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Der Ski-Orientierungsläufer Noel Boos aus Malters geht auf Spurensuche nach Sibirien

Noel Boos fährt an die Winteruniversiade nach Krasnojarsk. Der 21-Jährige aus Malters erklärt seine Faszination für diese Randsportart und wie er sich auf Russland vorbereitete.
Theres Bühlmann
Noel Boos mit dem Kartengestell, das durch einen beweglichen Hebel am Oberkörper befestigt wird. (Bild: Dominik Wunderli (Eigenthal, 16. Februar 2019))

Noel Boos mit dem Kartengestell, das durch einen beweglichen Hebel am Oberkörper befestigt wird. (Bild: Dominik Wunderli (Eigenthal, 16. Februar 2019))

Ski-Orienterierungslauf? Doch, das gibt es. Kurz zusammengefasst: Postensuche auf Langlaufski. Etwas detaillierter ausgedrückt: Gefragt ist Kartentechnik, gepaart mit Ausdauer und technischer Versiertheit beim Skaten. Ski-OL ist in der Schweiz eine Randsportart, trotz Erfolgen auf internationaler Ebene. In unseren Breitengraden gibt es auch nicht viele, die sich dieser Sportart verschrieben haben. Wer sich aber ab und zu im Eigenthal aufhält, begegnet vielleicht ihm: Noel Boos, 21-jährig. Der in Malters wohnhafte Student beherrscht diese komplexe Sportart auf hohem Niveau und zieht dort, eben im Eigenthal, trainingshalber seine Runden.

In den letzten Tagen wurden die Übungseinheiten intensiviert, denn er steht vor einer grossen internationalen Herausforderung: Angesagt ist die Winteruniversiade in Krasnojarsk (Sibirien, Russland), die vom 2. bis 12. März über die Bühne geht. Den letzten Schliff vor der «Reise in die Kälte» holte er sich noch in Goms. Noel Boos bringt die Faszination für diesen Sport so auf Nenner: «Es ist die Kombination zwischen Laufen auf Ski und Kartenlesen bei hohem Tempo, die Wahl der richtigen Routen, und auch ab und zu eine steile Abfahrt auf Langlaufskis bewältigen.» Man hört ihm gerne zu, wenn er mit Begeisterung über seinen Sport spricht.

Noel Boos musste sich zwischen der Teilnahme an den EM in der Türkei (4. bis 12. Februar), den WM Anfang März in Schweden und der Winteruniversiade entscheiden. Er wählte Letzteres, «weil dieser Anlass etwas Einmaliges ist». Auf den Wettkampf in der Türkei verzichtete er schon deshalb, da zu diesem Zeitpunkt für den Informatik-Studenten Prüfungen an der ETH Zürich anstanden. Das ETH-Studium bringt es mit sich, dass die Wettkampf- und Trainingsplanung gut abgestimmt werden muss, um nicht mit Vorlesungen und Prüfungen in Konflikt zu geraten. Oder wie sich Noel Boos ausdrückte: «Ich muss ziemlich jonglieren.» Rund 10 bis 12 Stunden Training in der Woche wendet er für seinen Sport auf. Vor seinem Studium war der Umfang rund vier Stunden höher. Er ist auch im Fuss-OL erfolgreich unterwegs, forciert diese Sparte nun aber nicht mehr, «denn Ski-OL hat Priorität». Trainiert wird nicht nur auf Langlaufskis, sondern auch im Kraftraum und auf Rollskis.

Das Gelände wird akribisch unter die Lupe genommen

Ein grosses Augenmerk wird auch dem Kartenstudium geschenkt. Ein Kollege, der in Krasnojarsk einen Wettkampf bestritt, brachte ihm eine Karte nach Hause, nun wird akribisch jede Steigung, jede Kurve, jede Unebenheit des Geländes unter die Lupe genommen. «Das Gelände in Sibirien ist sehr anspruchsvoll, und beinhaltet auch steile Abfahrten», so Noel Boos. Da gilt es dann, in einem Netz von Loipen und Spuren von Schneetöffs den richtigen Weg zu finden. «Und manchmal», sagte er, «muss man halt auch querfeldein laufen.» Selektioniert sind für diese Winteruniversiade bei den Ski-OL-Athleten neben Noel Boos auch der St. Galler Lukas Deininger und Laura Diener aus Bern. Das Trio kann in Sibirien auf einen Servicemann zählen. Auf dem Wettkampfprogramm stehen ein Sprint, die Verfolgung, Sprint-Staffel (Mixed) und die Mitteldistanz mit Massenstart, die Lieblingsdisziplin von Noel Boos. Die Ziele sind auch gesteckt: «In einer Disziplin die Top-15 erreichen.» Und wie funktioniert das nun, Kartenlesen und die Skistöcke benutzen? Dazu benötigen die Athleten ein Kartengestell, das durch einen beweglichen Hebel am Oberkörper befestigt wird.

Noel Boos ist, was den Orientierungslauf anbelangt, erblich vorbelastet. Seine Eltern Matthias und Sibylle sind sowohl im Fuss-OL als auch im Ski-OL zu Hause. Nach einigen Jahren als OL-Läufer, begann Noel etwa vor neun Jahren mit dem Langlauftraining, begleitete seine Eltern zu einem Ski-OL-Wettkampf und fand Gefallen an dieser Sportart. Sein Potenzial konnte er in der Vergangenheit schon mehrmals an internationalen Anlässen unter Beweis stellen, er nahm an Jugend- und Elite-Europameisterschaften teil und auch an Studentenweltmeisterschaften. Bei letzterer reichte es 2018 in der Verfolgung zu Rang 20, wobei die Vorbereitung zu diesem Wettkampf wegen einer Operation nicht optimal verlief. Einer seiner grössten Erfolge ist die Bronzemedaille an der Jugend-EM 2014 mit der Staffel. Dazu kommen Siege und jede Menge Podestplätze an nationalen Meisterschaften.

Auch sein Bruder Corsin (18) ist erfolgreich im «Ski-OL-Geschäft», auch er gewann schon Medaillen an internationalen Anlässen, so zum Beispiel vor zwei Jahren eine bronzene Auszeichnung im Sprint und bestreitet im nächsten Monat die Junioren-WM in Schweden.

2021 findet die Winteruniversiade bekanntlich in der Zentralschweiz statt. Ob dann Ski-OL durchgeführt wird, ist noch nicht in Stein gemeisselt, da diese Sportart nicht obligatorisch ist, sondern vom Veranstalter wahlweise aufgenommen werden kann (siehe Kasten). «Ich hoffe sehr, dass Ski-OL 2021 auf dem Programm steht», sagte Noel Boos, zumal dann vielleicht auch sein Bruder Corsin dabei sein könnte. «Das wäre dann das Grösste.»

Schweizer Rekorddelegation reist an die Winteruniversiade nach Russland

Noch nie hat eine derart grosse Schweizer Delegation an einer Winteruniversiade, die alle zwei Jahre stattfindet, teilgenommen: 100 Athletinnen und Athleten reisen nach Krasnojarsk in Russland an die 29. Winteruniversiade (2. bis 12. März). Sie sind in den Disziplinen Biathlon, Curling, Eishockey, Eiskunstlauf, Ski Freestyle, Langlauf, Ski Alpin, Ski-OL und Snowboard dabei. Zum ersten Mal ist die Schweiz mit je einem Frauen-und Männer-Eishockeyteam vertreten. Nach Russland fahren auch einige Zentralschweizer: Im Ski alpin sind Yannick Chabloz (Beckenried) und Lara Zürcher (Einsiedeln) gemeldet. Im Biathlon ist Anja Fischer (Engelberg) dabei, im Ski-Langlauf ihre Schwester Lea Fischer. Aus Neuägeri reist Simon Gloor mit dem Curling-Team nach Russland, bei den Frauen ist Larissa Berchtold (Kreuzlingen) im Team, die an der Universität Luzern studiert. Der Dagmerseller Noah Käch startet im Ski-Cross und Noel Boos aus Malters im Ski-OL. Cyril Niederhäuser (Cham) und Tiziana Cipriani Cadient (Seewen) sind im Eishockey involviert. 2021 findet die Winteruniversiade in der Zentralschweiz statt. Eine Delegation reist nun nach Russland, um mit dem Organisationskomitee von Krasnojarsk Erfahrungen auszutauschen. An der Schlussfeier am 12. März wird die Fahne des Internationalen Hochschulsportverbandes Fisu an die Schweiz übergeben. Mit einer rund 10-minütigen kulturellen Darbietung wird sich die Schweiz der internationalen Hochschul-Familie präsentieren. «Wir werden das Publikum auf eine spielerische Reise von Sibirien in die Schweiz mitnehmen und einen kulturellen und visuellen Vorgeschmack auf die Winteruniversiade in unserem Land geben», sagte Urs Hunkeler, Geschäftsführer der Winteruniversiade 2021. Die Winteruniversiade beinhaltet vorgeschriebene Disziplinen. Vom Gastland können bis zu drei weitere optionale Sportarten ausgewählt werden. Russland entschied sich unter anderem für Ski-Orientierungslauf – wohl nicht zuletzt, weil die Russen in dieser Disziplin zu den führenden Ländern gehören. Ob diese Sportart 2021 in der Schweiz auch auf dem Programm figurieren wird, steht derzeit noch nicht fest: «Es sind noch Verhandlungen im Gange», sagte Urs Hunkeler. (pd/T.B.)

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