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RAD: Kittel hat einen «zweiten Sagan» zum Rivalen

Die auf dem Papier recht einfache 16. Etappe der Tour de France bietet ein echtes Spektakel im Kampf um den Tagessieg und Sprinterpunkte. Der grosse Abwesende im Sprint: Marcel Kittel.
Marcel Kittel hat derzeit an der Tour de France gut lachen (Bild: Guillaume Horcajuelo)

Marcel Kittel hat derzeit an der Tour de France gut lachen (Bild: Guillaume Horcajuelo)

Erschöpft stand Marcel Kittel in der Mixed-Zone. Er hatte ein frisches grünes Trikot an, war aber blasser um die Nase als sonst. «Ich habe alles gegeben, aber es war nicht unser Tag», sagte der Thüringer. Er hatte an diesem Dienstag viel von seinem Vorsprung in der Punktewertung eingebüsst. Sein Hauptkonkurrent Michael Matthews holte nicht nur den Etappensieg, sondern auch Punkte im Zwischensprint. Nur noch 29 Punkte liegt der Australier jetzt zurück.

Ursache war eine beeindruckende Kollektivleistung des Teams Sunweb. Bereits an der ersten Bergwertung, der Côte de Boussoulet, nach 20 km sorgte der deutsche Rennstall für ein Tempo, das Kittel hinten aus dem Feld herausfallen liess. Der Quickstep-Profi kämpfte erst allein, dann von einem, später von zwei Teamkameraden unterstützt gegen das enteilende Peloton. Aber dieses Teamzeitfahren gewann auf Dauer Sunweb. Der Rückstand wurde grösser und grösser. Am Ende waren es 16 Minuten.

«Es war enorm, was das Team geleistet hat. Wir waren ja über 140 km vorn. Wir hatten uns das vorgenommen. Aber wie jeder seine Aufgabe gelöst hat, das war fabelhaft», erzählte Nikias Arndt im Ziel. Er hatte vor allem in der Schlussphase grossen Anteil am Tagessieg seines Teamkollegen Matthews. Arndt gab zu, dass er dabei seinem Landsmann John Degenkolb leicht in die Linie gefahren war. «Es war aber keine Absicht. Ich musste einem anderen Fahrer ausweichen, und dann kam auf der anderen Seite John», sagte der Sunweb-Profi. Über diesen Kontakt regte sich der Frankfurter im Ziel aber gar nicht auf. Sein Zorn galt vielmehr Matthews. «Er hat eindeutig seine Linie verlassen und mich behindert. Das geht einfach nicht», sagte er dann doch gefasster beim Teambus. Auf der Ziellinie waren die Emotionen noch hochgekocht. Wütend reckte der Trek-Profi erst den Arm gegen Matthews, später soll er ihn nach Darstellung des Australiers am Kragen gepackt haben. «Das war unsportlich von ihm», meinte Matthews, der sich selbst gar keiner Schuld bewusst war. «Ich bin einen sauberen Sprint gefahren, habe meine Linie eingehalten», beteuerte er.

Matthews auch in den Bergen stark

Der Australier tritt mit dem doppelten Etappensieg die Nachfolge Peter Sagans an. Er führt zwar noch nicht in der Punktewertung. Wie der Slowake ist er aber ein kletterstarker Sprinter, der auch dann Punkte holen kann, wenn die reinen Kraftsprinter bereits im Gruppetto sind.

Kittel ist sich der Bedrohung bewusst. «Ich habe immer gesagt, der Kampf ums grüne Trikot entscheide sich erst in Paris», betonte er. Er weiss um die Paradoxien in dieser Spezialwertung. Obgleich er eindeutig der dominierende Sprinter ist und mit 5:2 Etappensiegen auch deutlich gegenüber Matthews führt, bringt dies noch keine Sicherheit für das Sprintertrikot.

Nach dem Ausschluss von Peter Sagan hatte sich die Quickstep-Truppe die Aufgabe auch etwas leichter vorgestellt. Nun ist dem belgischen Rennstall aber ein «zweiter Sagan» als Rivale erwachsen. Pikanterweise ist auch Matthews mit einer Slowakin liiert und lebt wie das Ehepaar Sagan im Fürstentum Monaco. Die vier gehen sogar ab und an gemeinsam essen. Gut möglich also, dass das grüne Trikot in der gleichen Tischgesellschaft verbleibt.

Gelb verteidigte der Brite Chris Froome – dieses Mal ohne grössere Probleme.

Tom Mustroph

sport@luzernerzeitung.ch

Tour de France.16. Etappe, Le Puy-en- Velay–Romans-sur-Isère (165 km): 1. Mat­thews (AUS), 3:38:15. 2. Boasson Hagen (NOR). 3. Degenkolb (GER). 4. Van Avermaet (BEL). 5. Laporte (FRA). 6. Keukeleire (BEL). 7. Gallopin (FRA). 8. Benoot (BEL). 9. Bodnar (POL). 10. Hardy (FRA). Ferner: 12. Uran (COL). 13. Froome (GBR). 14. Yates (GBR). 15. Landa (ESP). 16. Bardet (FRA). 18. Aru (ITA). 22. Küng (SUI), alle gleiche Zeit. 25. Schär (SUI), 0:17 zurück. 29. Meintjes (RSA), 0:51. 31. Martin (IRL), gleiche Zeit. 46. Contador (ESP), 1:33. 65. Frank (SUI), 1:40. 109. Albasini (SUI), 6:19. 136. Kittel (GER), 16:19. 139. Danilo Wyss (SUI). 140. Hollenstein (SUI), alle gleiche Zeit.

Gesamtklassement: 1. Froome, 68:18:36. 2. Aru, 0:18. 3. Bardet, 0:23. 4. Uran, 0:29. 5. Landa, 1:17. 6. Yates, 2:02. 7. Martin, 2:03. 8. Meintjes, 6:00. 9. Caruso, 6:05. 10. Quintana, 6:16. 11. Contador, 7:10. Ferner die Schweizer: 35. Frank, 1:11:18. 70. Küng, 1:50:11. 73. Schär, 1:53:03. 92. Wyss, 2:06:04. 101. Albasini, 2:15:58. 154. Hollenstein, 3:00:34.

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