizer Mannschaft, nachdem er 2013 als Leader der Tour de Suisse von seinem BMC-Team im Stich gelassen worden war. An der Schweizer Rundfahrt dürfte er damals gemerkt haben, dass er zu einem Leader einer World-Tour-Equipe taugt. Das eingegangene Risiko hat sich nun ausbezahlt.
Wie wertvoll dieser 8. Rang (mit einem Rückstand von 15:39 Minuten auf Gesamtsieger Chris Froome) aus Schweizer Sicht ist, zeigt ein Blick auf die Tour-Schlussranglisten der Vorjahre. Denn letztmals klassierten sich vor 16 Jahren mit Alex Zülle (2.) und Laurent Dufaux (4.) hiesige Profis in den Top Ten der Frankreich-Rundfahrt.

Polizei beschiesst Personenwagen

ParisSi. Wenige Stunden vor dem Abschluss der Tour de France auf den Champs-Elysées ist es im Stadtzentrum von Paris zu Schüssen gekommen. Die Polizei eröffnete das Feuer auf einen Autofahrer, der die Sicherheitsabsperrung durchbrochen hatte.
Autofahrer ergriff die Flucht
Der Vorfall ereignete sich am Sonntag gegen acht Uhr auf der Place de la Concorde am Beginn des Prachtboulevards Champs-Elysées, wie die Polizei mitteilte. Der Autofahrer hatte den Angaben zufolge ein anderes Fahrzeug gerammt und ergriff die Flucht, als ihn die Polizei kontrollieren wollte. Verletzte gab es keine, Auswirkungen auf die letzte Etappe der Frankreich-Rundfahrt hatte der Vorfall nicht.

Greipels Krönung und Jubiläum

Schlussetappe Si. Die prestigeträchtige letzte Etappe der 102. Tour de France wurde zur Beute des Favoriten. Der Deutsche André Greipel feierte im erwarteten Massensprint auf den Champs-Elysées seinen vierten Etappensieg in diesem Jahr und den zehnten insgesamt. Auch in der letzten Etappe leer aus ging Peter Sagan. Der Slowake musste einmal mehr mit einem undankbaren Ehrenplatz vorliebnehmen. Wegen der schlechten Wetterbedingungen in Paris und um das Sturzrisiko zu minimieren, hatte die Jury entschieden, die Zeit knapp 70 km vor dem Ziel abzunehmen.

102. Tour de France. 21. Etappe, Sévres–Paris (109,5 km): 1. Greipel (De) 2:49:41. 2. Coquard (Fr). 3. Kristoff (No). 4. Boasson Hagen (No). 5. Démare (Fr). 6. Cavendish (Gb). 7. Sagan (Slk). 8. Degenkolb (De). 9. Matthews (Au). 10. Navardauskas (Lit). 11. Trentin (It). 12. Laporte (Fr). 13. Soupe (Fr). 14. Vanmarcke (Be). 15. Pantano (Kol). 16. Van Rensburg (SA). 17. Delaplace (Fr). 18. Barta (Tsch). 19. Cimolai (It). 20. Guarnieri (It).Ferner:22. Rast (Sz). 25. Marcel Wyss (Sz). 27. Hollenstein (Sz). 45. Schär (Sz). 48. Elmiger (Sz). 59. Frank (Sz). 94. Valverde (Sp). 104. Danilo Wyss (Sz). 136. Froome (Gb). 142. Quintana (Kol), alle gleiche Zeit. – 160 gestartet, 160 klassiert.
Schlussklassement: 1. Froome 84:46:14. 2. Quintana 1:12. 3. Valverde 5:25. 4. Nibali 8:36. 5. Contador 9:48. 6. Gesink 10:47. 7. Mollema 15:14. 8. Frank 15:39. 9. Bardet 16:00. 10. Rolland 17:30.11. Talansky (USA) 22:06. 12. Samuel Sanchez (Sp) 22:50. 13. Pauwels (Be) 31:03. 14. Barguil (Fr) 31:15. 15. Thomas (Gb) 31:39. 16. Pinot 38:52. 17. Kreuziger (Tsch) 1:02:51. 18. Chérel (Fr) 1:05:00. 19. Pantano (Kol) 1:09:08. 20. Bakelants (Be) 1:16:36. Ferner: 56. Schär 2:31:13. 60. Marcel Wyss 2:34:15. 63. Danilo Wyss 2:37:17. 75. Hollenstein 2:58:30. 100. Elmiger 3:26:47. 102. Rast 3:29:00.
Spezialwertungen. Bergpreis: 1. Froome (Gb) 119 Punkte. 2. Quintana (Kol) 108. 3. Bardet (Fr) 90. 4. Pinot (Fr) 82. 5. Joaquim Rodriguez (Sp) 78. 6. Rolland (Fr) 74. Ferner: 47. Frank (Sz) 4. – Punkte: 1. Sagan (Slk) 432. 2. Greipel (De) 366. 3. Degenkolb (De) 298. 4. Cavendish (Gb) 206. 5. Coquard (Fr) 152. 6. Froome 139. Ferner: 74. Frank 24. – Jungprofis: 1. Quintana 84:47:26. 2. Bardet 14:48 zurück. 3. Barguil (Fr) 30:03. 4. Pinot 37:40. 5. Jungels (Lux) 1:32:09. 6. Sagan 2:13:43. – Teams: 1. Movistar (Sp/Quintana, Valverde) 255:24:24. 2. Sky (Gb/Froome) 57:23. 3. Tinkoff-Saxo (Russ/Contador) 1:00:12. 4. Astana (Kas/Nibali) 1:12:09. 5. MTN-Qhubeka (SA/Pauwels) 1:14:32. 6. AG2R (Fr/Bardet) 1:24:22. Ferner: 9. IAM (Sz/Frank) 2:42:16. – Kämpferischster Fahrer: Bardet.

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