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RAD: «Ich bin nun viel lockerer»

Mathias Frank (28) ist im Gesamtklassement der Tour de France 2015 Achter. Im Interview erzählt der Luzerner, warum ihn die letzten Wochen verändert haben und er seinen Vertrag nur um ein Jahr verlängert hat.
Das Leiden, wie hier am letzten Freitag in den Alpen, hat sich gelohnt: Der Roggliswiler Mathias Frank (vorne) schaut mit grosser Genugtuung auf die Tour de France zurück. (Bild: AP/Christophe Ena)

Das Leiden, wie hier am letzten Freitag in den Alpen, hat sich gelohnt: Der Roggliswiler Mathias Frank (vorne) schaut mit grosser Genugtuung auf die Tour de France zurück. (Bild: AP/Christophe Ena)

Interview Stefan Klinger

Mathias Frank, nach drei Wochen Tour de France, nach über 85 Stunden Radrennen an 21 Tagen, nach all den Strapazen für den Körper und die Psyche: Wie lange werden Sie nun Ihr Rad nicht mehr anrühren?

Mathias Frank: Im Grunde nur am Montag wegen der Rückreise aus Paris. Ab Dienstag sitze ich wieder auf dem Rad. In dieser Woche mache ich allerdings mehr regenerative Dinge und bin zum Beispiel am Dienstag nur eine bis maximal zwei Stunden auf dem Rad unterwegs. Am Wochenende wird es aber wieder Ernst: Ich fahre am Samstag die Clásica San Sebastián und am Sonntag ein Kriterium in Luxemburg. Danach mache ich dann mal eine Woche frei.

Nur eine Woche sind Sie denn gar nicht gross erschöpft?

Frank: Klar bin ich müde. Und ich werde in nächster Zeit auch ein bisschen mehr Luft zwischen den einzelnen Rennen haben. Aber ich möchte nun auch meine tolle Form ausnutzen und einen guten Herbst haben. Ich möchte noch ein paar gute Resultate in diesem Jahr erzielen.

Vor Tour-Beginn sagten Sie: Wer an einer Tour de France die Top 10 im Gesamtklassement erreicht, kann sich wirklich als Rundfahrer bezeichnen. Fühlen Sie sich nun wie einer aus diesem elitären Kreis?

Frank: Ja, denn es waren die Besten allesamt am Start. Ausserdem ist Platz acht im Gesamtklassement dort, wo ich hingehöre. Ich bin nicht dort, weil die anderen mich auf der ersten Alpenetappe in die Fluchtgruppe gehen liessen. Ich hatte auf drei der vier Alpenetappen gute Beine. Wenn es am ersten Tag nicht geklappt hätte, wäre es mir an einem anderen Tag gelungen. Daher empfinde ich jetzt eine grosse Genugtuung. Es war die ganze Saison über mein Ziel, an der Tour die Top 10 zu erreichen. Da ist es nun sehr schön, dass ich dieses Ziel trotz allem, was passiert ist – erreicht habe.

Sie spielen auf die Rückschläge durch Krankheiten im Frühjahr und Ihre vier Stürze während der Tour an.

Frank: Es ist in der Vorbereitung viel nicht so gelaufen, wie ich es mir ursprünglich erhofft hatte. Und dann war ich mit den falschen Gedanken unterwegs eine falsche Erwartungshaltung, mangelndes Selbstvertrauen, Ungeduld. Aber ich habe gelernt, dass wohl nie alles nach Wunsch verläuft und ein paar schlechte Tage dazugehören. Ich habe realisiert, dass ich an den schlechten Tagen nicht komplett stehen geblieben bin, sondern mich durchgebissen habe, und dass ich an den guten Tagen Fortschritte gemacht habe. Diese Erkenntnis war sehr wichtig.

Gab es den Moment, in dem Sie Ihr Ziel Top 10 an der Tour de France für nicht mehr erreichbar hielten?

Frank: Es gab sicher Momente, in denen ich daran gezweifelt habe. Wenn es dir nicht gut läuft, ist es schwierig, den Fokus auf dein Ziel zu behalten. Es ging so weit, dass ich meine Zielsetzung ändern musste. Ich habe mir dann vorgenommen, einfach jeden Tag mein Bestes zu geben und zu schauen, was dabei rauskommt.

Wenn wir richtig mitgezählt haben, sind Sie während der Tour de France insgesamt viermal gestürzt.

Frank: (unterbricht) Ja, ich glaube, es waren vier Stürze ganz sicher waren es mehr als genug. Beim Sturz, der Fabian Cancellara zum Verhängnis wurde, hat es mich ja auch erwischt. Da hab ich mir den Kopf recht heftig angeschlagen und hatte einige Prellungen sowie Schürfwunden. An diesem Tag musste ich mich ziemlich ins Ziel quälen, hatte ein paar Tage lang mehrere Nachwehen und musste mich vom Physiotherapeuten und vom Osteopathen behandeln lassen. Aber schliesslich hatte ich auch grosses Glück. Da lagen 30 bis 40 Fahrer am Boden, und ein Drittel von ihnen musste aufgeben.

Erfahrungen, die den achten Platz am Ende umso emotionaler machen?

Frank: Es war schon ein ganz spezielles Gefühl, dass ich nun bei meiner dritten Teilnahme endlich mal die Champs-Elysées erreicht habe. Es ist für jeden Velofahrer ein Kindheitstraum, nach drei Wochen Tour de France dort anzukommen. Und wenn du dann noch die grossen Strapazen, den ganzen Stress hinter dir hast und auch noch in Bezug aufs Gesamtklassement dein Ziel erreicht hast, macht es das noch schöner.

Erst recht, weil ein achter Platz im Gesamtklassement der Tour de France vor zehn Jahren für einen sauberen Radprofi wohl nicht möglich war. Wie sauber war diese Tour?

Frank: Wir haben Doping im Radsport als Dauerthema der Generation vor uns zu «verdanken». Ich finde es gut, dass die Leute kritisch sind, aber man muss auch fair bleiben. Klar lege ich für niemanden die Hand ins Feuer, aber ich kenne einige Fahrer, bei denen ich fest überzeugt bin, dass sie sauber sind. Es ist grundsätzlich so: Du musst den Gedanken ablegen, dass andere vielleicht betrügen sonst kommt es für dich persönlich nicht gut raus. Sehen Sie: Ich war nie der beste Fahrer meiner Generation, ich hatte immer andere vor mir, die besser sind. Aber ich habe mir jetzt bewiesen, dass es sauber möglich ist, an der Tour de France Achter zu werden. Das verschafft mir eine grosse Genugtuung.

Sie sind Achter geworden, obwohl die Vorbereitung und auch die Tour selbst nicht optimal verliefen. Da scheint 2016 noch mehr drinzuliegen.

Frank: Ich bin mir sicher, dass ich noch Luft nach oben habe, dass noch Potenzial da ist. Wie weit nach vorne das konkret noch gehen kann, kann ich aber nicht abschätzen. Mein Ziel an der Tour de France 2016 wird sein, meinen Platz in den Top 10 zu bestätigen. Und zusätzlich einen Etappensieg zu holen, wäre auch noch schön. Ich denke, dass es mir einen Impuls gibt, dass ich nun nach drei Jahren wieder mal eine dreiwöchige Rundfahrt zu Ende gefahren bin. Ich hatte ja vorher auch nicht gewusst, wie mein Körper gerade gegen Ende die Strapazen verkraften wird. Diese Erkenntnisse sind viel wert für die Zukunft genauso wie die Rückschläge in der Vorbereitung.

Inwiefern?

Frank: Ich bin nun viel lockerer. Ich hatte nach den Rückschlägen in der Vorbereitung ständig das Gefühl, hinterherzuhinken. Dieser achte Platz zeigt mir aber, dass ich auch dann an der Tour de France eine Topleistung abliefern kann, wenn im Frühjahr nicht alles optimal verläuft. Ich weiss nun: Künftig muss nicht immer alles perfekt laufen, und ich kann dennoch ruhig bleiben.

Werden Sie die Vorbereitung auf die Tour de France im nächsten Jahr wieder so angehen wie in diesem Jahr, oder ist Ihre Teilnahme an der Tour de Suisse künftig wieder ein Thema?

Frank: Das kann ich noch nicht sagen. Wir werden erst mal alles in Ruhe analysieren. Ende Oktober, Anfang November machen wir den Plan für 2016 und entscheiden dann über den Start an der Tour de Suisse. Eines kann ich aber schon jetzt sagen: Ich werde nächstes Jahr die Tour-Vorbereitung viel lockerer angehen.

Sie haben kürzlich Ihren Vertrag verlängert allerdings nur um ein Jahr.

Frank: Es ist die Philosophie des Teams, dass es zurzeit nur Einjahresverträge gibt. Stand heute ist gesichert, dass es IAM Cycling bis Ende 2016 gibt. Wie es ab 2017 aussieht, wird sich zeigen.

«Du musst den Gedanken ablegen, dass andere vielleicht betrügen – sonst kommt es nicht gut raus.» Mathias Frank (Bild: Keystone)

«Du musst den Gedanken ablegen, dass andere vielleicht betrügen – sonst kommt es nicht gut raus.» Mathias Frank (Bild: Keystone)

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