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RAD: Rigoberto Uran, der Unterschätzte

Der Kolumbianer Rigoberto Uran dürfte Chris Froome auf dem Podium in Paris begleiten. Er ist der Einzige, der Froome noch realistisch gefährden kann.
Tom Mustroph
Rigoberto Uran befindet sich in Topform. Sein Pech ist, dass immer wieder jemand anders noch stärker fährt als der Kolumbianer. (Bild: Peter Dejong/AP (Izoard Pass, 20. Juli 2017))

Rigoberto Uran befindet sich in Topform. Sein Pech ist, dass immer wieder jemand anders noch stärker fährt als der Kolumbianer. (Bild: Peter Dejong/AP (Izoard Pass, 20. Juli 2017))

Tom Mustroph

sport@luzernerzeitung.ch

Als «dark horse», als Geheimtipp, hatte Chris Froome Rigoberto Uran beim letzten Ruhetag der Tour de France bezeichnet. Da horchten alle auf. Denn in dem Spektakeldreikampf zwischen Romain Bardet, dem forschen Anführer der Ag2R-Attackereiter, dem einsamen Kämpfer Fabio Aru und Titelverteidiger Chris Froome hatte kaum jemand Notiz von Rigoberto Uran genommen. Ausgangs der Alpen ist der Kolumbianer da, wo Froome ihn schon eine knappe Woche vorher sah: der einzige ernsthafte Rivale für Froome. Anders als der knapp vor ihm platzierte Romain Bardet gilt Uran als guter Zeitfahrer. Er war sogar ein paar Jahre beim Team Sky, weiss also, wie diese Mannschaft sich auf so ein Rennen vorbereitet.

Von Aufregung, ja von Nervosität war im Lager von Cannondale dennoch rein gar nichts zu spüren. «Es ist gut, wie Rigoberto in den Alpen mitgehalten hat. Er war immer vorn dabei. Er hat sich auch diesmal nicht überraschen lassen», zog Andreas Klier, sportlicher Leiter des Kolum­bianers, am Ende der gestrigen 19. Etappe Bilanz. Die hatte der Norweger Edvald Boasson Hagen aus einer Ausreissergruppe heraus gewonnen. «Und am Samstag in Marseille, da wird Rigo einfach auf sein Rad steigen, die 22,5 km fahren, und danach werden wir wissen, was das wert ist», lautete der gelassene Blick in die Zukunft von Klier.

Landsmann brachte ihn um den Sieg im Giro d’Italia

Die gleiche Gelassenheit zeichnet den Sportler selbst aus. «Ich gucke von Tag zu Tag, mehr nicht», sagt Uran gern. Und während das bei vielen Radprofis wie eine Floskel klingt, ist es bei Uran ein Bekenntnis, ein Lebensmotto. Denn er hat so viel erlebt, dass sich weit vorauszugucken gar nicht erst lohnt.

Als er 14 war, wurde sein Vater von Paramilitärs erschossen. Als er 28 war, musste er erleben, wie ihn sein einstiger WG-Kumpel Nairo Quintana in der eigentlich von der Jury neutralisierten Abfahrt vom Stilfser Joch aus dem rosa Trikot des Giro d’Italia fuhr und seinen bis dato grössten Erfolg als Rennfahrer verhinderte. Seitdem reden die beiden Landsleute nicht mehr viel mit­einander. Jetzt steht Uran besser da bei der Tour als sein eigentlich viel talentierterer Ex-Kumpel. Wenn ihm das etwas bedeutet, dann zeigt er es nicht. Er geniesst den Tag, wie er ist.

Aufgeregter sind schon seine Fans. «Rigo, Rigo», rief ausdauernd eine Gruppe von Kolumbianerinnen und Kolumbianern am Bus von Cannondale und unterstützte die Rufe mit Trommelrhythmen. Die Fanabordnung reist die kompletten drei Wochen der Tour hinterher. «Wir kommen aus Medellín, und wir wollen unseren Fahrern beistehen, im Guten wie im Schlechten», meint eine in die Landesfahne gehüllte Frau. Einige Mitstreiter haben sich tatsächlich am Movi­star-Bus aufgebaut und feuern Nairo Quintana, den aus den Top 10 herausgefallenen früheren Mitfavoriten, an. Andere haben sich am Trek-Bus, bei Jarlinson Pantano, Helfer von Alberto Contador, eingefunden. Die meisten aber sind bei Cannondale, bei Uran. Denn im Guten lässt es sich doch besser anfeuern als im Schlechten. Uran ist jetzt der oberste Held des kolumbianischen Radsports.

Der «ewige» Zweitplatzierte

Dass er auch bei der Tour ganz oben ankommt, erwartet andererseits kaum jemand. Immer, wenn Uran gut in Form war, war noch ein anderer besser. 2013 beim Giro wurde er Zweiter hinter Vincenzo Nibali, 2015 das Gleiche hinter Quintana. Bei Olympia 2012 war Bradley Wiggins vor ihm. «The best of the rest» – das ist offenbar das sportliche Schicksal dieses Mannes.

Uran wird das Schicksal nicht forcieren auf dem heutigen Parcours. Es gibt zwar viel zu gewinnen, wenn etwa Chris Froome unter den Erwartungen bleibt. Bei zu riskanter Fahrweise gibt es aber auch viel zu verlieren. Risiken kann der Kolumbianer mittlerweile gut kalkulieren.

Seine Leistung bei der Tour zeigt immerhin, dass es noch immer auf den Einzelnen ankommt. Er hatte das schwächste Team der Männer oben. Er war nicht einmal nomineller Captain. Jetzt ist er mehr als nur ein «dark horse».

Tour de France

19. Etappe, Embrun–Salon-de-Provence (222,5 km): 1. Boasson Hagen (NOR) 5:06:09. 2. Arndt (GER) 0:05 zurück. 3. Keukeleire (BEL) 0:17. 4. Bennati (ITA). 5. De Gendt (BEL). 6. Chavanel (FRA). 7. Gesbert (FRA). 8. Bakelants (BEL), alle gleiche Zeit. 9. Albasini (SUI) 0:19. 10. Pierre-Luc Périchon (FRA) 1:32. Ferner: 27. Froome (GBR) 12:27. 28. Landa (ESP). 31. Bardet (FRA). 36. Frank (SUI). 45. Yates (GBR). 46. Uran (COL). 61. Aru (ITA). 62. Contador (ESP). 66. Schär (SUI). 68. Martin (IRL). 69. Meintjes (RSA). 70. Barguil (FRA). 123. Küng (SUI). 126. Danilo Wyss (SUI). 148. Hollenstein (SUI), alle gleiche Zeit. – 169 Fahrer gestartet, 167 klassiert.

Gesamtklassement: 1. Froome 83:26:55. 2. Bardet 0:23. 3. Uran 0:29. 4. Landa 1:36. 5. Aru 1:55. 6. Martin 2:56. 7. Yates 4:46. 8. Meintjes 6:52. 9. Barguil 8:22. 10. Contador 8:34. Ferner die Schweizer: 30. Frank 1:18:14. 73. Schär 2:38:56. 80. Küng 2:48:49. 84. Wyss 2:52:05. 99. Albasini 3:04:35. 151. Hollenstein 4:01:19.

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