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RAD: Peter Sagan kann mehr als Sprinten und Sprüche klopfen

Peter Sagan holt den ersten Tour-de-France-Sieg für sein Team. Im horrend schnellen Bergauf-Sprint verfügt der Slowake in der dritten Etappe über die grössten Kraftreserven – und belehrt hinterher statistikvernarrte Reporter im Ziel.
Tom Mustroph
Entschied wiederholt einen Endspurt für sich: Peter Sagan. (Bild: Bryn Lennon/Getty (Longwy, 3. Juli 2017))

Entschied wiederholt einen Endspurt für sich: Peter Sagan. (Bild: Bryn Lennon/Getty (Longwy, 3. Juli 2017))

Tom Mustroph

sport@luzernerzeitung.ch

Peter Sagan (27) bleibt der grosse Radsportclown. Er hatte gerade seinem deutschen Arbeitgeber Bora-Hansgrohe den ersten Tour- de-France-Etappensieg in der Rennstallgeschichte eingefahren. Sein Chef Ralph Denk war ob des Erfolgs fast zu Tränen gerührt. «Seit 2010 sind wir als Rennstall dabei, immer mit wechselnden Sponsoren. Das hier ist unser grösster Erfolg», sagte er. Sagan hingegen kennt solche Erfolge schon besser. 200 m weiter, im Interviewwagen der Tour de France, erläuterte er derweil sein Verhältnis zu seinem an diesem Tag härtesten Rivalen Michael Matthews vom Sunweb-Team. «Wir kennen uns gut, wir sind auch öfter mal zusammen essen gegangen in Monaco, wo wir beide wohnen, auch gemeinsam mit unseren Frauen. Michaels Frau kommt aus der Slowakei», erzählte der Slowake munter – und schlug sich plötzlich an den Kopf: «Hey, warum reden wir hier eigentlich über unsere Frauen?»

Genau, die Frauen der in Monaco wohnenden Radprofis waren gerade nicht das allerwichtigste Thema. Sagan hatte auf einer Etappe, die vom Profil her für ihn wie gemacht schien, auch eine überragende Leistung geboten. Sein Team hatte ihn am Fuss des Anstiegs in eine perfekte Position gebracht. «Unsere Jungs haben heute in der ganzen Breite ganz viel gut gemacht», sagte Teamchef Denk zufrieden. Sagan startete dann eine Attacke, die vielen im Feld den Zahn zog. Er kam aber nicht richtig weg. Dann nahmen die Klassementfahrer das Heft in die Hand. Der Australier Richie Porte attackierte, Team Sky mit Geraint Thomas und Chris Froome musste folgen. Auch Alberto Contador war plötzlich vorn zu sehen. «Wir wollten Sky unter Druck setzen. Das hat ganz gut geklappt», bilanzierte der sportliche Leiter von BMC, Jim Ochowicz. Zählbaren Erfolg brachte es allerdings nicht. Die Briten zollten zwar Porte Respekt. «Er ist angriffs­lustig. Er ist der härteste Rivale.» Nach kurzer Überraschung schlossen sie aber auf. Und kurz vor dem Zielstrich waren dann die kletterstarken Sprinter wieder unter sich. Und da war Sagan eine Klasse für sich. Obwohl sich sein Fuss aus der Pedale löste und der Weltmeister einen Tritt auslassen musste, setzte er sich vor Matthews durch. «Ich hatte natürlich Glück im Pech. Gut, dass mein Fuss sofort in die Pedale fand», sagte er. Das Missgeschick unterstrich aber nur seine Überlegenheit.

«Es gibt wichtigere Dinge als grüne Trikots»

Angedeutet hatte sich der Erfolg schon früh auf dieser 212,5 km langen Etappe von Lüttich nach Longwy. Sagans Teamkollegen hatten im Vertrauen auf die Stärke ihres Captains früh Präsenz an der Spitze des Pelotons gezeigt. Gemeinsam mit den Mannschaften von Sunweb, Quick Step und Sky hielten sie auf dem Weg durch Luxemburgs Hügellandschaft das Feld gut zusammen. Nur sechs Mann wurden weggelassen, der Rückstand blieb lange im Bereich von etwa 2 Minuten. 60 km vor dem Ziel passten sie aber nicht auf. Der Rückstand auf die Ausreisser war unter 1 Minute gesunken. Ein kleiner Crash im Hauptfeld verlangsamte die Fahrt. Drei Profis nutzten die Situation. Sie rissen aus und schlossen schnell zur Fluchtgruppe auf. Die fuhr jetzt auf starken neun Zylindern. Aber im Peloton war nun die Lust auf die grosse Jagd ausgebrochen. «Es war unglaublich, die letzten 40 km waren unendlich schwer. Das hat den Berg am Ende dann auch schwerer gemacht, als er auf dem Papier wirkte», meinte der Tagesdritte Dan Martin, wie Sagan und Matthews ein Clas­sique-Spezialist.

Sagan genoss seinen Tri- umph. Er erzählte nicht nur vom gemeinsamen Kochen mit Freunden und deren Frauen. Er konnte sich selbst auf ein Extramenü vom italienischen Koch des Teams freuen. Und er erteilte statistikverliebten Reportern eine Lehrstunde. Auf die Frage, was es für ihn bedeute, in diesem Jahr vielleicht den Rekord der sieben grünen Trikots von Erik Zabel einzustellen, meinte er: «Das interessiert mich nicht. Es gibt viel wichtigere Dinge auf der Welt als grüne Trikots.» Wenigstens einer, der aus der Blase Tour de France ab und an herausschaut.

Gegen weitere Siege in der Blase hat er allerdings auch nichts einzuwenden. Heute steht wieder eine Sprintentscheidung an. Und bei allen Spässen, für die Sagan immer zu haben ist: Siege fährt er natürlich auch sehr gern ein.

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