REFORMEN: So will die Fifa Vertrauen zurückgewinnen

Transparenz, mehr Demokratie und Gewaltenteilung. Unter grossem Druck von Sponsoren und der US-Justiz hat sich die Fifa gestern neu erfunden.

Sasa Rasic
Drucken
Teilen
Fifa-Funktionäre zählen die 207 Stimmzettel der stimmberechtigten Mitglieder des Fifa-Kongresses aus. (Bild: Keystone/Patrick B. Kraemer)

Fifa-Funktionäre zählen die 207 Stimmzettel der stimmberechtigten Mitglieder des Fifa-Kongresses aus. (Bild: Keystone/Patrick B. Kraemer)

Gleichzeitig mit der Wahl des neuen Präsidenten will die Fifa ihre Organisation reformieren. Der Weltfussballverband hat sich ein Reformpaket auferlegt, das die Struktur deutlich verändert. Einen zweiten Machtmenschen vom Format des Ex-Präsidenten Sepp Blatter wird es mit diesen Neuerungen kaum mehr geben. Durch die Trennung politischer und geschäftsführender Aufgaben soll die Macht im Verband besser aufgeteilt werden. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Fifa-Reformen:

Wie will die Fifa die umstrittenen Machtbefugnisse des Präsidenten beschränken?

Die Amtszeit des Präsidenten wird auf maximal dreimal vier Jahre beschränkt. Eine zweite Regentschaft wie jene von Ex-Präsident Sepp Blatter, der knapp 18 Jahre im Amt war, wird damit verunmöglicht.

Welche anderen Massnahmen werden zur Machteinschränkung vorgenommen?

Statt zu regieren, soll der neue Fifa-Präsident eher repräsentieren. Er wird in ein neues Gremium – den Council (Fifa-Rat) – eingebunden. Der neue Präsident darf aber den Vorschlag für die Ernennung des Generalsekretärs (dessen Macht gestärkt wird) vornehmen. Der Präsident entscheidet jedoch nicht mehr über TV- und Marketingverträge. Zudem muss sich der neue Präsident einem Integritätscheck unterziehen.

Was genau ist die Aufgabe des neuen Fifa-Rats, bei dem der Präsident künftig dabei sein wird?

Das neue Gremium ersetzt das Exekutivkomitee. Es ähnelt mehr einem Verwaltungsrat als einer Regierung. Neu besteht es aus 37 statt 25 Mitgliedern, inklusive Präsident. Der Council trifft keine operativen Entscheide mehr, sondern genehmigt sie nur noch. Strategische Entscheide zu treffen sowie die Arbeit der Verwaltung und der ständigen Kommissionen zu beaufsichtigen, gehört zu den Kernkompetenzen des neuen Rates. Genau wie der Präsident müssen auch die Mitglieder des neuen Rates einen Integritätscheck durchlaufen. Ihre Amtszeit ist ebenfalls auf maximal dreimal vier Jahre beschränkt. Für derzeit amtierende Mitglieder gilt die Beschränkung ab dem Ende der laufenden Amtszeit.

Wer «regiert» nun nach der Machtbeschränkung des Präsidenten den Weltfussballverband?

Der neue starke Mann bei der Fifa ist nun der Generalsekretär. Doch seine Macht ist deutlich geringer als jene des bisherigen Präsidenten. Der Generalsekretär amtet nun als eine Art Geschäftsführer. Bei ihm laufen alle operativen Fäden zusammen. Er bestimmt das Alltagsgeschäft. Der Generalsekretär ist aber auch unter Beobachtung der Abteilung für korrekte Unternehmensführung.

Wie soll die Effizienz des Verbandes gesteigert werden?

Die Verwaltung wird schlanker. Es soll in Zukunft nur noch 9 statt 26 ständige Kommissionen geben. Nicht mehr jedes der 209 Fifa-Mitglieder bekommt einen Posten in Zürich. Die Versorgungskultur für Funktionäre aus aller Welt soll beendet werden. Mindestens die Hälfte der Mitglieder kommen nicht aus der Fifa-Familie, sondern sind externe Experten.

Welche Reformen sollen zu einer höheren Transparenz führen?

Einer der wichtigsten Punkte ist die Veröffentlichung der Vergütungen. Die Entschädigungen des Präsidenten, der neuen Ratsmitglieder und des Generalsekretärs sollen öffentlich gemacht werden. Zudem werden die Kontrollgremien – Ethikkommission und juristische Gremien wie die Disziplinarkommission – komplett unabhängig und extern besetzt.

Wie wird die Frauenförderung in der Organisation umgesetzt?

Jede der sechs Fifa-Konföderationen muss mindestens eine Frau im Council stellen. Falls trotz der Regel keine Frau entsendet wird, verfällt der Sitz, und die betroffene Konföderation stellt ein Mitglied weniger. Die Gleichberechtigung der Geschlechter wird zudem in die Statuten aufgenommen. Aktuell gibt es nur ein weibliches Mitglied. Mit den neuen Bestimmungen wären es im Minimum sechs weibliche Mitglieder.

Ab wann sind die beschlossenen Reformen gültig?

Die Änderungen treten 60 Tage nach Ende des Fifa-Kongresses in Kraft.