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RAD: Paris–Roubaix: eine Reise in die Vergangenheit

Das Velorennen über das Kopfsteinpflaster ist berühmter als seine Sieger. Am Sonntag findet es zum 116. Mal statt. Der Klassiker ist zwar nicht mehr zeitgemäss, aber immer noch ein Spektakel.
Daniel Good
Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs: das Feld auf dem Weg Richtung Roubaix. (Bild: Yoan Valat/Keystone (Roubaix, 5. April 2017))

Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs: das Feld auf dem Weg Richtung Roubaix. (Bild: Yoan Valat/Keystone (Roubaix, 5. April 2017))

Daniel Good

Die Strassen um Paris sind längst modernisiert. Abschnitte mit Kopfsteinen gibt es keine mehr in der Metropole Frankreichs. Der Radklassiker über die Pavés heisst aber immer noch gleich wie 1896, als Paris–Roubaix zum ersten Mal stattfand. Seit 1977 ist Compiègne rund 80 Kilometer nördlich von Paris Startort des prestigeträchtigen Rennens. In Compiègne wurde im November 1918 der Waffenstillstand nach den Massakern des Ersten Weltkriegs beschlossen.

Für die Franzosen ist Paris–Roubaix «L’enfer du Nord», die Hölle des Nordens. Die Fahrt über das grobschlächtige Kopfsteinpflaster ist eigentlich ein Anachronismus, nicht mehr zeitgemäss, aber auch in der Moderne ein Spektakel. Die meisten Strassenabschnitte mit den berüchtigten Pavés sind mittlerweile Denkmale und von der Regierung geschützt. Denn sie sind auch im Norden Frankreichs selten geworden. Ohne Pavés kein Paris–Roubaix. Das wäre für Frankreich, wie wenn die Tour de France nicht mehr stattfände.

Der Sieger erhält einen Pflasterstein

In diesem Jahr sind 29 Abschnitte mit Kopfsteinpflaster zu bewältigen. Während 54,5 Kilometern fühlen sich die Rennfahrer wie im 19. Jahrhundert. Die Beine schmerzen, die Zähne klappern, der Schmerz ist den Teilnehmern ins Gesicht geschrieben. Der Sieger erhält unmittelbar nach der Zieldurchfahrt einen Pflasterstein, den wohl wertvollsten seiner Art. Der Parcours ist topfeben und führt am Sonntag über 257 Kilometer.

Der Weg richtet sich nach der Verfügbarkeit der Sektoren mit Kopfsteinpflaster. Deshalb bewegt sich das Feld im Zick-Zack-Kurs nach Roubaix. Die Stadt an der Grenze zu Belgien war einst wie St. Gallen ein Textilzentrum mit internationaler Ausrichtung. Geduscht wurde früher im Schlachthaus, und zwar kalt. Richtig zufrieden sind am Ziel bloss der Sieger und dessen Mannschaft. Aber auch sie sind noch eine Woche nach dem Rennen gezeichnet von den Strapazen. Insbesondere die Hände und Arme schmerzen lange.

«Dieses Rennen ist ein grosser Unsinn»

Die Spezialisten für Paris–Roubaix sind gross und kräftig gebaut – wie der dreifache Sieger Fabian Cancellara und der Thurgauer Stefan Küng. Die Gewinner der Tour de France machen in der Regel einen grossen Bogen um die Prüfung auf der heimtückischen Unterlage. Der letzte Fahrer, der als Gewinner der Tour de France auch in Roubaix triumphierte, war 1981 Bernard Hinault. Seine Abneigung gegenüber dem Kopfsteinpflaster blieb aber bestehen. «Dieses Rennen ist ein grosser Unsinn», sagte der Franzose nach dem Sieg.

Viele sind da anderer Meinung. Küng etwa ist schon seit Jahren fasziniert von Paris–Roubaix. Er war bereits dreimal am Start. Jacques Goddet, der langjährige Direktor der Tour de France, betrachtete Paris–Roubaix als «ein letztes Überbleibsel aus der heroischen Vergangenheit. Das letzte Bindeglied zur Tradition, welcher der Radsport seine Grösse verdankt.»

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