Am Anfang stand beim Adligenswiler Noah Breschan ein Kinderrad

Er rast über wellige Pisten, überwindet Hindernisse und fliegt durch die Luft. Der Adligenswiler Noah Breschan gehört zu den grossen BMX-Talenten. Der 19-Jährige äussert sich über Angst und Respekt.

Theres Bühlmann
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Noah Breschan auf der BMX-Anlage Ruopigen. (Bild: Nadia Schärli (Luzern-Littau, 16. November 2018)

Noah Breschan auf der BMX-Anlage Ruopigen. (Bild: Nadia Schärli (Luzern-Littau, 16. November 2018)

Sie schenken sich nichts, die BMX-Race-Fahrer. Wer dem Gegner ausweicht oder nicht die Ellbogen ausfährt, steht auf verlorenem Posten. «Ein wenig Egoist muss man in dieser Sportart schon sein, sonst wird man ausgebremst», sagt der 19-jährige Adligenswiler Noah Breschan. Er wird als grosses Talent in der Sparte BMX-Race gehandelt, frönt seinem Sport mit Leib und Seele.

Mit drei Jahren erhielt er zu seinem Geburtstag ein Velo geschenkt. Sein Talent, einmal über Hindernisse zu rasen, muss sich schon damals angedeutet haben, «denn ich wollte partout keine Stützrädli». Motocross-Rennen hat er sich im Fernsehen angeschaut, und als kleiner Knirps versucht, dies irgendwie mit seinem Kinderrad nachzumachen. Dank seinem Götti Albert, der die BMX-Bahn in Littau kannte, fand er dann zu seiner heutigen Passion. Mit fünf Jahren bestritt er dort sein erstes Rennen – und stürzte. «Trotzdem, diese Sportart gefiel mir auf Anhieb», blickt er zurück. Von da an ging es bergauf, um später rasant bergab zu gehen.

So holte sich der Adligenswiler unter anderem 2014 in der Kategorie Boys 15 den Schweizer-Meister-Titel sowie den zweiten Platz an der WM. 2015 stand er an der EM bei den Boys 16 ganz oben. 2016 zog er sich eine Schulterverletzung zu, die ihn fast das ganze Jahr ausser Gefecht setzte. Nach seiner Rückkehr auf die Pisten schaffte er es 2017 an der EM und WM jeweils in die Halbfinals. Dieses Unterfangen gelang ihm auch im vergangenen August an der EM in Glasgow, in seinem ersten Elitejahr, was schliesslich Rang 12 ergab.

Vater Roman betätigt sich als Mechaniker

Zu acht stehen sie jeweils gleichzeitig oben am Start. «Der Start ist von grosser Wichtigkeit», erklärt Noah Breschan, «wenn er nicht klappt, gerät man bereits gewaltig ins Hintertreffen.» Innerhalb von drei Sekunden beschleunigen die Fahrer auf 60 Stundenkilometer. Rasant geht’s auf der etwa 400 Meter langen Strecke zum Ziel, Kurven und wellige Pisten müssen bewältigt und Hindernisse übersprungen werden. Die besten vier kommen jeweils eine Runde weiter. Rempler sind an der Tagesordnung und Stürze manchmal auch. Respekt ja, «aber Angst darf man keine haben, sonst beginnt man zu zweifeln», sagt Noah Breschan, dem man sehr gerne zuhört, wenn er über seinen Sport spricht. Und «nein, BMX-Race ist nicht gefährlicher als andere Sportarten». Ab und zu, aber nur so hobbymässig, versucht er sich auch beim Freestyle-BMX, jener Sparte, bei denen die Fahrer in der Luft jede Menge Tricks, zum Beispiel Drehungen, Salti vor- und rückwärts, vollführen.

Seit 2015 gehört Noah Breschan dem Haro BMX Team Switzerland mit Sitz in Hünenberg an, bekommt Material und Kleidung zur Verfügung gestellt. Falls an seinem Rad ein Defekt auftritt, legt er selber Hand an oder kann auf die Hilfe seines Vaters Roman zählen. «Wenn man solange dabei ist, kennt man ja jede Schraube am Rad.»

Rund 15 Stunden wendet er in der Woche für das Training auf, dazu kommen die Rennen an den Wochenenden. Schnellkraft ist vor allem bei den BMX-Fahrern gefragt, aber auch den Sprints auf dem Rad wird ein grosses Augenmerk geschenkt. Die technischen Finessen werden auf den Anlagen in Winterthur und Littau, aber auch beim Swiss Cycling Zentrum in Grenchen geschult. Bei letzterem trainiert er hauptsächlich auf der acht Meter hohen Startrampe, wie sie am Weltcup anzutreffen ist. Auch die Sprungtechnik für die 10 bis 12 Meter weiten Sprünge wird dort perfektioniert. Dies alles soll ihn zu seinen grossen Zielen führen. Auch an die Olympischen Spiele. «Tokyo 2020 wäre schon schön. Dies kommt vielleicht für mich etwas früh, ist aber nicht unrealistisch. Für Paris vier Jahre später stehen die Chancen besser, dann bin ich etwas reifer und verfüge auch über mehr Erfahrungen.» An den EM im nächsten Jahr in Lettland möchte er innerhalb den Top-16 stehen und ein Jahr später an der WM ebenfalls.

Beim Luzerner Projekt «Unsere Helden» dabei

Noah Breschan gehört auch zu den «12 Helden», die vom Kanton Luzern auf dem Weg zu Grossanlässen finanziell und ideell unterstützt werden (siehe Box). «Dafür bin ich sehr dankbar.» Dieser Support bedeute ihm sehr viel. «Dass die Verantwortlichen dieses Projektes hinter mir stehen, mein Potenzial erkennen und mir ihr Vertrauen schenken, das ist schon eine ganz grosse Motivation.»

Auch voll und ganz hinter ihm stehen seine Eltern Pia und Roman, die ihn ins Training fahren und an den Rennen dabei sind. «Sie fördern mich, ohne je meinen Sport zu hinterfragen. Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich.» Noah ist übrigens nicht der einzige Breschan-Sprössling, der dieser Sportart frönt. Auch sein 16-jähriger Bruder Jeron ist auf den Pisten anzutreffen «und der verfügt über sehr viel Talent», wie sich Noah äussert. Der übrigens hofft, möglichst bald die Autofahrprüfung zu machen. Noah Breschan besucht die Sportklasse der Kantonsschule Alpenquai in Luzern, hat kürzlich seine Maturaarbeit abgeliefert. Darin analysierte er, wie sich die Maximal- und Schnellkraft mit der Beschleunigung auf dem BMX-Rad verhält. Im nächsten Sommer steht die Matura an, und dann, wie weiter? «Ich möchte Profi-BMX-Fahrer werden.» Er sagt es klar und bestimmt, da bleiben keine Zweifel offen.

Kanton unterstützt «12 Helden»

Bereits zum vierten Mal unterstützt der Kanton Luzern Sportlerinnen und Sportler mit dem Projekt «Unsere Helden – Luzerner Olympia- und Topsportlerteam» in finanzieller und ideeller Hinsicht, um sich auf kommende Grossanlässe wie Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften optimal vorzubereiten und sich zu qualifizieren. Diesmal sind es 12 Athleten. Im Gegenzug stehen diese dem Kanton Luzern als Botschafter zu Verfügung, indem sie repräsentative Aufgaben wahrnehmen. Im Fokus stehen die Olympischen Sommerspiele und die Paralympics 2020 in Tokyo und das Eidgenössische Schwingfest 2019 in Zug. «Voraussetzung für die Aufnahme in das Team sind unter anderem reelle Chancen, sich für die Olympischen Spiele und die Paralympics zu qualifizieren und am Eidgenössischen Schwingfest einen Spitzenplatz zu erkämpfen», äusserte sich Guido Graf, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kanton Luzern. Die Aufnahme in das Projekt erfolgt nach bestimmten Kriterien und in Zusammenarbeit mit den nationalen und kantonalen Sportverbänden, der Schweizer Sporthilfe, Swiss Olympics sowie der Spitzensportförderung der Schweizer Armee. Maximal 10 000 Franken pro Athlet im Jahr Pro Athlet werden maximal 10 000 Franken pro Jahr ausbezahlt. Berechnet wird die Unterstützung anhand der Einnahmen und Ausgaben des Sportlers, nach Materialaufwand und Reisekosten. Letztere betreffen vor allem Athleten, die ein Training im Ausland absolvieren. Die Mittel stammen aus Lotterieerträgen von Swisslos. Insgesamt wurden 19 Luzerner Sportlerinnen und Sportler in den vergangenen Jahren durch diese Projekt unterstützt. Herausragend ist der Olympiasieg der Ruderer Mario Gyr und Simon Schürch 2016 in Rio de Janeiro im Leichtgewichts-Vierer, sowie Gold und Silber an den Paralympics 2016 durch den Rollstuhlfahrer Marcel Hug. Dazu kamen zahlreiche Olympische Diplome. Profitieren von diesem Projekt kann auch der Schwinger Joel Wicki im Hinblick auf das Eidgenössische Schwingfest 2019 in Zug. (pd/T.B.)

Projekt «Unsere Helden» Roman Allinckx: Squash, Kriens (nicht Olympische Sportart). – Linus Bolzern: Kanu Regatta (Adligenswil). – Noah Breschan: BMX-Race (Adligenswil). – Alexandra Helbling: Rollstuhlsport (Nottwil). – Fabienne Kaufmann: Karate (Oberkirch). – Petra Lustenberger: Sportschiessen (Rothenburg, gemeinsame Unterstützung mit dem Kanton Nidwalden). – Stefan Reichmuth: Ringen (Grosswangen). – Roman Röösli: Rudern (Luzern). – Géraldine Ruckstuhl: Leichtathletik (Altbüron). – Michael Schmid: Rudern (Luzern). – Joel Schürch: Rudern (Schenkon). – Joel Wicki: Schwingen (Sörenberg, wird im Hinblick auf das Eidgenössische Schwingfest 2019 in Zug unterstützt).