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RAD: Schweizern fehlt das i-Tüpfelchen – noch

Das Auftaktwochenende der Tour de Suisse 2015 bringt Klarheit: Für den Gesamtsieg kommt kein Schweizer in Frage Tagessiege sind aber gleich mehreren zuzutrauen.
Beim Start zur zweiten Etappe in Rotkreuz hatte Fabian Cancellara noch Luft für einen Schwatz mit Oliver Senn, dem Generaldirektor der Tour de Suisse. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Beim Start zur zweiten Etappe in Rotkreuz hatte Fabian Cancellara noch Luft für einen Schwatz mit Oliver Senn, dem Generaldirektor der Tour de Suisse. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Live dabei: Liveticker von der heutigen Etappe und Bildergalerie auf www.luzernerzeitung.ch

Stefan Klinger

Der Tag hatte seine Spuren hinterlassen. Als der deutsche Radstar John Degenkolb nach der zweiten Etappe kurz vor dem Parkplatz der Teamcars auf Fabian Cancellara traf und ihm seinen kleinen Sohn präsentieren wollte, hatte der ein, zwei Minuten zuvor im Ziel angekommene Berner keinen Sinn für eine Plauderei. Zu erschöpft war er in diesem Moment. Und so klopfte Cancellara im Vorbeifahren zwei lockere Sprüche, rief Degenkolb zu, dass er sich dringend erholen müsse und rollte weiter zu seinem Mannschaftsbus.

Es war der zu erwartende mühevolle Tag für Cancellara gewesen, diese zweite Etappe über 161,1 Kilometer und vor allem zweimal übers Michaelskreuz. Die Folgen einer Angina, die den 34-Jährigen Anfang der Woche noch flachgelegt hatte, bekam er diesmal ganz deutlich zu spüren. Sein Rückstand im Ziel: 13:19 Minuten. Und dennoch gab es für ihn an diesem Auftaktwochenende auch etwas Positives. Im nur 5,1 Kilometer langen Prolog am Samstag verpasste er zwar als Zweiter um zwei Sekunden den Sieg aber immerhin konnte er da auf der kurzen Distanz schon wieder mit den Allerbesten mithalten. Die Erkenntnis: Kann Cancellara die nächsten Tage einigermassen kräfteschonend hinter sich bringen, ist er beim abschliessenden Zeitfahren am kommenden Sonntag in Bern einer der Topfavoriten.

Elmiger will bald richtig attackieren

Mit einem guten Gefühl nimmt indes Martin Elmiger die nächsten Tage in Angriff. Für den 36-Jährigen aus Zug nicht gerade als Bergfahrer berühmt – wurde es zwar nichts mit dem Traum, auf der Etappe in der Heimat nach einem guten Prolog ins gelbe Trikot fahren zu können. Zu stark war die Konkurrenz und zu steil der zweimal zu bewältigende Anstieg übers Michaelskreuz. Dennoch blickt er, am Ende mit 1:01 Minuten Rückstand 23., viertbester Schweizer des Tages und zweitbester seines Teams IAM Cycling, zuversichtlich den nächsten Tagen entgegen. «Ich bin mit meiner Leistung zufrieden, die Wattwerte stimmen. Und dass ich als Nicht-Bergfahrer Zweitbester unseres Teams bin, ist für mich gut – und wird einige nerven», sagte Elmiger, «mir fehlt nicht so viel zu den Besten. Mit vier Kilo weniger wäre ich dabei gewesen.»

Zwar war Elmiger 1,81 Meter gross, etwa 72 Kilogramm leicht und für normale Massstäbe sehr schlank – am Michaelskreuz im Duell mit den kleinen, leichten Bergflöhen im Nachteil. Die getretene Wattzahl macht ihm aber Mut. «Ich fühle mich in der Lage, auf einen Etappensieg gehen zu können», sagte er, «ich werde in den nächsten Tagen mal richtig attackieren.» Dann, wenn kein derart krasses Finish wie gestern ansteht. Allerdings auch nicht auf der fünften Etappe am Mittwoch, die als die entscheidende im Kampf um den Gesamtsieg gilt, weil am Ende die Bergankunft auf dem Gletscher in Sölden wartet.

Denn da wird sich der Zuger voll und ganz für Sébastien Reichenbach aufopfern. «Auf der Etappe nach Sölden wird es das Wichtigste sein, ihn gut auf den Gletscher hochzubringen», verdeutlichte Elmiger. Immerhin ist Reichenbach, der gestern als 16. nur 14 Sekunden verlor und im Gesamtklassement nun mit 29 Sekunden Rückstand 15. ist, die grosse Hoffnung des Schweizer Teams auf einen Spitzenplatz in der Gesamtwertung. Und dafür fühlt sich der 26-Jährige aus dem Wallis auch gewappnet. «Im entscheidenden Moment war der Rhythmus der Besten heute ein bisschen zu hoch für mich», sagte Reichenbach, «aber das war auch der erste Test, nachdem ich drei Wochen kein Rennen mehr gefahren bin. Bei mir ist es in Rundfahrten immer so, dass ich von Tag zu Tag besser werde.» Das mache ihm Hoffnung für diese Tour.

Bester Schweizer ist in Helferrolle

Hoffnungsvoll, zuversichtlich und parat das sind auch die Adjektive, die nach dem Auftaktwochenende den Gemütszustand von Michael Albasini beschreiben. Im Prolog zeigte er eine gute Leistung, auf der zweiten Etappe ebenso – die Form stimmt. Die Folge: Platz 21 in der Gesamtwertung, zeitgleich mit Elmiger 1:06 Minuten zurück.

Das Gesamtklassement hat für den zweifachen Tagessieger an der Tour de Romandie Ende April allerdings keine Priorität. Albasini setzt auf Etappensiege. Auf Etappensiege, wenn das Peloton nicht am Ende zweimal über einen derart steilen Anstieg muss. «Bis Freitagabend habe ich gedacht, dass diese Schlussphase etwas für mich und andere Fahrer unseres Teams sein könnte», sagte Albasini, «nach der Teampräsentation bin ich jedoch noch schnell mit dem Auto das Michaelskreuz abgefahren und war überrascht, wie steil es dort ist.» Die Conclusio: Seine grossen Tage sollen ein anderes Mal kommen.

Diese Aussicht hat Steve Morabito, gestern mit Reichenbach zeitgleich im Ziel und in der Gesamtwertung als Sechster nun der bestplatzierte Schweizer (0:15 Rückstand), nicht. Denn Morabito hat an dieser Tour de Suisse einen anderen Auftrag: Er soll seinem französischen Teamcaptain Thibaut Pinot, vergangenes Jahr immerhin Dritter an der Tour de France, zum Gesamtsieg verhelfen. Der ganz grosse Erfolg fehlte den Schweizer Radprofis an diesem Wochenende in Risch-Rotkreuz doch ihre Auftritte machen Hoffnung, dass es schon bald anders aussieht.

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