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RAD: Michael Schär – Mehr als nur ein Wasserträger

Am Samstag erfolgte in Italien mit der Strade Bianche der Auftakt zu den Eintagesklassikern. Mitten drin: der Nottwiler Michael Schär. Der 31-Jährige ist ein Edeldomestike – und will diese Saison diesen Ruf erhärten.
Roland Bucher
Michael Schär ist gestern in Italien in seine 14. Saison als Profirennfahrer gestartet. (Bild: Bryn Lennon/Getty (Oman, 13. Februar 2018))

Michael Schär ist gestern in Italien in seine 14. Saison als Profirennfahrer gestartet. (Bild: Bryn Lennon/Getty (Oman, 13. Februar 2018))

Roland Bucher

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Michael Schär sagt, um seinen Job für den Laien verständlich zu machen: «Ich bin so etwas wie der Bodyguard des Chefs.» Der Chef im BMC-Racing-Team heisst Greg van Avermaet. Der 33-jährige Belgier wurde 2016 Olympiasieger in Rio de Janeiro und letzte Saison Gewinner des Klassikers Paris–Roubaix. Fragen Sie van Avermaet, wer sein stärkster und wirkungsvollster Helfer ist, dann sagt dieser ohne Umschweife: Michael Schär.

Dass Greg van Avermaet seinen Leibwächter derart ins Rampenlicht stellt, hat durchaus seine Gründe. Schär, der 1,97 grosse schlaksige Helfer, dient sich seit 2011 in diesem Team hoch. Er ist sozusagen der Offizier in der Equipe, oder wie es die Fachsprache artikuliert: «Captain de Route», die rechte Hand des sportlichen Leiters. «Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe», sagt er, der Domestike, der van Aver­maet den Rücken freihält. Er schaut, dass der Teamgeneral im richtigen Moment die Beine und den Kopf freihat, um die entscheidenden Attacken zu fahren. Oder ein bisschen salopp gesagt: Schär verteidigt – um seinem Boss den besten Angriff zu ermöglichen.

Mitverantwortlich für die Renntaktik

Schwingt nicht auch hin und wieder Wehmut mit, dass der Lorbeer anderen umgehängt wird und er einzig die «Brosamen» des Helfers erntet? «Nein, ich habe mich längst damit abgefunden, dieser Job passt zu mir.» Im Fussball gäbe es ja auch nicht nur die Stars wie Messi oder Neymar: «Ein Team lebt nur, wenn es starke Abwehrleute hat, die sich in den Dienst der Stars stellen.» Michael Schär ist nicht nur Wasserträger, wie das im Fachjargon benannt wird, sondern: «Ich bin mitverantwortlich für die Renntaktik. Das ist eine Aufgabe, die mich sehr erfüllt.»

Den Winter gut überdauert? «Langweilig», erklärt Michael Schär, der mit 18 Jahren die Matura besiegelte und seither als Rad-Profi «einen grossartigen Beruf» ausübt. «Nein, langweilig wird es nie.» Im Gleichschritt mit dem physischen Formaufbau für die neue Saison tüftelt Schär mit seinem Team mit Akribie Material und Ernährung. Denn Stillstand bedeute, wie in jeder Lebenssituation, Rückschritt: «Wir testeten neue aerodynamischere Anzüge für die Zeitfahren und neue, breitere Pneus. Und wir suchen nach Alternativen in der Ernährung. Irgendeinmal hat der Magen genug von isotonischen Getränken und übersäuert.»

Glücklicher Radprofi mit Plänen

Irgendwann habe man auch gemerkt, dass der Kraftriegel nicht der Weisheit letzter Schluss sei: «Back to the Basic», ein bisschen hemdsärmlig ausgedrückt «zurück zur Natur», heisse das Credo: zum Beispiel Reisbarren zum Frühstück. «In unserem Team haben wir einen Koch, der sehr früh Tagwache hat», schmunzelt Schär, «und der dann lange Zeit nichts anderes macht, als Reis zu kochen.» Damit die Batterien wieder hochwertig gefüllt werden können.

Ja, man dürfe das durchaus so behaupten: «Ich bin ein zufriedener, glücklicher Berufsmann, ein Radprofi mit Leib und Seele.» In Bälde wird er 32 Jahre alt und kommt so langsam in den Herbst seiner Karriere. Doch davon will Schär nichts hören: «Ich habe meine besten Jahre noch vor mir.» Später will der Schweizer Strassenmeister von 2013 und Sohn des früheren Topfahrers Roland Schär das enorme Know-how, das er in seinen mittlerweile 13 Profijahren in seinen Rucksack gepackt hat, weiterverwenden: «Ich werde beruflich dem Sport erhalten bleiben», steckt er seine Zukunft mittelfristig ab. Und dann wird er auch mehr Zeit für seine zweite grosse Passion in Anspruch nehmen: «Was gibt es Schöneres als eine Ausfahrt mit meinem Mustang-Oldtimer aus dem Jahre 1965? Zum Beispiel den Teamtriumph an der Tour de France ...

Siena (ITA). Strada Bianche (184 km/147 gestartet, 53 klassiert): 1. Tiesj Benoot (BEL) 5:03:33. 2. Romain Bardet (FRA) 0:39 zurück. 3. Wout van Aert (BEL) 0:59 zurück. 4. Alejandro Valverde (ESP) 1:25. 5. Giovanni Visconti (ITA) 1:27. 6. Robert Power (AUS) 1:29. 7. Zdenek Stybar (CZE) 1:42. 8. Peter Sagan (SVK) 2:08. Ferner: 16. Stefan Küng (SUI) 4:14. 21. Tom Dumoulin (NED) 6:14. 30. Michal Kwiatkowski (POL) 10:57. 34. Greg van Avermaet (BEL) 13:05. 35. Michael Schär (SUI/Nottwil). 36. Philippe Gilbert (BEL), beide gleiche Zeit. – Aufgegeben: u. a. Silvan Dillier (SUI), Vincenzo Nibali (ITA).

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