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RADQUER DAGMERSELLEN: «Dieter Runkel kam immer gerne bei uns in Buchs auf einen Kaffee vorbei»

Anekdoten rund um das Radquer in Dagmersellen
Theres Bühlmann
Dieter Runkel unterwegs zu seinem Sieg am 22. Internationalen Radquer in Dagmersellen 1997. (Bild: Sigi Tischler (Dagmersellen, 26. Dezember 1997))

Dieter Runkel unterwegs zu seinem Sieg am 22. Internationalen Radquer in Dagmersellen 1997. (Bild: Sigi Tischler (Dagmersellen, 26. Dezember 1997))

Damals, im Jahr 1994, als sie im OK des Radquers von Dagmersellen Einsitz nahm, hatte die heute 58-jährige Els Gassmann vom Radquer wenig Ahnung. Als gebürtige Holländerin ist der in Buchs wohnhaften Künstlerin eine gewisse Affinität zu diesem fahrbaren Untersatz aber nicht abzusprechen. Zudem verfügt Els Gassmann als Ehefrau, Mutter vier erwachsener Kinder, Bäuerin, Malerin, Bildhauerin und Textilgestalterin über viel Organisations­talent und den Willen, sich in die neue Materie einzuarbeiten.

Ihr Mann Jules, Mitglied des VC Dagmersellen, meldete seine Ehefrau mehr oder weniger über Nacht in diesem Verein an. So nahm die OK-Laufbahn von Els Gassmann richtig Fahrt auf, bis sie 2016 endete und sie mit viel Lob und Anerkennung verabschiedet wurde. Als Erstes bekleidete sie das Amt der Vizepräsidentin und Personalchefin, bevor sie 2000 für sieben Jahre das Präsidium übernahm. «Meistens hatte ich innerhalb des OKs über Jahre vier bis fünf Ämter inne», blickt sie ohne Wehmut zurück. Sie war Rennchefin, betätigte sich im Bereich Sponsoring und verpflichtete auch die Fahrer.

Die grossen Namen im Quersport wurden in den 90er-Jahren nicht per Mails engagiert, sondern persönlich angesprochen. Els Gassmann begab sich jeweils an die verschiedenen Querrennen, sass mit vorgefertigten Verträgen in der Tasche in der Festwirtschaft, verhandelte so mit den Fahrern. «Auf diese Weise lernte ich die Akteure kennen.» Sie feilschte dann und wann auch um das Startgeld. Da konnte sie richtig hartnäckig sein. Dies bekam auch der vierfache belgische Crossweltmeister Bart Wellens zu spüren, der 7000 Euro Startgeld verlangte. «Diese Summe konnten wir uns nicht leisten», sagt Els Gassmann. Wellens verzichtete auf das Rennen im Luzerner Hinterland.

Francis Moureys eindrücklicher Solosieg

Anders beim Rekordsieger (8 Erfolge) von Dagmersellen, Francis Mourey aus Frankreich, «mein Lieblingsfahrer», wie sich Els Gassmann ausdrückt. Dieser sei immer sehr bescheiden aufgetreten, feilschte nie um Gagen, drängte sich beim Abholen des Preisgeldes nie vor und gab auf der Rennstrecke immer alles, auch in aussichtslosen Situationen. «Ich erinnere mich an das Jahr 2009, es war bei seinem dritten Sieg. Als an seinem Rad die Kette riss, buckelte er das Velo, rannte fast eine halbe Runde den Berg hoch, bis er das Rad wechseln konnte. Er verlor zwei Minuten, schloss in der letzten Runde zur Spitze auf und feierte noch einen Solosieg. Francis Mourey ist eine beeindruckende Persönlichkeit», sagt Els Gassmann.

Ein Publikumsliebling war auch Beat Breu, der in Dagmersellen viermal zuoberst auf dem Podest stand. Der «Bergfloh» reiste häufig mit einem Verkaufswagen an, erhielt auch die Erlaubnis, auf eigene Rechnung eine kleine Imbiss­bude zu führen. Der Kontakt zu Breu sei geblieben, sagt Els Gassmann, er sei auch bei ihren Vernissagen ein gerngesehener Gast. Mit Dieter Runkel gewann ebenfalls einer der bekanntesten und erfolgreichsten Schweizer Querfahrer dreimal am Chrüzberg. «Dieter kam immer gerne bei uns in Buchs auf einen Kaffee vorbei», weiss Els Gassmann.

Auch mit dem 2011 verstorbenen Hans Jucker, der in Dagmersellen jahrelang als versierter Speaker im Einsatz stand, arbeitete sie eng zusammen und sorgte unter anderem dafür, dass Jucker immer seine «Dagmersellerli», eine ­einheimische Wurstspezialität, auf den Teller bekam. Mit einem Schmunzeln erinnert sich Els Gassmann auch an ­folgende Anekdote: Sie gewann an der Tombola eine WC-Bürste – orangefarben. Weil sie noch eine Menge Arbeit erledigen musste, nahm sich Jucker des Preises an, hütete diesen, bis Els Gassmann ihr Tagwerk beendet hatte.

Auch an der Derniere im Einsatz

Das Radquer in Dagmersellen sei so etwas wie ihr fünftes Kind, sagt Els Gassmann. So wird sie auch am kommenden Stephanstag bei der Derniere am Chrüzberg im Einsatz stehen, «im Hintergrund, dort, wo man mich braucht». ­Etwas schmerzhaft sei es schon, dass das Radquer in Dagmersellen bald Geschichte sei, sagt Gassmann, «es wird immer schwieriger, eine derart grosse Veranstaltung am Leben zu erhalten, auch mit einem Rahmenprogramm, das es für alle stimmt».

Der Radsport wird weiterhin im ­Leben von Els Gassmann eine wichtige Rolleeinnehmen. So schwingt sich ab- und zu in den Rennsattel. Im vergangenen Sommer nahm sie die Strecke von Spanien in die Schweiz unter die Räder. Und sie ist auch Ausschussmitglied und Präsidentin des Clubs Maillot d’Or, der sich für die Förderung des Schweizer Radsportnachwuchses einsetzt.

Aber auch in ihrer künstlerische Tätigkeit hält der Radsport Einzug: Rennfahrer, Biker oder Velos an der Wand: eine Hommage in Farbe und auf Leinwand an ihren Lieblingssport eben.

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

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