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RAD: Martin Elmiger: Das verlässliche Rädchen tritt ab

Der Hagendorner Martin Elmiger (39) befindet sich in den letzten Wochen seiner Profikarriere. Ein Blick auf die vergangenen 16 Jahre des stillen Schaffers zeigt Enttäuschungen und Rekorde – vor allem aber die Leistungen, auf die er wirklich stolz ist.
Raphael Biermayr
Das nächste Rennen im Kopf: An der Feier seines ersten Schweizer-Meister-Titels prostet der 22-jährige Martin Elmiger den Gratulanten mit Orangensaft zu. Es ist nach eigenen Angaben der schönste Sieg seiner Karriere. (Bild: Alexandra Wey (Cham, 1. Juli 2001))

Das nächste Rennen im Kopf: An der Feier seines ersten Schweizer-Meister-Titels prostet der 22-jährige Martin Elmiger den Gratulanten mit Orangensaft zu. Es ist nach eigenen Angaben der schönste Sieg seiner Karriere. (Bild: Alexandra Wey (Cham, 1. Juli 2001))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Ist Martin Elmiger ein Mann ohne Eigenschaften? Natürlich nicht. Er macht nur nicht gern viel Wind um sich. Er ist ein überlegter Zeitgenosse, wirkt manchmal unnahbar. Seriosität, Anstand, Zielstrebigkeit sind die Merkmale, die in Gesprächen mit Weggefährten über Elmiger am häufigsten fallen. «Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen», lautet ein bezeichnendes Zitat des früheren Phonak-Managers Urs Freuler dazu. Dieser hat Elmiger im Jahr 2007 im Rahmen des Zürcher Sechstagerennens für einen Abstecher auf die Bahn gewinnen können. Zehn Jahre später wird der mittlerweile 39-jährige Hagendorner zu seinem letzten Rennen starten: Er steht im Aufgebot für den Japan-Cup am 21. und 22. Oktober.

Damit wird eine Karriere zu Ende gehen, der der Makel eines fehlenden grossen Erfolgs anhaftet. Dreimal verpasste der gelernte Tiefbauzeichner einen Etappensieg an der Tour de France knapp. Besonders bitter war es im Jahr 2014, als er mit dem Australier Jack Bauer während 221 Kilometern an der Spitze fuhr und nur 50 Meter vor dem Ziel vom Feld gestellt wurde. «Mega Spannung, super Geschichte, halt kein Happy End. Aber es ist keiner gestorben», sagte Elmiger vor dem Auftakt der diesjährigen Tour de Suisse in Cham auf diese bittere Geschichte angesprochen zur NZZ. Die Sachlichkeit und der Blick für das grosse Ganze: typisch für Elmiger, nicht erst, seitdem er Familienvater ist.

Der Coup des 22-Jährigen

Als seinen schönsten Erfolg bezeichnet der einstige Mountainbiker den Schweizer-Meister-Titel von 2001, seinem ersten Profijahr also. In einem denkwürdigen Rennen über 196 Kilometer fuhr der 22-Jährige mit 1:20 Minuten Vorsprung im Ziel in Bellinzona ein – als einer der jüngsten Landesmeister überhaupt.

«Lancierte Martin Elmiger mit seinem Coup damit eine internationale Karriere?», fragte unsere Zeitung damals. Diese Frage lässt sich 16 Jahre später mit Ja beantworten. Denn eine Karriere, sooft darunter auch der Glanz im Rampenlicht verstanden wird, ist unterschiedlich definiert. Zumal im Radsport, wo viele Rädchen ineinandergreifen müssen, um als Team erfolgreich zu sein. Elmiger ist ein Rädchen, auf das sich Verantwortliche und Teamkollegen in seinen fünf Profiteams immer verlassen konnten.

Gestartet bedeutet auch klassiert

Seine Loyalität hat ihm vor der zu Ende gehenden Saison einen letzten Vertrag eingebracht: Andy Rihs, Inhaber des BMC-Teams, zeigte damit seine Wertschätzung für Elmigers frühere Verdienste zu gemeinsamen Phonak-Zeiten. Und so ist das Mitglied des RMV Cham-Hagendorn mit 16 Teilnahmen nicht nur Co-Rekordstarter der Tour de Suisse, sondern zudem alleiniger Rekordhalter betreffend die Klassierungen (16). Auch an der Tour de France hat er bei allen seinen sieben Starts Paris erreicht.

Diese Zahlen stehen für Episoden im grossen Ganzen, das Martin Elmiger so gern erwähnt. Die Länge seiner Profilaufbahn; die Tatsache, trotz sechs Handgelenkbrüchen und anderer Verletzungen die Motivation nie verloren zu haben; die Fähigkeit, sich parallel zum Spitzensport ein Leben als Familienvater sowie dank einer Firma mit seiner Frau Monika eine berufliche Zukunft aufzubauen – das sind die wahren Leistungen von Martin Elmiger, dem Seriösen.

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