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RAD: Zwei Junge auf dem Weg zur Spitze

Romain Bardet und Fabio Aru setzen an der Tour de France Leader Chris Froome unter Druck. Beide sind furchtlos – und doch gänzlich verschieden.
Fabio Aru (links) und Romain Bardet während einer Bergetappe des Critérium du Dauphiné. (Bild: Sirotti/Imago (11. Juni 2017))

Fabio Aru (links) und Romain Bardet während einer Bergetappe des Critérium du Dauphiné. (Bild: Sirotti/Imago (11. Juni 2017))

Chris Froome (32) bekommt es bei dieser Tour de France mit zwei ernsthaften Angreifern zu tun. Fabio Aru (27) stiefelte ihm schon auf der Planche des Belles Filles davon und setzte ihm am Sonntag auf dem Mont du Chat erneut zu. Romain Bardet (26) hingegen setzt den Sky-Captain bergab unter Druck. Wenn sie ihre Bemühungen koordinieren, könnten sie die Herrschaft von Sky tatsächlich überwinden.

Der eine ist der gute Junge: Romain Bardet, der wohlerzogene Franzose mit der sanften Stimme. Bardet ist Schwiegermüttertyp und Mädchenschwarm zugleich. Gut aussehend, mit charmantem Lächeln ausgestattet, fängt er alle Herzen ein. Auch an die Zukunft denkt er; zu Beginn seiner Profikarriere machte er noch parallel ein Diplom in Betriebswirtschaft. Klettern kann er wie ein junger Gott; er wurde 2014 Tour-Sechster und schaffte im letzten Jahr dank einer bravourösen Attacke auf der vorletzten Bergetappe noch den Sprung aufs Podium, direkt hinter Sieger Chris Froome.

Aru beherrscht auch die dreckigen Tricks

Der nicht ganz so liebe Bursche ist Fabio Aru. Der Sarde ist für seinen Dickschädel bekannt. «Ein Champion wie Vincenzo Nibali hat immer aufmerksam zugehört und alles aufgenommen. Fabio aber nimmt nur das wirklich an, was auch in seine Vorstellungen passt», sagt sein langjähriger Betreuer bei Astana, Giuseppe Martinelli. Aru schert sich auch nicht um gute Manieren. Er liess sich etwa nicht demütig von Nibali Ratschläge geben, sondern folgte dem eigenen Instinkt. Die Risse zwischen diesen beiden Fahrern spielten bei der Trennung von Astana und Nibali im letzten Jahr auch eine Rolle.

Am Mont du Chat zeigte Aru am Sonntag auch, dass er den alten, den dreckigen Radsport gut beherrscht: Er attackierte, als Froome einen Defekt anzeigte – und spielte anschliessend das Unschuldslamm. Arus Handlungsweise fand nicht bei allen Beifall. Aber man muss ihm zugestehen: Dieser Kerl sucht nach Gelegenheiten und nutzt sie auch. Bereits an der Planche des Belles Filles liess er seine Konkurrenten stehen und entriss beinahe sogar Chris Froome das gelbe Trikot. «Es stimmt im Kopf bei ihm, und auch die Beine können folgen. Das sorgt für Selbstbewusstsein und die Klarheit für die richtigen Entscheidungen», lobt ihn sein Betreuer Martinelli. Aru ist in dieser Form eindeutig eine Belebung für die Tour. Denn er erstarrt nicht in Ehrfurcht vor der Dominanz von Team Sky.

Ähnlich furchtlos ist Romain Bardet. «Ohne Risiko keine Chancen» lautet sein Motto. Bereits im letzten Jahr suchte und fand er sein Rennfahrerglück in der Abfahrt. Im Mont-Blanc-Massiv vertraute er sich erst den Abfahrtskünsten seines Teamkollegen Mikaël Cherel an und kletterte dann leichtfüssig den knapp 10 Kilometer langen Anstieg zur Skistation Saint-Gervais Mont Blanc hoch.

Bardet: Angriff trotz Handicap

Cherel ist dieses Jahr wegen eines Sturzes beim Critérium du Dauphiné nicht bei der Tour dabei. Aber Abfahren hat Bardet inzwischen selbst ganz gut gelernt. Das bewies er am Mont du Chat, als er Froome und Co. plötzlich stehen liess. «Ich hatte ja Zeit genug, die Abfahrtslinien meiner Rivalen zu studieren, bevor ich dann beschleunigt habe», sagte er cool. Sein Pech war das lange Flachstück am Ende der Etappe nach Chambéry. Bardet wusste natürlich auch um dieses Handicap. Er versuchte es trotzdem. Das zeichnet ihn aus. «Nur wenn du angreifst, kannst du etwas gewinnen. Wir sind ein Team aus lauter Angreifern. Defensiv fahren und das Peloton kontrollieren – so etwas können wir gar nicht», erzählte Jan Bakelants, einer der Helfer von Bardet und selbst in der Fluchtgruppe lange mit Chancen auf den Tagessieg in Chambéry. Das Ziel dieser Attackefahrer ist klar: der Toursieg. «Wir sind hier, um mit Romain die Tour zu gewinnen, ganz klar», meinte der Roggliswiler Mathias Frank in Chambéry entschlossen.

Im Hause Astana ist man sich noch nicht ganz klar darüber, wie gut Aru nach überstandenen Knieproblemen im Frühjahr in der letzten Woche sein wird. Der sportliche Leiter Giuseppe Martinelli sagt aber immerhin: «Ich habe Fabio noch nie so gut in Form gesehen.» Die kommenden zwei Wochen werden zeigen, ob Aru und Bardet nicht nur das Potenzial haben, Chris Froome in Bedrängnis zu bringen, sondern ob sie es auch tatsächlich abrufen. Gern weiter in den verteilten Rollen bergauf und bergab.

Tom Mustroph

sport@luzernerzeitung.ch

104. Tour de France

Gesamtklassement: 1. Froome (GBR) 38:26:28. 2. Aru (ITA) 0:18. 3. Bardet (FRA) 0:51. 4. Uran (COL) 0:55. 5. Fuglsang (DEN) 1:37. 6. Martin (IRL) 1:44. 7. Yates (GBR) 2:02. 8. Quintana (COL) 2:13. 9. Landa (ESP) 3:06. 10. Bennett (NZL) 3:53. – Ferner: 12. Contador (ESP) 5:15. 45. Frank (SUI) 38:34. 90. Danilo Wyss (SUI) 1:01:37. 92. Albasini (SUI) 1:02:55. 101. Küng (SUI) 1:05:56. 107. Schär (SUI) 1:09:03. 175. Hollenstein (SUI) 1:39:27.

Heute, 10. Etappe: Périgueux–Bergerac (178 km).

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