REAKTIONEN: Die ehemaligen NHL-Stürmer über Damien Brunner

Patrick Fischer, Reto von Arx und Micheal Riesen über den Start des Zuger Stürmers bei den Detroit Red Wings.

Nbe.
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Damien Brunner beim Training in Detroit. (Bild: AP)

Damien Brunner beim Training in Detroit. (Bild: AP)

Das langjährige EVZ-Aushängeschild Patrick Fischer (37) ist Assistenztrainer beim HC Lugano. 2006/07 absolvierte er 26 Partien für die Phoenix Coyotes (4 Tore/6 Assists). Nach seiner Abschiebung in die AHL wechselte Fischer nach Russland und beendete seine Karriere 2009 beim EVZ.

«Es hat sicherlich auch mit der Mentalität zu tun, dass sich noch kein Schweizer Angreifer in der NHL durchgesetzt hat. In der Vergangenheit fehlte uns das Selbstvertrauen. Der Schweizer funktioniert eher so, dass er sagt: ‹Ach, geh doch du zuerst›, wenn es darum geht hinzustehen, und sich schnell einschüchtern lässt. Dazu kommt: Als Europäer musst du gut genug für die ersten beiden Linien sein. Denn für den dritten und vierten Block gibt es in Nordamerika genügend Spieler, da wartet keiner auf dich. Das war auch mein Problem in Phoenix. Man sagte mir, für die Linien 1 und 2 reiche es nicht ganz – und in einer anderen Rolle brauche man mich nicht.

Mit Damien Brunner habe ich in Zug noch zusammengespielt. Ich bin extrem begeistert darüber, wie er Hockey spielt, und habe keinen Zweifel daran, dass er auch die NHL rocken wird. Wenn nicht auf Anhieb, dann sicher mittelfristig. Der bevorstehende Durchbruch von ihm, von Sven Bärtschi in Calgary und von Nino Niederreiter in New York wird unserem Hockey massiv helfen. Die Signalwirkung, dass es eben doch geht, sollte man nicht unterschätzen. Denn man darf auch nicht vergessen, woher wir kommen: Vor 15 Jahren dümpelten wir noch an der B-WM herum. Das habe ich selber noch erlebt. Nun beginnt ein neues Zeitalter. Ich bin davon überzeugt, dass wir mittelfristig 15 bis 20 NHL-Spieler stellen können.»

Von Arx, erster Torschütze

Reto von Arx (36) wurde im Jahr 2000 im NHL-Draft in der 9. Runde von den Chicago Blackhawks selektioniert. Am 7. Oktober 2000 war er dank eines Doppelpacks im Spiel gegen Columbus der erste Schweizer, welcher in der NHL ein Tor erzielte (insgesamt 19 Spiele, 3 Tore/1 Assist). Nachdem er von Chicago in die AHL geschickt wurde, kehrte der Emmentaler nach Davos zurück, wo er noch immer aktiv ist.

«Damien Brunner hat alles, was es braucht, um sich in der NHL durchsetzen zu können – sowohl von der Spielart als auch vom Typ her. Mein Tipp: Er wird sich durchsetzen und an der Seite von Henrik Zetterberg spielen. Entscheidend wird der Anfang sein: Damien braucht einen guten Start. Er kommt in Detroit in eine gute Mannschaft, die wie jedes Jahr vorne mitspielen wird. Sein Vorteil ist, dass er im Gegensatz zu vielen seiner Mitspieler schon im Rhythmus ist und Spiele in den Beinen hat. Am Spengler-Cup spielte ich erstmals mit Damien zusammen im selben Team, kannte ihn aber bereits schon vom Sommer her gut, als er ein paar Tage bei uns in Davos verbrachte. Er ist ein angenehmer Mensch, ein Mitspieler, den du gerne im Team hast. Was in Damien vor seinem ersten Spiel mit Detroit vorgeht, weiss ich nicht. Ich kann nur von meinem Debüt mit Chicago erzählen: Ich war nervös, es war eine spezielle Situation. Das soll aber auch so sein, egal ob du Schweizer, Schwede oder Russe bist.»

Riesen als «Swiss Miss» verhöhnt

Michel Riesen (33) war 1997 an 14. Stelle von den Edmonton Oilers gedraftet worden und damit bis zum Draft von Nino Niederreiter (2010 als Nummer 10) der höchste je gezogene Schweizer. Riesen konnte sich in Kanada nie durchsetzen, wurde gar als «Swiss Miss» verhöhnt und kehrte 2001 nach bloss 12 Spielen (1 Assist) in die Schweiz zurück. Heute stürmt Riesen für Rapperswil.

«Ich traue Damien Brunner den Durchbruch in der NHL zu, weil er mit seiner Technik und seiner Übersicht die Voraussetzungen dazu hat. Viel hängt davon ab, wie er bei seinen Einsätzen zu überzeugen weiss. Wichtig ist, dass er sich in die Powerplay-Formationen spielen kann und Tore erzielt. Gelingen ihm keine, kann es durchaus sein, dass er rasch ins Farmteam abgeschoben wird. Ich bin aber zuversichtlich, dass er der Schweizer sein wird, der in der NHL den Durchbruch als Stürmer schafft. Mir war das seinerzeit nicht vergönnt. Bei den Edmonton Oilers kam ich zu zwölf Einsätzen in der NHL, die Ausbeute eines Skorerpunktes war aber zu wenig, um meinen Platz im Team halten zu können. In der NHL sind von den Stürmern Tore gefragt. Um solche zu schiessen, braucht es auch etwas Glück. Und dieses fehlte mir damals. Ich glaube, dass die Nordamerikaner ge­genüber den europäischen Stürmern und insbesondere den Schweizern gewisse Vorurteile haben, was die Qualitäten betrifft. Diese müssen sich im Vergleich zu den einheimischen Stürmern mehr beweisen. Das könnte auch Damien Brunner zu spüren bekommen.

Nur schon allein um diese Vorurteile abzubauen, hoffe ich, dass es Brunner schafft. Er wäre dann eine Art Türöffner, denn ich bin der Meinung, dass noch andere Schweizer Stürmer in der NHL bestehen könnten. Der Lockout hat gezeigt, dass die besten Schweizer Angreifer im Vergleich mit den zugegeben starken NHL-Stars nicht gross abgefallen sind.»