Schötzer Krieger düpieren Buochs

Drei Tore, zwei frühe Ausfälle und eine rote Karte. Der 2:1-Sieg des FC Schötz in Buochs hatte einiges zu bieten.

Stephan Santschi
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Der Buochser Clirim Shabani (Mitte) beschäftigt die Schötzer Abwehr mit Goalie Philip Bolliger und Verteidiger Marcel Gänsler (rechts).

Der Buochser Clirim Shabani (Mitte) beschäftigt die Schötzer Abwehr mit Goalie Philip Bolliger und Verteidiger Marcel Gänsler (rechts).

Bild: Pius Amrein (Buochs, 17. Oktober 2020)

Wie nahe Verzweiflung und Glückseligkeit doch beieinander liegen können. Die 94. Minute war angebrochen, als der Schötzer Eduard Nikmengjaj auf das Buochser Tor zustürmte. Der Goalie war nirgends zu sehen, er war beim letzten Eckball seines Teams mit nach vorne gegangen, um das 2:2 zu erzwingen. Nikmengjaj hatte aber noch zwei Verteidiger vor sich, die heroisch die eigene Torlinie abzuschirmen versuchten. Prompt liess sich der Angreifer irritieren und drosch den Ball aus nächster Nähe neben das Tor.

Der Staff und die Auswechselspieler auf der Schötzer Bank konnten es nicht fassen, rissen vor Entsetzen die Arme in die Höhe. Und brachen kurz darauf in erlösenden Jubel aus, als der Schiedsrichter die Partie beendete. «Am letzten Mittwoch bei der 0:1-Niederlage gegen Biel spielten wir 60 Minuten lang in Unterzahl und liessen viele Kräfte liegen. Nun kämpften wir wieder kriegerisch. Das war ein Sieg des Willens», kommentierte der Schötzer Trainer Roger Felber den 2:1-Erfolg auf dem tiefen Seefeld-Rasen mit heiserer Stimme.

Buochs lässt «Präsenz in der Box» vermissen

Die Einsatzbereitschaft der Schötzer war in der Tat beeindruckend, mit spielerischer Qualität vermochten sie allerdings nicht zu gefallen. In der zweiten Halbzeit waren sie sogar die klar unterlegene Mannschaft und vor allem in der Defensive beschäftigt. Der SC Buochs drückte beim Stand von 1:1 auf den Siegestreffer, führte trotz dem schwierigen Geläuf eine technisch feine Klinge. Auf den letzten Metern fehlte den Nidwaldnern aber die Durchschlagskraft, die Entschlossenheit.

«In der Box», so stellte der Buochser Trainer Marco Spiess fest, «zeigten wir zu wenig Präsenz. Die 100-prozentige Chance hat uns gefehlt.» Als Ausnahme durfte er die Szene in der 9. Minute anführen, als die Buochser durch ein Abstaubertor von Fabian Rüedi in Führung gegangen waren. Neun Minuten später war das Skore aber bereits wieder ausgeglichen, weil auch der Schötzer Yanick Rapelli einen abgewehrten Ball nur noch einzuschieben brauchte.

Kurz darauf musste Rapelli den Platz verletzungsbedingt verlassen (28.), auf Buochser Seite hatte bereits Captain Emanuele Guidotti nach einem unglücklichen Tritt ins Gesicht mit einer Zahnverletzung ausscheiden müssen (8.). Zwei frühe Ausfälle, die symbolisch standen für den bedingungslosen Fight, den sich zwei Kellerkinder der 1. Liga an diesem Abend lieferten.

Patrick Gjidoda trifft gegen Ex-Kollegen – schon wieder

Dass die Schötzer das glücklichere Ende auf ihrer Seite hatten, verdankten sie dem zielstrebigen Angriff in der 81. Minute. Gent Mazreku, der 25-jährige Stratege im zentralen Mittelfeld, der einst zu den grössten Talenten seines Jahrgangs in der Schweiz zählte, spielte einen langen Ball auf Patrik Gjidoda. Und der Torjäger traf im Stile des Torjägers, der er ist, zum 2:1 ins Netz.

Ausgerechnet und schon wieder Gjidoda, dachten sich wohl die Buochser Anhänger. Drei Jahre spielte er für den SCB, bereits im Cup im August hatte er seine früheren Kollegen beim 4:1-Erfolg mit zwei Treffern abgeschossen. Am Ende entlud sich der Buochser Frust noch im einen oder anderen rüden Foul, Christoph Frank sah nur 90 Sekunden nach seiner Einwechslung die rote Karte. Ihre Tabellensituation wird damit ungemütlicher, die Abstiegszone ist wie für Schötz nur drei Zähler entfernt.

«Wir wussten schon vor der Saison, dass das Mitschwimmen im Mittelfeld mit diesem jungen Team kein Selbstläufer wird», erklärte Marco Spiess. Sein Antipode Roger Felber freute sich derweil auf einen ruhigen Sonntag mit der Familie. Vor dem Spiel war er noch in Magglingen gewesen, um die Zulassungsprüfung für das A-Diplom zu absolvieren. «Das war heute zu viel für mich», sagte er nach der nervenaufreibenden Schlussphase mit einem Schmunzeln.