Rafael Nadal und das grosse Gejammer bei den French Open wegen des Wetters, der Bälle und der Tests auf das Coronavirus

Schwere Bälle, Coronatests, schlechtes Wetter, schlechte Stimmung. Die ersten Tage der French Open in Paris stehen im Zeichen des Gejammers. Dabei gebührt dem Veranstalter nicht nur Kritik sondern auch Respekt.

Simon Häring
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Rafael Nadal beim Training auf dem Court Philippe Chatrier.

Rafael Nadal beim Training auf dem Court Philippe Chatrier.

Michel Euler / AP

Wenn Guy Forget, der Turnierdirektor der French Open, dieser Tage den Wetterbericht studiert, dürften seine Sorgenfalten noch tiefer werden. In den nächsten zwei Wochen wird es keinen einzigen Tag geben, an dem es in Paris nicht regnen soll, das bei Temperaturen zwischen 10 und 19 Grad. Das sind alles andere als gute Voraussetzungen, um draussen Tennis zu spielen. Kaum hat das Turnier in Paris begonnen, beschweren sich die Spielerinnen und Spieler. Viktoria Azarenka, die vor zwei Wochen im Final der US Open gestanden war, packte bei ihrem ersten Auftritt kurzerhand die Tasche und provozierte damit einen Spielunterbruch. Sie lebe in Florida und sei es nicht gewohnt, bei solchen Temperaturen zu spielen.

Doch was soll der Veranstalter, der französische Tennisverband, anderes tun, als das Turnier irgendwie durchzudrücken? Schliesslich hat man den Sponsoren und den TV-Stationen gegenüber Verpflichtungen. Keiner will sich ausmalen, was passieren würde, wenn man das Turnier ganz hätte absagen müssen. Denn anders als Wimbledon verfügen die French Open nicht über eine Versicherung gegen eine Pandemie. Dass die Rechnung trotzdem aufgehen dürfte, zeigten die US Open.. Üblicherweise werden dort rund 150 Millionen Dollar Gewinn erwirtschaftet, nun waren es immer noch zwischen 40 und 50 Millionen Dollar. Die Show geht munter weiter. Denn noch mehr als ein Sport ist Tennis ein Geschäft.

Viktoria Azarenka lebt in Florida. In Paris spielte sie in langer Kleidung.

Viktoria Azarenka lebt in Florida. In Paris spielte sie in langer Kleidung.

Alessandra Tarantino / AP

Rafael Nadal: «Gefährlich für Ellbogen und Schultern»

Ein Geschäft, das auch neben dem Platz Geschichten abwerfen muss, will es auch künftig sein Publikum finden. Dazu passt das grosse Gejammer, das die ersten Tage begleitet, lanciert von Rafael Nadal persönlich, dem zwölffachen Sieger der French Open. Der Spanier sagte: «So schwierig wie in diesem Jahr waren die Bedingungen für mich noch nie.» Es sei sehr kalt und «etwas extrem». Besonders reibt sich Nadal aber an der Tatsache, dass mit neuen Bällen gespielt wird. Die Bedingungen seien zwar für alle gleich, er wolle sich nicht beschweren, aber: «Sind die Bälle nass, werden sie sehr schwer. Und das ist gefährlich für Ellbogen und Schultern.» Als würde in Paris mit Boccia-Kugeln statt mit Tennisbällen gespielt.

Der Brite Dan Evans sagte: «Die Bälle waren so mies, die würdest du noch nicht mal einem Hund zum Rumkauen geben. Es ist brutal. Es ist kalt. Aber ich denke, die Bälle sind das grösste Problem. » Das Wetter und die Bälle sind aber nicht die einzigen Gründe, die in Paris Gejammer sorgen. Es ist das Coronavirus, das die Spielregeln diktiert. Frankreich befindet sich in der zweiten Welle, letzte Woche meldeten die Gesundheitsbehörden über 75'000 Neuinfektionen. Frankreich zählt bisher über 30'000 Tote sind im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankrung. Entsprechend strikt sind die Regeln, die für die Tennisspieler gelten. Sie müssen sich regelmässig Tests unterziehen. Fünf Spieler wurden bereits ausgeschlossen.

Klage gegen Organisatoren

Unter ihnen sind durchaus bekannte wie der Spanier Fernando Verdasco oder der Bosnier Damir Dzumhur, der wegen eines positiven Tests bei seinem Trainer ausgeschlossen wurde. Sie unterzogen sich auf eigene Kosten Nachtests, die jeweils negativ ausfielen. Dzumhur kündigte bereits an, die Veranstalter zu verklagen. Verdasco war bereits im August an Covid-19 erkrankt. Am Freitag gelangte er mit einer offiziellen Mitteilung an die Öffentlichkeit und schrieb: «Ich möchte meine völlige Frustration und Verachtung für die Organisation von Roland Garros zum Ausdruck bringen. Dafür, dass mir das Recht genommen wurde, an diesem wichtigen Event teilzunehmen.» Er vermutet einen falsch-positiven Test.

Fernando Verdasco kritisiert, dass ihm die Organisatoren der French Open keinen Nachtest gewährt haben.

Fernando Verdasco kritisiert, dass ihm die Organisatoren der French Open keinen Nachtest gewährt haben.

Twitter

Bis vor zwei Wochen hatten die French Open den Plan, 11'500 Zuschauer pro Tag auf der 120'000 Quadratmeter grosse Anlage im Bois de Boulogne zuzulassen. Diese Zahl wurde inzwischen auf 1000 reduziert. Es gilt die Maskentragepflicht. Die Spieler wurden nach ihrer Anreise nach Paris zwei Mal innerhalb von 72 Stunden und während des Turniers im Fünf-Tages-Rhythmus getestet. Den Veranstaltern unterlaufen Fehler, die wie in den Fällen von von Dzumhur und Verdasco schmerzhafte Konsequenzen zeitigen. Diejenigen, die in aussergewöhnlichen Zeiten bereit sind, Turniere zu organisieren, verdienen Respekt. Denn sie zeigen auch Lernfähigkeit. Etwas, das nicht alle Spielerinnen und Spieler von sich behaupten können. Das Gejammer schadet nicht nur ihnen, sondern dem ganzen Sport.

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