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RAD: Rückschlag für Froome

Für den britischen Topfavoriten Chris Froome (32) beginnt der Giro schlecht. Nach einem Sturz bei der Streckenbesichtigung kommt der Sky-Captain, der unter Dopingverdacht steht, im Zeitfahren nicht auf Touren.
Tom Mustroph, Jerusalem
Chris Froome büsste in der ersten Etappe 37 Sekunden auf den Tagessieger ein. (Bild: Oded Balilty/AP (Jerusalem, 4. Mai 2018))

Chris Froome büsste in der ersten Etappe 37 Sekunden auf den Tagessieger ein. (Bild: Oded Balilty/AP (Jerusalem, 4. Mai 2018))

Tom Mustroph, Jerusalem

sport@luzernerzeitung.ch

Für Chris Froome begann der Giro d’Italia alles andere als ­rosig. Bereits bei der Testfahrt auf der Strecke des Prologs am Vormittag stürzte er. «Ihm ist das Rad weggerutscht. Nichts Schlimmes, aber natürlich ärgerlich», sagte sein Teamchef David Brailsford. Froome trug danach Pflaster am rechten Knie und am Oberkörper. Und der Sturz beeinträchtigte später seine Leistung im Rennen. Sei es, dass er zu vorsichtig anfuhr, sei es, dass die Schmerzen ihn zu sehr plagten: Bereits an der ersten Zwischenzeit lag er mit 19 Sekunden schon aussichtslos zurück. Am Ende verlor er 37 Sekunden auf Tom Dumoulin. Der Titelverteidiger rutschte damit bruchlos vom Leadertrikot des Jahres 2017 in das aktuelle (siehe Box).

Dumoulin bewahrte mit seinem Exploit den Giro erst einmal vor dem von allen befürchteten Szenario eines Chris Froome in Rosa. Gegen den Briten läuft schliesslich noch das Verfahren wegen seines positiven Testergebnisses auf das Asthmamittel Salbutamol bei der Vuelta 2017. Er hatte den erlaubten Grenzwert überschritten, darf aber trotzdem starten.

Dumoulin riet Froome von einem Start ab

«Das ist eindeutig ein Fehler der Weltantidopingagentur Wada. Sie hat diese Regeln geschaffen, dass ein Fahrer nach einem solchen Testergebnis weiterfahren kann. Der Radverband UCI und auch Team Sky sind jetzt die Buhmänner. Aber sie halten sich nur an die Wada-Regeln», meinte ­Bora-hansgrohe-Teamchef Ralph Denk. Dumoulin hatte Froome geraten, auf Rennen zu verzichten, solange sein Fall noch ungeklärt ist. Froome indes sagte vor dem Start: «Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen und darf starten. Ich will mich hier auf das Sportliche konzentrieren.»

Nach seinem überraschend schlechten Prolog-Ergebnis verliess er fluchtartig den Zielbereich. Er ist erst einmal ganz weit weg vom rosa Trikot. Die Pech­serie im Team Sky beim Giro scheint sich damit fortzusetzen. Bradley Wiggins hatte 2013 aufgegeben. Geraint Thomas war 2017 durch einen Sturz ausgeschieden. Jetzt ist Froome im Hintertreffen.

Sein Pech dürfte bei Renn­direktor Mauro Vegni für ein erstes Aufatmen gesorgt haben. Vor Vegnis innerem Auge steht noch immer der Giro 2011. Den gewann Alberto Contador – obwohl gegen ihn auch ein Dopingverfahren lief. Danach wurde er gesperrt und ihm der Sieg aberkannt. «Es ist absurd und ­ungerecht gegenüber dem Publikum, dem Rennen und dem Rennfahrer, wenn ein Sportler erst ein dreiwöchiges Rennen gewinnt und es ihm dann aberkannt wird. Ich habe mich bei der UCI dafür eingesetzt, dass Froome im Falle eines Schuldspruchs erst ab dem Zeitpunkt des Urteils gesperrt wird», sagte Vegni.

Angst vor möglichen Entschädigungszahlungen

UCI-Präsident David Lappartient liess allerdings verlauten, dass er keinen Einfluss auf die Entscheidung des Antidopingtribunals nehmen wolle und könne. Man wird sehen, ob es am Ende eine Lex Froome gibt. Bislang kann der Brite auf die Macht des Geldes bauen. Dass die Disziplinarkammer noch keine Entscheidung ­gefällt hat, liegt auch daran, dass die Angst vor möglichen Entschädigungszahlungen von Froome gross ist. Denkbar ist das Szenario, dass Froome in erster Instanz schuldig gesprochen wird, eine zweite Instanz aber die Argumentation seiner Verteidigung anerkennt. Die setzt offenbar vor ­allem auf den Nachweis von besonderen Verdauungsvorgängen in Froomes Organismus, die für die hohen Rückstände von Salbutamol sorgten. Würde Froome zunächst gesperrt sein, dann aber freigesprochen werden, hätte er vor Gericht gute Karten, ausgefallene Lohnzahlungen und entgangene Prämien und Werbeeinnahmen einzuklagen. Angesichts der Einkünfte des vierfachen Toursiegers ist das eine Horrorvorstellung für den Verband. Allerdings auch das Ende des Prinzips der Chancengleichheit vor Gericht.

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