Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

RAD: Lustvoller Froome, gebremste Deutsche

Der Start der Tour de France am Samstag in Düsseldorf sorgt für gemischte Gefühle. In bester Stimmung präsentiert sich aber Titelverteidiger Chris Froome (32), obwohl der Brite zuletzt nicht in Topform war.
Tom Mustroph
Die Strecke der 104. Tour de France.

Die Strecke der 104. Tour de France.

Tom Mustroph

sport@luzernerzeitung.ch

Die Tour de France 2017 begann für Titelverteidiger Chris Froome mit einem Fehlstart. Der Flug aus Nizza, der ihn nach Düsseldorf bringen sollte, hatte so viel Verspätung, dass sogar die Pressekonferenz um 40 Minuten verschoben werden musste.

Die Laune verderben liess sich der Brite dadurch aber nicht. Auch nicht durch andere Probleme. Seine Form ist nicht so herausragend wie vor jenen Frankreich-Rundfahrten, die er gewinnen konnte. 2013, 2015 und auch im vergangenen Jahr holte er sich jeweils den Sieg beim Critérium du Dauphiné. In diesem Jahr jedoch landete er abgeschlagen im Feld. «Meine Rivalen sind auf einem höheren Niveau. Diese Tour wird eine Herausforderung für mich», lautete seine Einschätzung.

Lokalmedien geben sich skeptisch

Froome wirkte dabei aber nicht verstört, sondern eher herausgefordert. Er strahlte gestern sogar echte Lust auf das 3540 Kilometer lange Rennen aus. «Ich möchte diese Tour aggressiv bestreiten», sagte er. Man darf sich also auf überraschende Aktionen des Titelverteidigers freuen. Solche Dinge wie der Angriff auf der Abfahrt nach Luchon im letzten Jahr könne man zwar nicht planen, erst recht nicht seinen Fussmarsch am Mont Ventoux, liess der Brite wissen. Aber dass er neue Taktikpläne im Köcher hat, ist anzunehmen. «Angriffsfreude kann man nicht trainieren. Aber die mentale Einstellung muss passen», meinte er. Als Hauptrivalen stellte ­Froome seinen Ex-Teamkollegen Richie Porte heraus und sah hinter dem Australier zehn weitere Fahrer, die um das Podium mitstreiten könnten. «Es wird ein offener Kampf, eine sehr abwechslungsreiche Tour», sagte Froomes Sky-Teamchef David Brailsford.

Solch eine lustvolle Haltung wie bei den Briten ist in der Gastgeberstadt Düsseldorf kaum zu beobachten. Geschäftsleute in der Innenstadt interessiert die Streckenführung des Auftaktzeitfahrens von morgen Samstag vor allem deshalb, um sich für die Verkehrseinschränkungen zu wappnen. Die Farbe Gelb – die Farbe der Tour –- ist zwar schon im Stadtbild zu entdecken. Mehrheitlich gehörte sie aber zu den gelben Regencapes der Besucher des Robbie-Williams-Konzerts, das die Tour in den Schatten ­stellte. Lokalmedien blicken ebenfalls skeptisch auf den Grand Départ. Die «Rheinische Post» veröffentlichte eine Umfrage, laut der nur ein gutes Drittel der Befragten (37,6 Prozent) zufrieden ist, dass die Tour in Düsseldorf startet. 28,7 Prozent waren dagegen, fast genau einem Drittel (33,7 Prozent) ist der Megaevent egal.

Team Sunweb sucht nach Talenten

Aufbruchstimmung herrscht nur bei den Direktbeteiligten. Düsseldorfs Stadtdirektor Burkhard Hintzsche erhofft sich vom Grand Départ eine grössere Lust der Bevölkerung, auch im Alltag aufs Velo zu steigen. Iwan Spekenbrink, Chef des deutschen Teams Sunweb, stellte seinen Rennstall als einen «Motor für den deutschen Radsport» vor. Herzstück sind die Talenttage, bei denen Sunweb-Coaches die besten Teenager herausfiltern und gezielt fördern möchten. Fernziel ist es, einen deutschen Rundfahrt-Kandidaten auszubilden. Bei der aktuellen Tour bietet Sunweb aber nicht einmal einen Captain für das Klassement an. Spitzenfahrer ist der Australier Michael Matthews, für den ein Sprintzug zusammengestellt wird. Der Franzose Warren Barguil geht aufgrund des Trainingsrückstands durch den Sturz an der Tour de Romandie nur auf Etappenjagd und wirft kein Auge auf das Klassement.

Auch bei Bora-Hansgrohe geht es nicht um den Gesamtsieg, die Sprintentscheidungen stehen im Mittelpunkt. Superstar Peter Sagan soll zudem das grüne Trikot holen. Guter Nebeneffekt für das deutsche Team ist, dass der Slowake sich bei dieser Tour wahrscheinlich selbst refinanziert. Im ersten Quartal holte Bora vor allem dank der Siege des Weltmeisters – nach Auskunft von Bora-Gründer Willi Bruckbauer – Fernsehreichweiten im Wert von 2,7 Millionen Euro herein. Bei der Werbeplattform Tour de France dürfte dieser Wert um ein Mehrfaches übertroffen werden. Vom Grand Départ erwartet Bruckbauer auch eine Initialzündung für das Werbeinteresse der deutschen Wirtschaft. «Wenn das gut läuft, dann könnten auch die grossen Unternehmen in den Sport zurückkommen», sagte er. Für die mittelfristige Entwicklung des deutschen Radsports ist der Grand Départ in Düsseldorf also wichtig, selbst wenn das derzeit nur etwa ein Drittel der Bevölkerung so richtig zu interessieren scheint.

Tour de France

Die 22 Teams und die wichtigsten der insgesamt 198 Fahrer inklusive der Schweizer: BMC (USA): Stefan Küng (SUI), Michael Schär (SUI), Danilo Wyss (SUI), Richie Porte (AUS), Greg van Avermaet (BEL). – Orica-Scott (AUS): Michael Albasini (SUI), Esteban Chaves (COL), Simon Yates (GBR). – Katjuscha Alpecin (SUI): Reto Hollenstein (SUI), Tony Martin (GER), Alexander Kristoff (NOR). – AG2R La Mondiale (FRA): Mathias Frank (SUI), Romain Bardet (FRA). – Sky (GBR): Chris Froome (GBR), Geraint Thomas (GBR), Michal Kwiatkowski (POL), Sergio Henao (COL), Wassil Kirijenka (BLR). – Movistar (ESP): Nairo Quintana (COL), Alejandro Valverde (ESP), Andrey Amador (CRC). – Astana (KAZ): Fabio Aru (ITA), Jakob Fuglsang (DEN). – Bahrain-Merida (BRN): Ion Izagirre (ESP). – Bora-Hansgrohe (GER): Peter Sagan (SVK), Rafal Majka (POL). – Cannondale Drapac (USA): Pierre Rolland (FRA), Rigoberto Uran (COL). – Dimension Data (RSA): Mark Cavendish (GBR), Edvald Boasson Hagen (NOR). – Emirates (UAE): Louis Meintjes (RSA). – FDJ (FRA): Thibaut Pinot (FRA), Arnaud Démare (FRA). – Lotto Soudal (BEL): André Greipel (GER). – Lotto NL-Jumbo (NED): Robert Gesink (NED), Primoz Roglic (SLO). – Quick-Step Floors (BEL): Marcel Kittel (GER), Philippe Gilbert (BEL), Daniel Martin (IRL). – Sunweb (GER): Michael Matthews (AUS), Warren Barguil (FRA). – Trek-Segafredo (USA): Alberto Contador (ESP), John Degenkolb (GER), Bauke Mollema (NED). – Cofidis (FRA/Wildcard): Nacer Bouhanni (FRA). – Direct Energie (FRA/Wildcard): Thomas Voeckler (FRA). – Fortuneo (FRA/Wildcard): Maxime Bouet (FRA). Wanty-Groupe Gobert (BEL/Wildcard): Thomas Degand (BEL).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.