KTV Altdorf ist noch in der Findungsphase

Drei Niederlagen nach drei Runden in der NLB und das Out im Cup gegen das unterklassige Muotathal – Altdorf ist der Start in die Saison missglückt. Der neue Trainer Sebastian Munzert erklärt weshalb.

Stephan Santschi
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Bisher dirigiert Altdorfs Trainer Sebastian Munzert (stehend) sein Team ohne Erfolg. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 15. September 2018)

Bisher dirigiert Altdorfs Trainer Sebastian Munzert (stehend) sein Team ohne Erfolg. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 15. September 2018)

«Ich hatte mir einen anderen Start erhofft. Als Realist habe ich aber mehr oder weniger damit rechnen müssen.» Der frühere Kreisläufer Sebastian Munzert blickt auf schwierige erste Wochen als neuer Trainer des KTV Altdorf zurück. Am letzten Samstag im Heimspiel gegen Solothurn (24:28) resultierte die dritte Niederlage im dritten NLB-Spiel – damit stehen die Urner auf einem Abstiegsplatz. Besonders bitter war das Cupout gegen 1.-Ligist Muotathal. «Das war eine katastrophale Vorstellung, die Einstellung der Spieler stimmte nicht», polterte Munzert nach der 25:29-Blamage.

Gegen Solothurn war der 34-jährige Deutsche mit der Mentalität seines Teams «sehr zufrieden», wie er sagt, dafür missfiel ihm vieles in spielerischer Hinsicht. «In der Abwehr fanden wir den Zugriff nicht, die Goalieleistungen waren nicht gut, über den Kreis hatten wir im Angriff fast keine Aktionen und im Rückraum stimmte die Qualität von ein, zwei erfahrenen Spielern nicht. Angriffe wurden egoistisch und zu früh abgeschlossen.»

Altdorf will das ausländische Personal reduzieren

Kein Zweifel: Der KTV Altdorf hat derzeit einige Baustellen zu bewältigen. Die Abgänge im Sommer mit Spielertrainer Mario Obad, Marko Koljanin, Kevin Ledermann, Martin Betschart, Samuel Wyss und Roland Szabo wiegen schwer, derweil die Zuzüge noch nicht integriert sind. «Wir haben einen Kader mit 18 Mann. Davon sind elf neu dabei», erklärt Munzert, der seit seinem Engagement als Trainer selber nicht mehr als Spieler im Aufgebot steht. «Ich trainiere zwar wieder intensiver mit, sehe mich aber nur als Back-up, der nicht zu früh wieder einsteigen will.»

In dieser Saison strebt der Verein nach dem Ligaerhalt, wie die mittelfristige Zukunft aussehen soll, ist aber unklar. Grundsätzlich sei es das Ziel, mit weniger internationalem Personal auszukommen, in der jüngeren Vergangenheit sei «das Wir-Gefühl im Verein nicht mehr so da gewesen», sagt Munzert. Auch das jetzige Kader enthält mit Marius Kasmauskas, Edvinas Vorobjovas (beide Litauen), Florian Henrich (Deutschland), Amer Zildzic (Bosnien) und Tomas Adamcik (Slowakei) fünf Ausländer. «Unsere Nachwuchsspieler sind für die entscheidenden Positionen noch nicht so weit.» Ob ein einstweiliger Abstieg in die 1. Liga für die Entwicklung Sinn macht, werde der weitere Jahresverlauf zeigen. «Vielleicht stellt sich die Lernkurve unserer Eigengewächse ja als sehr gut heraus.»

Vorderhand ist Sebastian Munzert nur schon froh, in dieser Woche erstmals alle Spieler im Training begrüssen zu können. Die eigentliche Saison beginne für ihn erst, wenn sie auf die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf treffen, also ab November. «Gegen Solothurn haben wir erstmals weniger als 30 Gegentore erhalten. Es geht nun vorderhand darum, die Abstimmungsprobleme in der Abwehr zu beheben.» Er selber war ein starker Verteidiger, jahrelang spielte er in der 2. Bundesliga, ehe er 2011 nach Altdorf übersiedelte. «Damals hatten wir ein tolles Team, zudem mag ich es eher ländlich mit Bergen und Seen», erzählt Munzert, der nahe der Ostsee aufgewachsen ist.

Die nötige NLB-Lizenz hat der Goalietrainer

Heute lebt er mit seiner Frau und der einjährigen Tochter Matea in Altdorf, in Zürich ist er bei der Tamedia AG im Finanzbereich zu 100 Prozent angestellt. Die für den NLB-Trainerjob nötige B-Lizenz muss er sich erst noch aneignen, «ein bis eineinhalb Jahre wird das noch dauern». Aktuell fungiert auf der Altdorfer Bank Goalietrainer René Joller daher als Lizenzgeber. «Ambitioniert», nennt Munzert sein persönliches Pensum mit Arbeit und Handball. Und scheint wie sein Team noch in der Findungsphase zu stecken.

Arnosti international

«Damit hätte ich nie gerechnet.» Christian Arnosti, der Sportchef des BSV Stans, der im Sommer nach neun Saisons im Tor der Nidwaldner zurückgetreten ist, kommt unverhofft zu einem Karrierehighlight: Schweizer Meister Wacker Thun hat den 32-jährigen Horwer für sechs bis acht Wochen als Ersatz für den verletzten Schweizer Nationalkeeper Marc Winkler verpflichtet. Arnosti wird im Wechsel mit Dominique Wyss, dem dritten Torhüter, ins Aufgebot der Berner Oberländer rücken, um die Nummer zwei Flavio Wick zu entlasten. «Wann kommt man schon einfach so zu einer Gelegenheit, um Champions League zu spielen», fragt Arnosti rhetorisch und schmunzelt. Mit Ausnahme der ersten NLA-Saison mit Kriens (2007/08) spielte er nie höher als in der NLB – dort dafür aber auf einem Toplevel. Erstmals im Einsatz mit Wacker stand er am Sonntag zum Auftakt der Königsklasse bei den Polen von Wisla Plock (24:34-Niederlage). In den letzten Minuten kam Arnosti auf den Platz und parierte einen von vier gegnerischen Abschlüssen. «Zuerst war da schon ein Boah-Effekt, doch dann habe ich das Drumherum sehr gut ausblenden können», berichtet er. Bereits am Donnerstag im Champions-League-Heimspiel gegen Riihimäen Cocks (FIN) steht Arnosti wieder im Thuner Aufgebot. (ss)